Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 20 (1887)
- Issue
- Heft 40-41 (13.10.1887)
- Article
- England : London [Nachricht]
- Date
- 1887-10-13
- Page
- 646 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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646 men, alle Laster der chinesischen Kulis, aber keine ihrer Vorzüge haben u. dergl. m. Die Regierung Hai nun , über diese viel berufene Angelegenheit eine eingehende l Ermittelung durch den Direktor des statistischen Bureaus, Dr. William Ogle, anstellen lassen. Dessen Bericht . liegt minmchr vor und ftroft durch die nncibittlichc Beweiskraft der Zahlen die erhobenen Anschuldigungen Lügen. — 311 einer der hiesigen Synagogen ward die Gemeinde während des Ncila-Gebcts am jüngsten 30m Kippur durch einen Sendboten der Missionsgesellschast mit dem Rufe harangirt: ״Hört auf mich, ihr 3nden! Seht, ich bin gekommen, euch zu erlösen mit dem Namen des Heilands Jesus!" Der ungcruseue Prediger ward natürlich in aller Ruhe hinansgewicscn. Nußlaud. * Aus Petersburg meldet die ״KrcuzzciLung", die Odessacr Universitäts-Behörde habe aus ein Gesuch eines nicht aufgcuomlncucu jüdischen Kandidaten geantwortet, es würden jüdische Hospitanten nur ansgenommen, wenn auf zehn christliche ein jüdischer komme. 3n Moskau seien jüdische Pharmazeuten ganz von der Universität ausgeschlossen worden; dieselben haben an den Unterrichtsminister appcllirt. . .z. Warschau, Oktober. Bon kürzlich ergangcncn höchstgcrichtlichen Entscheidungen, welche die ״Hazcplsirah" . mittheilt, seien die folgenden erwähnt. Der Provisor Feibel Chadanow hatte gegen die Lcrfügung der Poltawaer Kreisrcgiernng, welche ihm den Aufenthalt in der Kleinstadt Zaritjchanka aus dem Grunde untersagte,- weil er Jude sei, Rekurs crgrifscn. Der Senat gab der Beschwerde Folge und zwar unter der Begründung: erstens weil Ehadanow als Provisor die Niederlassung in den Städten nicht versagt werden könne und zweitens, weil die Kleinstadt Zaritschanka nicht als ein Dorf zu betrachten sei. — Die Kreisregierung zn Volhynicn hatte über die Frage zu 'entscheiden, ob 3cmand, welcher eine Mittelschule absolvirt habe, als Krvnrabbincr innerhalb des Greuzrayons von fünfzig Werst, auch wenn er daselbst nicht geboren sei, sungircn könne. Die Regierung hat solches verneint. — Nach einer neuerlichen ministeriellen Verfügung soll den in Sibirien wohnenden 3uden kein Handelspatent ansgestellt werden dürfen, bis die in Betreff dieser Frage in Hinsicht von Wcstsibiricn obschwcbende getheilte Meinung zwischen dem Ministerium und dem Senat ihre Lösung gefunden haben wird. — Das KrciSgericht zu Smolensk hat entschieden, daß diejenigcu jüdischen Frauen, welche das Recht, im nmcrn Rußland zu wohnen, von den Eltern ererbt haben, dieses Rechts durch eine Berheirathung mit nichtberechtigten Ehemännern nicht verlustig gehen. — Dem ״Kjublianitt" zufolge, sind die bis jetzt vorliegenden Gesuche von etwa 1GOO österreichischen Unttrthanen um Erlangung des russischen IndigcnatS bewillig! worden mit Ansnahm.׳ der von Juden gestellten. ~ Kiew, Oktober. Der wahrhast ehrwürdige hiesige Metropolit Apaltin, welcher stets seine Stimme zn Gunsten der unterdrückten und verfolgten Juden erhoben hat und seine Gläubigen von dem leider so verheerend wirkenden Haß abznhalten und ihn in Liebe zu verwandeln suchte, beging kürzlich sein scchzigjähriges 3nbitänm. Die Iudenschaft übte deshalb eine Pflicht der Dankbarkeit, als sic am ersten Tage des Rösch- Haschana-Festes ihm durch eine Deputation ihre Glückwünsche darbrachte und in allen Synagogen für das Wohlergehen dieses edlen greisen Kirchcnsürsten ein desondereS Gebet verrichtete. Hj Kamen ez Pvdolks. Der hiesige Erzbischof war kürzlich in Hotominiski. Auch die Juden Ke-!heiligten sich au der ihm bereiteten scierlichcu Begrüßung. Er richtete au die jüdische Deputation die folgende Ansprache: ״Ich danke Euch ans tiefstem Herzen und flehe zn Gott, daß er Euch Glück und Segen zu Theil werden lassen möge. 3nsbesondcre, daß er Euch schützen möge gegen die Anschläge Eurer Feinde und Neider, aus daß Ihr in Ruhe und Frieden Eurer Religion, der Lehre Mosis. des Dieners Gottes, obliegen könnt. Ich bin der tröstlichen Hoffnung, daß die 'Zeit kommen wird, in welcher auch Eure Feinde cinsehen und beherzigen, daß wir Aue ein und densrlben Vater׳ haben, daß ein und derselbe Gott uns Alle erschaffen hat — und daß alsdann kein Glaubenshaß mehr ans.Erden herrschen wird." * Berditschow. Die ״Hazcsirah" berichtet aus der hiesigen jüdischen Gemeinde unter Anderen, daß dieselbe 8 Rabbiner, 2«) Schochtim, mehr als!00 Fleischer, 6 Aerzte, 4.0 Wundärzte, 5 Apotheken und etwa 200 Lastträger aufzuwciseu hat. R u m ii n i e 1t. ...z. Bukarest, Ende September. Eine intercssante Entscheidung ist kürzlich von dem hiesigen Kassationshof gefällt worden. Unter den ans ׳Rumänien ausgewicscnen Israeliten befand sich auch ein Herr Fior, welcher aber nach B o 1L n s ch a n zurückkehrte. Hier wurde er inhaftirt und mit einer zweiwöchigen Gesängnißhajt und Awangsanswcisnng bedacht. Fior ergriff gegen dieses Urthcil den Rekurs bei dem Appellatiousgcrichte in Jassy. Er berief sich darauf, daß er in Rumänien geboren sei und niemals einem anderen Staate angehört habe. Das AuswcisniigSgesetz * gelte nur für ״Fremde". Er aber protcstire gegen die Desinition des Ministeriums, daß unter ״Fremde" auch alle nicht