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Jeschurun · 1887-10-13 · Heft 40-41 (13.10.1887) · p. 643

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 40-41 (13.10.1887)
Article
Deutschland : München [Nachricht]
Date
1887-10-13
Page
643 (sequence 2)
Language
German
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643 bar werden, daß cS an der Zeit ist, für Gott und j seine heilige Lehre männlich einzutrctcn. Es gilt, der! Negierung klar zu machen, daß das Judenthum der Reform nicht das alte wahre Judcnthum ist, daß zu diesem alten wahren Judenthum sich noch eine ganze! Anzahl Inden bekennen, die in dem offiziellen Juden- | thum der hiesigen Administration ihre Religion und! in dem Rabbiner, der die Reform sanktionirt, ihren Rcligionslchrer nicht erkennen können. JJ. Breslau. Es soll hier eine Zeitschrift für die gesammte Wissenschaft des TatmudS gegründet werden. Der vorliegende Prospekt besagt, daß, um jede Polemik religiösen Inhalts streng ztt vermeiden, alle Partien, welche über die spezifisch jüdische Gesetzgebung handeln, nicht berührt werden sollen. Hingegen soll die Philosophie, Rechtswissenschaft, Nainrlchrc, Medizin u. s. w. des Talmud in der neuen Zeitschrift eine streng wissenschaftliche Behandlung finden. Es werden alle jüdischen und nichtjüdischen Tatmndkcnncr zur Mitavbcitcifcl)aft eingeladen. Für die Redaktion zeichnet H. Bloch hiersclbsl. Ob das Unternehmen zu Stande kommt, ist augenblicklich noch fraglich, und ebenso ist eü fraglich, ob cs ein zu bewillkommnendes sein wird. r. Bamberg, 2. Oktober. Die leidige Reformsucht, welche so viel Unheil in den Gemeinden angcrichtet, hat auch in der nuserigeu die Gcmüther -vcrwirrt und den Blick getrübt. Ja, sie hat bereits Unj frieden gestiftet, Zwist unter den Gcmcindcgenossen und 1' Bruch mit den heiligen Satzungen unserer Religion. I Die Verwalter unserer Gemeinde und der Rabbiner > (BezirkSrabbincr Werner in Bnrgebrach). sic, die de-! stellten Hüter und Wächter des ReligionSgesetzes, haben! die Pflichten ihres verantwortlichen Amtes verkannt; und sich über das Gesetz erhoben. Sie haben sich anj gemaßt, als Reformatoren des Gesetzes anszutreten, j und, nach der bekannten Erfahrung אין אדם חטא עד j שתבנם בו רוח שטות, haben sie den Bruch mit eitler l Gesetzwidrigkeit inaugnrirt, welcher ihrer Thorheit das! vollgültigste Zcugniß ansstellt. Als ob sich nicht überall j die 'Reform des Gottesdienstes in ihrer totalen Löcher-! lichkcit erwiesen hätte — lächerlich, weil daS angeblich : hohe Ziel: Förderung der Frömmigkeit, in gar keinem j Zusammenhänge mit den kindischen Reformen sicht — j glauben die Herren, auch eine neue Gebetsordnung vcrfassen zu müssen, und konnten für die Einführung j bcrscUicn gar keium geeigneteren Tag als den JoimHakir׳- . purim finden i ES fällt mir dabei die bekannte Antwort i eines gelehrten Mannes ein. welcher dem Drängen; aus Abschaffung des יום טוב שעי den Rcformhelden; seiner Geniein de die Frage cntgcgenstcllte: wer von ן Euch, die Ihr den zweiten Tag יי׳ט abschaffen wollt, ן hält denn den ersten Tag ייט genau nach dem Gesetze und j enthält sich an diesem jeglicher geschäftlichen Thätigkeit? - Haltet erst gewissenhaft den Sabbath und den ersten Tag י״ט und kommt dann wieder zu mir wegen des zweiten Tag י״ט." Nach einem wohl verbürgten Gerüchte sind die Herren Nefornilustigcn nicht wieder gekommen, weil sie längst Sabbath und Festtag über Bord geworsen hatten. — Unsere Ncformlustigen, welche sich an Umgestaltung des Gottesdienstes machen, sollen doch zuvor noch den Ernst ihrer Religiosität nachweisen. — Von den 261 stimmfähigen Gemeinde- Mitgliedern haben übrigens!0«; den Reformen, allerdingS ohne Erfolg, widerstrebt. Sie haben zuständigen OrtS ihren Einspruch dagegen förmlich erklärt. Es steht ihnen nach den bayerscheu Gesetzen Leider nicht das Recht zu, sich zu einer bcsondern Gemeinde zu fonftttuiven. Sie können aber jedenfalls sich vorläufig einen eigenen ständigen Gottesdienst einrichtcn. Sic sollen sich nicht beirren lassen durch den heuchlerischen Nus nach Erhaltung dcö Gemeindesric'ocuS. Nicht sic sind cS, die ihn brechen, sondern die sind cS, welche leichtfertiger Weise den Gottesdienst untgestaltc! haben. O e st e r r c i ch - U 1t ga r n. * Wien, 1. Oktober. Die Mitglieder dcS hygienischen Kongresses besuchten auch programmgemäß daS israelitische Blinden-Institut aus der hohen Warte, welches bekanntlich von Baron KönigSwarter crbanl und uni) aufs Reichste eingerichtet worden ist. Vom Präsidenten, kaiserlichem Nathe 1)1׳. Wölfler, begrüßt, wurden die Gäste von dem Direktor Heller, dem ordmirenden Arzte 1)!׳. Sigmund Pollak aus Döbling und dem Banrathe Stiaßuh durch die Anstalt geleitet. In jedem der zahlreichen Räume, welche für die besonderen Zwecke der Anstalt auf das Zweckmäßigste eingerichtet sind, waren die blinden Kinder so beschäftigt, daß die Gäste mit dem Bilde des Instituts auch daS seiner Wirksamfeit gewannen. Besonderes Jnterrsse erregten die Lehr-, Speise- und Schlafsäle, die Werkstätten, die Turnhalle und daS Bad, die reiche, eigenartige Lehrmittelsammlung, die außerordentliche Fertigkeit der Zöglinge im Lesen, Schreiben, Zeichnen, Modellircn, im Bürstcubinden und der Korbflechterei und der scclenvolle Gesang. Mit den! Ausdrucke vollster 'Befriedigung verließen die Gäste daS Hans. ' iN. Fr. Pr.) * Wien, 4. Oktober. Unter dem Titel ״Antisemitismus" ist eine kleine Schrift aus der Feder des NeichSraths-Abgeordneten und Superintendenten I)r. Theodor Haast soeben (im Verlage der Hosbnchhandbmg Karl Prohaska, Wicii und Tcschcn) erschienen. Die beidenersten Abschnitte dieser Schrift, welche die Ucbcrschriften ״Antisemitische Kategorien", ״Antisemitismus und Anachronismus״ ,״Antisemitische Logik" führen, sind den Lesern dieses Blattes wohlbekannt; sie sind

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