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Jeschurun · 1887-10-13 · Heft 40-41 (13.10.1887) · p. 644

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 40-41 (13.10.1887)
Article
Österreich-Ungarn : Wien [Nachricht]
Date
1887-10-13
Page
644 (sequence 2)
Language
German
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644 vor einigen Monaten auch von uns zum Abdrucke ge- - langt und haben in allen liberalen und gebildeten Kreisen! die lebhafteste Zustimmung gesunden. Diesen zwei Abschnitten hat i)r. Haase zwei andere beigcfügt, von : denen der eine die Ucbcrschrift trägt: ״Anliscmitiömns und Eheistcnthnm. “ Dieser Abschnitt beschäftigt sich vorwiegend mit dem Großmeister des Antisemitismus, mit Dühring, der sich durch seine leidenschaftliche Undnldsainkcit seine Position an der Berliner Universität zerstört hat. Herrn Dühring, der keine Autorität anerkennt, als seine eigene und jene Galilei's, führt Haasc den g cistvollen Ausspruch Earncri's entgegen: ״Nichts kennzeichnet besser die kleinliche Leidenschaftlichkeit, in welche ein so großer Denker wie Dühring sich da hincmrci'ct, als dessen Antisemitismus, der nichts Anderes ist, 0. ls die Nealisirnng des Dascinkanipscs im verwerft ichsten Sinne. Was würde ans ihm selbst werden, wenn eines Tages Galileo Galilei, der Einzige, den er ganz gelten läßt, ans den er sich aber auch allein stützt, als ein Galiläer ans Galiläa sich heransstellte?" Bon Dühring rührt daS Vor: her: ״Ein Ehrist, wenn er sich selbst versteht, kann kein ernsthafter vollständiger Autist!!!!! sein", und der erwähnte Abschnitt ist dem Nachweise gewidmet, daß dieser Ansspruch 'Dühring's durchaus begründet ist. ״Vom christlichen Standpunkte ans", schreibt Haase, ״kann der Antisemitismus immer und immer wieder nur als eine Verhöhnung der ewigen Grundwahrheiten des Evangeliums, als eine Bersündigung an der christlichen Moral, als eine Vcrlcugnnng des Ursprunges des eigenen religiösen Bekenntnisses, als eine Verletzung der Pietät, welche wir der Person des Erlösers und seiner Apostel schulden, als eine Erniedrigung des eigenen Gottesdienstes angesehen werden." Der letzte Abschnitt bespricht die ״antisemitischen Kampfmittel", r״*cr welchen die Verlogenheit den ersten Platz cimitmmt. ״Im angeblichen Kampfe für die Sittlichleit und gegen die Korruption", sagt Haasc, ״wird gelogen, daß die Wände, welche von den gesprochenen ^ügen widcrhallen, und das Papier, aus welchem sic gedruckt zu lesen sind, schamroth werden möchten." Unter Anführung einer langen Serie handgreiflicher Lügen führt Haasc den Nachweis, daß der Antisemitismus selbst in Korruption das Acußcrste leistet, ja die ״verkörperte Korruption ist". Sehr treffend bemerkt Haase: ״Daß das antisemitische Habcrfeldtrciben Dimensionen annchmcn konnte, welche nachgerade die öffentliche Ordnnng gefährden, läßt sich nur daraus erklären, daß Diejenigen, welche in erster Linie dazu berufen waren, ans den verschiedensten Gründen cs unterlassen haben, energisch genug dagegen anfzntreten. — Warum soll man in Wien, Berlin und anderwärts die freiwillig dargedotenen Stimmen der Antisemiten nicht mitnehmen, weil diese Herren nun einmal die Schrulle haben, immer über die Juden zu schimpfen? Andere Stimmen kosten ja viel mehr, als das Bischen Konnivenz, womit sich die Antisemiten genügen lassen." Die Mittel zur Abtödtung der Bazillen des Antisemilismns giebt Or. Haase in der Vorrede seines SchristchcnS an. ״Man höre, auf, die Juden von amls- und staatswcgcn zu stigmatisiren; man hebe die noch bestehenden gesetzlichen Beslin'.mnngcn auf, welche, wie der § 64 des All gemeinen Bürgerlichen Gesetzbuches, eine künstliche Scheidewand zwischen der christlichen und jüdischen Bevölkerung aufrcchtcrhalten; man sorge, wo die Inden, wie in Galizien, noch in krasser Unwissenheit (?) und von Wnnderrabbis genährten abclglänbischcn Vorstellungen begraben sind, mittelst der strengen Durchführung des Schulzwanges für eine zeitgemäße Erziehung der isra׳ elitischen Jugend zur Intelligenz und Moral .(?); man erziehe die christliche Jugend im Geiste des nhabenen Stifters der christlichen Religion zur allgemeinen Menschen»׳ liebe, und inan lasse es nicht zu, daß das Heranwachsende Geschlecht von haßerfüllten Lehrern an Geist und Herzen künstlich verkrüppelt werde." Wenn so in Rücksicht auf Erziehung, Ncchtstcllung und soziale Vereinigung der Staat,' die Kirche, die Gesellschaft und überall, 1uo eS der Erhebung zn höherer Intelligenz uub zu gelüutertercr Sittlichkeit bedarf, auch die Jndenschafl ihre Pflicht gethan haben werden, dann wird auch die intellektuelle Krankheit, von welcher Trefort behauptet, daß sic in jedem Jahrhundert mindestens zweimal anflritt, der Antisemitismus, nur noch der Geschichte der Psychologie und der psychiatrischen Medizin angchörcn! (N. Fr. P.) L. Wien. Es verdient gewiß bekannt gegeben zn werden, daß seitens der Militärbehörde Heuer die Einrichtung eines besonderen Gottesdienstes für Nosch Haschana und Jom Kippur.für die hier garuisonirendcn jüdischen Soldaten angeordnct worden ist. In der Nudolfskaserne sind zwei geräumige Zimmer für den gottesdienstlichen Zweck hergestellt worden, die nöthigcn Ncguisiten, als Thorarolle, Baal Tokea, Machsorim n. s. w. wurden besorgt und geeignete Vorbeter bestellt. Die Ursache dieser Verfügung liegt in dem Umstande, daß die jüdischen Soldaten in früheren Jahren nicht in genügendem Maße in den Synagogen Platz finden konnten. Pest, 3. Oktober. Der gewesene antiselnikische Kandidat im Nentracr Bezirk, Universitalsproscssor Ur. Nugnst Lubrich, und der gewesene antisemitische Kan׳ didat im Szakescr Bezirk, Gyninasialprosessor Franz Tomor, wurden vom Untcrrichtsminister ans nabestimmte Zeit beurlaubt.. *IP Pest, 6. Oktober. Am vergangenen Jom Kippur wurde hier in allen Synagogen eine Kundgebung der Gemeindeverwaltung verlesen, durch welche vor dem Besuche der in der Mondgasse Hierselbst be-

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