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Jeschurun · 1887-10-20 · Heft 41-42 (20.10.1887) · p. 667

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 41-42 (20.10.1887)
Article
Österreich-Ungarn : Preßburg [Nachricht]
Date
1887-10-20
Page
667 (sequence 2)
Language
German
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Bauern in mehrfache Widerspruche geriethm, da dieselben weiterhin keinen stichhaltigen Grund angebcn konnten, was sic um Mitternacht in Szcrdahely suchten, und da dieselben auch betreff der Brandkatastrophe sehr mysteriöse Ncdcn führten, so wurde die Strafuntersuchung gegen dieselben Anfangs auch wegen Brandlegung gefühlt, wobei jedoch die diesbezügliche Untersuchung zu keinem positiven Resultate gelangen konnte. In Folge dessen mußte sich die Staatsanwaltschast begnügen, die Anklage wegen Verbrechen dcS Diebstahls, begangen an D. Biseliitz. zu erheben. Der Staatsanwalt betonte in seiner Anklage insbesondere jenen ErjchwcrungSgrund, daß die Angeklagten das Verbrechen bei einer Brandkatastrophe verübten. welcher Umstand nach dem ungarischen Strafgesetze als besonders erschwerend betrachtet wird. Rach längerer Berathung gab der Gerichtshof der beredten Verthcidigung, welche die Anklage dahin alligirte, daß bei der Katastrophe in Szcrdahely ein derartiger Wirrwarr herrschte, daß cs nicht ausgeschlossen ist, daß die drei Angeklagten bei den Löjchvcrsnchen die bei ihnen Vorgefundenen Werthsacheu auf der Straße finden und anflescn konnten, — Folge und verurlheiltc dieselben wegen Fundvcrheimlichung zu je einem Monat Arrest. Gegen dieses Urtheit meldete aber die königliche Staatsanwaltschaft die Berufung an. i. Hemberg, 15. Oktober. Wie den polnischen Blättern aus Wilna gemeldet wird, hat der dortige Geucralgonvernenr Kochanow sämmtliche Gemeindebehvrdcn in Littauen mittelst eines NundschreibenS anfgcfordcrt, die durch falsche Gerüchte aufgeregte katholisehc Landbevölkerung durch die Versicherung zu beruhigen, daß cS der russischen Regierung keineswegs darum zu thu» sei, den Ucbertriri des Landvolkes zum russisch-orthodoxen Glauben zu erzwingen und die katholische Kirche gänzlich zu verdrängen. Die Negierung wolle auch den Protestanten und Inden volle Neligionsfrerheit gewähren, nur müsse sic darauf achten, daß die russischen Untcrthanen ohne Ausnahme sich der russischen Sprache in einer dem StaatSwcsc» angemessenen Weise bedienen. Schon in ihrem eigenen Interesse sollten sich die Juden und Protestanten die russische Sprache aneignen und von dein Gebrauche der deutschen Sprache ablassen. Nicht aus kirchlichen, sondern ans Slaaisrünsichteu dringe die Negierung daraus, daß die katholischen Priester in den Kirchen in russischer Sprache statt, wie bisher, im Imanischen Idiom predigen. Auch die übrigen behördlichen Maß-׳ regeln bezweckten nur die Verbreitung der russischen Sprache. *j|* Pest, 17. Oktober. Die achte Gerichtskommijsion verhandelte die gegen die Wahl deS antisemitischen Abgeordneten Ludwig Szabo (Dnna-Szer- Lahcly) eingereichte Petition. Nach dreistündiger Berathung wurde beschlossen, eine Untersuchung in Betreff der in der Petition vorgebrachtcn Fakta der Airfreizuttg zum Rasscnhasse und der Tcrrorisirung anzuorduen. * Aus Ungarn. In der Stadt Maku in Ungarn ist ein jlmger getaufter Israelit, Namens Joseph Grcgcr, vor Gericht gestellt worden, weil er, wie die Anklage behauptete, eine Religion verkündigt hat, die nicht vom Staate anerkannt ist. Joseph Greger, erst Jude und beinahe ein Gottesleugner, ist zum Christcnthnm bekehrt worden durch ein Gespräch, das er mit einem ernsten Christen in einem Eisenbahnwagen geführt hatte, und das baniit endete, daß sein Reisegefährte ihm ein Neues Testament schenkte. Sein Uebertritt erregte den größten Widerspruch in seiner Familie; aber dennoch trat er eifrig mit seinem neuen Glauben hervor und verkündete ihn seinen Brüdern vom Hause Israel; dadurch gab er Veranlassung zur Gründung einer kleinen Gemeinde von Inden, die den Jesus von Nazareth als ihren Messias anerkennen. Trotzdem diese nun die protestantische Kirche besuchen, Taufe und Abendmahl dort mitfctcrn und ihre eigenen Gottesdienste nur aus Gesang, Gebet und Mbcllescn besteht, ist doch Greger mit seinen Glaubensgenossen mit mehreren Wochen Gcfänguiß bestraft worden. (Ev. K. Anz.) Frankreich. *** Paris. Es ist bereits früher von hier mitgethcilt worden, daß die Verhältnisse der Schcchita und des FlcischvcrkaufS in Paris von Seiten dcS Konsistoriums einer Verbesserung unterzogen werden sollten, und Herr Rabbiner Wciskopf mit diesem Anstrag betraut wurde. Die Fraktion der orthodoxen Israeliten hier, welche noch von den Zeiten dcS Herrn Jakob TcdcSco stets aus eigene 5!osten eine eigene Schcchita und Fleischbank unterhielt, hat gegenwärtig Alles in schönster Ordnung in dieser Beziehung hcrgcrichtet. Zwei vorzügliche Schächter versehen den Dienst draußen auf dem Abattoir, und eine eigene Fleischbank liefert den Knuden ihren Bedarf in der geregeltsten Weise. Die zahlreichen Fremden, welche auf streng nach dem NeligiouSgesctz znbercitete Speisen Anspruch machen, finden in der Restauration deö Herrn PH. Langer, rne BcllesondS 37, ein Etablissement, das sein Fleisch aus dieser orthodoxen Fleischbank bezieht. — Es wird die Leser dieser geschätzten Blätter wundern, zu erfahren, daß hier in Paris eine eigentliche Ehewroh Kadischa nicht existirt. ES haben zwar hier wohnende Holländer einen derartigen Verein gebildet, der aber den Ansprächen der hiesigen Kehilloh nicht vollständig genügte. Es haben nun bereits Vorvcrsammlnngen stattgefunden, um eine allgemeine Ehewroh Kadischa zu bilden, zu welchen die Spitzen der hiesigen gesetzeStrencn Gesell-

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