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Jeschurun · 1887-11-03 · Heft 44 (3.11.1887) · p. 699

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 44 (3.11.1887)
Article
Deutschland : Berlin [Nachricht]
Date
1887-11-03
Page
699 (sequence 2)
Language
German
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699 Holland Juden gewahren. Der Holländer ist also doch | nicht so ״praktisch", im Sinne des verehrten Mitarbeiters j der ״Srniftcitiing״, und dem geehrten Herrn können; wir zur Beruhigung mitthcilcn, daß ״Erscheinungen",; daß beispielsweise ein Gerichtshof an einem Sonnabend ׳ nicht tagen konnte, wie cs in Berlin vorgekommen sein soll (V), weil die jüdischen Rechtsanwälte des Feiertages halber nicht erschienen, im ״freien Holland" — eben weil cs frei sich fühlt von seinen Borurlhcilcn, die leider so manche Kreise unseres deutschen Volkes unbegründetcrweise beherrschen, nicht zu den ״absoluten Unmöglichkeiten" gehören. Würzbnrg, Ende Oktober. Dieser Tage wurde Dr. Willy Silbcrschmidl von hier, der Sohn eines Arztes, der wegen seiner Geschicklichkeit und Herzensgütc in Würzbnrg und Umgebung allgemein beliebt und hoch geachtet war, za in Staatsanwalt am Landgerichte Aschassenbnrg ernannt. Diese Ernennung ist deshalb von Bedeutung, wcil Herr Silberschmidt ein Jiraetit in, wenn auch nicht der erste, lvclchcr in Bayern zur Staatsanwaltschaft berufen wurde. Die hiesige ״Bayrische Landcszeitung" widmet dem neuen Ltaatsvcnrewr einen warnten Artikel, aus dem wir Folgendes entnehmen-. ״Die Ernennung ist darum interessant, weil sic unter der Regentschaft des Prinzen Loniipold cisolgt ist, dem nian ebenso wie seinem prästnntiven Nachfolger. dem Prinzen Rupprccht, in auswärtigen Btätlerli starte antisemitische Tendenzen nnterschiebt, tvei! die politische Einseitigkeit in der Entschiedenheit des christlichen und speziell des kalholischcn Bekenntnisses die Neigung zu religiöser Ausschließlichkeit iniltcrt. Die Ernennung Silbcrschmidt's mad:t jene Unterschiebung gründlich zu Schanden. Er fährt weiter fort: ״ Herr Staats-- anwall gleicht seinem Pater in allem. an Pcrsrand, Geist, Her; und Gcmüth. Als ganz jnngcr Marin hat sich derselbe durch Losung einer Streitfrage den juristischen Doktortitel verdient und in: Vorjahre bestand er mit Glan: das Staatsexamen. * Danzig, 24. Oktober, lieber Zurücknahme von Ausweisungen berichtet die ״Dan;. Ztg.": In der letzten Zeit sind mehrere Ausweisungsbefehle zurück׳ genommen worden. -So wandte sich der 60jährige Nabbiner Bernstein, welcher ans Mühlhausen in Ostpreltßcn ansgcwiesen und nach Amerika gegangen war, an den Obcrpäsidenten mit der Bitte, zu seiner in Mühlhansen vcrhciraiheten Tochter znrückkehren zu dürfen, und der Obcrpräsidcnt hat ihm die Bitte gewährt. Eben so watidte sich ein 70 jähriger Mann Namens Ostccki, welcher aus dem Kreise Wöllstein tPr. Posen) mit seinen 0 unmündigen Kindern ausgewiesen war, an d.n Reichskanzler mir der Bitte, ihm den ferneren Aufenthalt in Preußen zu gestatten. Auch seine Bitte ist erfüllt worden. LJ Köln, 29. Oktober. In der heutigen Sitzung der StadtvcrordncteN'Bcrsammlnng wurde die crsrcnUche Mitthcilung gemacht, daß die verstorbene Freifrau Abraham v. Oppenheim zu Gunsten der städtischen Arinenverwaltling ein Legat v״n l50000 Mark vcrmacht habe, mit der Bestimmung, das; die Zinsen desselben an ihrem Sterbetage zur Hälfte an christliche, zur Hülste an israelitische Arme der Stadt Köln vcrtheilt werden. Ferner habe die Verstorbene dem von ihr zu Ehren des Andenkens an ihren fcligcit Gatten gegründeten Kinderhojpital, dem sie bereits die Summe von 700 000 zngcwandt, noch 300000 Mark vermacht, zur Vergrößerung uub Ausstattung desselben. Dem St. Maricnhospital sei von der Entschlafenen ein Beitrag von l 2 000 bestimmt worden. Die Versammlung nahm die der Stadt .zngewiescnen Verntächtnissc mit dem wärmsten Dankesansdruck und lebhafter Anerlennnng des Wohllhäligteitssinncs der hochherzigen Kölner Bürgerin entgegen. * Posen,!.November. Der ״Posencr Zeitung" zufolge sind im Städtchen Klnzin (in Rußland) 300 Häuser, darunter die Synagoge niedcrgebrannt; 200 Familien, meist Inden, sind obdachlos, mehrere Menschen mit verbrannt. Der Schaden der jüdischen Kauflcute ist beträchtlich. O e st e r r e i ch - U u g a r n. G. Wien, 28. Oktober. Die ״Wiener Med. Wochenschrift" veröffentlicht in ihrer Nummer vom 15. b. yJi. Folgendes: ״Es ist eine besonders in dem begonnenen Semester aufgesallcne Thatsache, daß sich eine verhättnißmäßig bedeutende Zahl russischer Studenten an der hiesigen medizinischen Fakultät iuslribircn ließ. Die Ursache dafür liegt offenbar in der Einschränkung, welche den jüdischen Studenten in Rußland an dem Besuche ihrer Fakultät im Wege steht, indem ihre Zahl höchstens 5 rcsp. 10 Prozent der Gesammtzadl betragen darf. Ist dies nun auch sicher eine schmachvolle Versngung des Rassenhasses und der Bedrückung eines großen Theiles der Bevölkerung, so muß doch die Frage ansgeworfen werden, ob es denn zulässig ist, daß gerade hier die überfüllte Fnknltät mit ihren! Mangel an Raum und Material einen Zuwachs an Hörern erhält, bei denen die durch das inländische Maturilätszcngniß gewährleistete Qualifikation, für welche bei jenen Eindringlingcn jede Kontrolle fehlt, sraglich ist. Und durch deren Zulassung wird auch, da gewiß nicht die besten Elemente bei der Auswahl jener lO Prozente zurückgewiesen werden dürsten, kaum eine besonders werthvollc Verstärkung der Stndenlenschast erzielt. Es wäre daher wohl angezeigt, tvenn aus Initiative des Unterrichts- Ministers vielleicht ans diplomatischem Wege Maßregeln getroffen würden, um diesen Andrang unmöglich zu

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