Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 20 (1887)
- Issue
- Heft 43 (27.10.1887)
- Article
- Österreich-Ungarn : Wien [Nachricht]
- Date
- 1887-10-27
- Page
- 686 (sequence 2)
- Language
- German
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686 Corr.": ״Unter diesen Umständen erscheint cS mehr denn je geboten, alle AnSivandcrungslustigcn vor der Auswanderling nach Nordamerika dringend zu warnen." Wir scheu daraus, wie berechtigt und zeitgemäß die in diesen Blättern immer wieder aufgeworfene Frage ist: ÄaS soll and unseren unglücklichen Brüdern werden. Es gilt, ihnen andere Gegenden zu erschließen, wo sich ihnen wenigstens einigermaßen ai'mskige AnSsichten dar bieten. '\\' Pest, 20. Oktober. In einer Magistratssitznng zu Allosen ist beschlossen worden, die dortigen jetzt bestehenden Friedhöfe anszulassen und einen Zentralsriedbos für alle Konsessione.i zu errichten. Doch wird für die jüdische Einwohncrschgjt von diesem Zentralsriedhof! f>UÜ Onadratklafler abgesondert werden. Frankreich. %*׳ Paris, 23. Oktober. Herr Adolf Frank räth dem Konslorium, eine Uebcrsetznng der Briefe des Herrn Maxine du Camp, über die israelitische Wohl- 1 hä!!gleit i״ Paris, in daS Deutsche vornehmen zu lassen, da in Deutschland gegen jüdischen KuUnS und Inden überhaupt viel Bornrtheile existirten. — Die ״Aichives Israelitc" tadeln mir 9cecht das Geschenk einer Orgel für die Versailler Synagoge seitens eines freigebigen Glaubensgenossen. Frau Heine, die die Synagoge geschenkt, hatte von den dortigen maßgebenden Kreisen gehört, daß eine Orgel dort nicht gewünsebt wird, ohne daß mau deshalb Versailles gerade das Prädikat einer sehr orthodoxen Kehilloh beilegen könnte. doch zur InskriLirung zngelassen werden sollen. Jndeß ist bis zur Stunde nichts Sicheres darüber bekannt.: Rumänien. Bukarest, 15. Oktober. Einer Nachricht des ״Mo». Eommerz. Nom." zufolge soll ein Befehl erlassen sein, wonach die jüdischen Hannrer nur noch bis zum 20. Oktober in den Dörfern Geschäfte treiben dürfen. Abgesehen davon, daß viele Juden tine einträgliche Erwerbsquelle durch diesen Erlaß verlieren, erleiden eine Anzahl noch anßerdein große Einbuße an baarctn Gelde, da cS wohl schwer halten dürste, in dieser kurzen Frist alle auSstehenden Schulden emzukassiren. Dem Monatsbericht der ״Alliance Israülite Universelle" entnehmen wir das Folgende! Mehrere Zeitungen haben gemeldet, daß sich am 5. September eitce sogenannte antiisraetitische Gesellschaft in Bukarest versammelt habe: dieselbe gab ihrer Ncrsa!n1n!nng die Bezeichnung Congn\s Aniisomitiijuc. AtS sic die Versammlung verließen, haben sich mehrere Mitglieder auf die Juden geworfen, die ihnen in dem CiSmcgm Garten begegneten und haben sie geschlagen. Man sagt, der sogenannte antisemitische Kongreß habe, wie dies der Brauch ist bei dergleichen Velsaminlnngen, gewisse Entwürfe abgefaßt, die er der Negierung vorznlegcn b-.absichtigt. Er fordert:!) Den Inden nicht weiter zu gestatten, daß sic sich mit Handel und Gewerbe befassen. 2) Daß den Inden durch ein Gesetz untersagt werde, staatliche oder ׳P.nvaldomänen zu pachten. 3) Daß den Inden verboten werde, sich vor dem 23. Jahre zu vcrheirathen. Rußland. j =£ Warschau,!0. Oktober. Neuerdings richtet! sich das Ziel der jüdischen Auswanderung vielfach.noch; Brasilien. Schon vor einiger Zeit sind dorthin eitrige jüdische Familien auSgcwandert, und haben diese, wie ans deren Berichten an ihre hicrläudischen Freunde und Angehörigen hcrvorgeht, daselbst so reüssirt, daß viele ihrem Beispiele folgen und in dem süduimrilanischcn Kaiserstaat ihr Glück versuchen wollen. Auch nach Nordafrika gehen neuerdings viele Auswanderer. — Um sich übrigens einen nngesährcu Begriff vm׳. der Größe des AnSwander ungsftromeS zu machen, möge eine Mittheilnng der ״Now. Wremj." hier Platz finden, nach welcher in den Jahren IBB1 — 188(> IHnoO jiibijd)c Seelen nach Amerika anSgewandcrt sein sollen. ES will uns allerdings bedünken, als ob diese Zahl, obwohl sic nach Versicherung obigen Blattes amtlichen Erhebungen entstammt, zu hoch gegriffen ist. Mvskau, 21. Oktober. Ich habe Ihnen bereits ntitgetheilt, daß 200 jüdische Pharmazeutei:, welche sich bei der hiesigen Universität inskribircn wollten, abgewiesen worden. Neuerdings heißt cS, daß sie nun Amerika. l. Philnbelphia, im Okl. Unsere sogenannten Ne׳ former warfen sonst sich selbst rühmend in die Brust ob ihres segensreichen Wirkens zur Läuterung des JudenthnmS. Sic betonen immer, daß sic das Indenlhnm anS den Fesseln geistloser und geisttödtender Zeremonien befreit und so den eigentlichen Kern von seiner schmutzigen werthlosen Hülle entledigt hätten. Da ist eS denn mm instruktiv, sie in einem unbewachten Augenblick zu überrascheu und ihnen z׳a lauschen — wenn sie anS der! Schule plaudern. Man ersähet dann, daß doch nicht! alles glänzeiides Gold sei, daß in den . rnaßgebenden! Kreisen doch manchmal ein leiser Zweifel auf taucht | ob der Dauerhaftigkeit und Gediegenheit des geschasst-! neu Werkes. In diesem Sinne glauben wir auch den j SchuierzcnSrnf eines hiesigen S?0vrc[p0!1 bn 11cj 1 der | ״Dcborah" auffaffcn zu sollen: .,Die hohen Feiertage sind glücklich vorüber und — ״die Erde hat .uns : wieder 1' Nachdem wir am Nosch Haschanah und Jom I Kippnr unserer ״religiösen Verpflichtung" uns entledigt —!nie man ja so ziemlich auzunchmen scheint!- —! haben das Inckothfest, und was später noch nach-