Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 20 (1887)
- Issue
- Heft 41-42 (20.10.1887)
- Article
- Rumänien : Bukarest [Nachricht]
- Date
- 1887-10-20
- Page
- 669 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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669 zunächst die jüdischen Schüler an die Reihe kamen. Die Maßregel wurde in einer solchen Art und Weise durchgcführt, daß ein großer Thcil der Presse sich dagegen wandte. So schrieb u. A. die ״Vocca Botuschauilor:" ״Während das Gesetz des Nolksunterrichts dm Elementarunterricht für obligatorisch erklärt und die Väter, welche sich demselben zu entziehen suchen, mit Strafe belegt, giebt der Leiter, der an der Spitze des Volksuntcrrichts steht, den Befehl, diejenigen, welche demselben obliegenaus den Schulen zu expulsircn. Wenn die bestehenden Schulen unzureichend sind, wie ging cS in einem Zeitraum von 23 Jahren seit dem Erlaß jenes Ge׳ setzeS, zu? In welchen Zustand müssen wir gcralhen sein, wenn wir nach so langer Zeit nicht einmal dazu gelangt sind, ausgiebige Räume zur Aufklärung des rumänischen Volkes zu besitzen? Wozu brüsten wir uns noch immer mit unserer demokratischen Verfassung, da doch die erste Obliegenheit Derjenigen, welche ein. demokratisches Volk zu leiten berufen sind, in dessen Ausklärung besteht? Wie vertragen sich diese rein elementaren Prinzipien mit dem vom Unterrichtsminister erlassenen Zirkular? So haben wir denn eine neue Bestätigung der traurigen Erfahrung, daß unter der gegenwärtigen Regierung Alles eine leere Parodie ist. Das was wir von Herrn Sturdza von jeher wissen, steht zu der Firma, unter welcher er gegenwärtig etadlirt ist, in grellem Widerspruch. Bon einem Manne, wie er, können wir demokratische Prinzipien, Aufklärung und die Erhebung des ungebildeten Pöbels zur Erkenntniß seiner Rechte und Pflichten nicht verlangen. Was uns aber betrübt ist die Wahrnehmung, daß 114 Schüler aus den Schulen ausgestoßen wurden, und zwar sind es gerade solche, die sich durch Fleiß, Intelligenz und erworbene Kenntnisse auSzcichueten. Die Begründung, sie seien Fremde, kann uns nicht im Mindesten Trost gewähren. Wir sehen, daß andere Völker, große Reiche wie Rußland, Oesterreich und selbst das mächtige Deutschland die Verbreitung ihrer Sprache durch die Schulen und deren Adoptirnng seitens der Fremden anstreben; wir hingegen ergreisen Maßregeln, welche darauf hinauslaufen, sie von ihrer Kenntniß auSzuschlicßcn, fernzuhalten, sie nicht zu assimiliren und ihnen kein Interesse für die Nation beizubringen, in deren Mitte sie leben und auswachsen. Wie wollen wir es nun machen, daß sie uns kennen, uns lieben, daß in ihrem Herzen diejenige Gluth des Patriotismus glimme, von welcher wir alle beseelt sein sollten?" Diesen und anderen gewichtigen Stimmen gegenüber konnte der Minister sich nicht gleichgültig verhalten. Er sucht durch den folgenden im ״Monitor Ojsicial" vom 3. d. M. veröffentlichten Erlaß die Sache in ein etwas anderes Licht zu stellen: ״Durch das Zirkular vom 19. August d. M. hat das Ministerium klargelegt, daß das Zirkular vom 23. Juli bezüglich der diesjährigen Einschreibungen der Schüler nur auf diejenigen Kinder Bezug hat, welche sich zum ersten Male in der Schule präsentircn, keineswegs aber auf solche, welche die Schule bereits besuchen; diese werden als schon eingeschrieben betrachtet und müssen, kraft ihrer erworbenen Rechte, in der Schule behalten werden. Nun bin ich aber davon in Kenntniß gesetzt worden, daß mehrere Direk- Loren forifahren, die Aufnahme von Repetenten oder Proniovirten in die Schule zu verweigern, indem sie weder auf das genug deutliche Zirkular vom 23. Juli noch ans das noch deutlichere vom 19. August irgend welche Rücksicht nehmen. Ich lege Ihnen hiermit von Neuem ans Herzder Verordnung vorn 19. August Folge zu leisten. Nachdem die im Zirkular vom 23. Juli festgestellten 3,50 Kubikmeter Luft per Schüler neuerdings ans 2,75, die Länge der Sitze eines jeden von 0,40 auf 0,30 in. reduzirt und die maximale Zahl der Schüler Per Klasse erhöht wurde, (das gehört wohl auch mit zur ״näheren Erklärung" jenes Zirkulars?) fuhr der Minister fort: ״Noch einrual, Alles dies findet nur bei der ersten Klasse Anwendung, nicht aber bei den übrigen, die ausschließlich von Nepctenteu und promovirten Schülern zusammengesetzt sind, sei es aus derselben Schule oder aus anderen. Alle übrigen Dispositionen des Zirkulars vom 23. Juli (also auch die des Nationalitätennntcrschieds) bleiben aufrecht. Für den Minister: Haret." Türkei. m. Konstantinypel, September. Bekanntlich existirt in Salon ich! auch heute noch eine jüdischtürkische Sekte unter dem Namen ״Domneh". Die Anhänger dieser Sekte erscheinen äußerlich als Türken, als Muhamedaner, während siegln der That den Irrlehren des ״Sabbatai Zwi" huldigen. Sie haben ein Oberhaupt, angeblich Nachkomme des Sabbatai Zwi, dem sic göttliche Verehrung bezeigen. Sie heirathen nur unter sich, täglich besuchen sie die Moschee, waS jedoch nur zum Scheine geschieht, um sich den Schutz der türkische» Behörden zu erschleichen, thatsächlich verrichten sie ihre Gebete in einem geheinten Gemache, welches sich in der Wohnung ihres Oberhauptes befindet. In Salonichi existirt diese Sekte seit dem Tode des Sabbatai Zivi, der bekanntlich ebenfalls zum Scheine Muhamedaner geworden war. In Salonichi werden sie von den Behörden in ihrem Treiben nie gestört, da sie sich stets friedlich verhalten. Den Juden gingen die Anhänger dieser Sekte stets ängstlich aus dem Wege. Nun kamen aber zwei Anhänger der Domneh vor Kurzem von Salonichi nach Konstantinopel, die nicht Geringeres beabsichtigten, als in der