Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 20 (1887)
- Issue
- Heft 40-41 (13.10.1887)
- Article
- Deutschland : Hannover [Nachricht]
- Date
- 1887-10-13
- Page
- 642 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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642 Sendung erfolgt sei und zwar mit der Anfügung eines > in hebräischer Sprache abgefaßtcn zn London gedruckten? Sendschreibens, betitelt: מכתב שלום ליהודים םאוז I י. ם. פקיננער Außer einer kousnsen kindischen Veiveisführung wird darin die wundersame Bekehrnugsgeschichte! des IndemnissivnarS Adolph Safir erzählt. Derselbe wohnte als kleiner Knabe eines TageS einer MissionSversirnunlnng bei, in welcher das Kapitel 53 des Propheten IcsaiaS erklärt wurde. Er hörte hier, daß der Messias bereits gekommen. Als er nach Hanse kam, beim Mittagsmahl, rief er plötzlich: Ich habe den. Messias gefunden! Daraus nahmen alle Hausgenossen die Taufe an; er aber wurde Jndcmnissionar. Wenn der Herr Stinner glaubt, durch solche Geschichten seine Zwecke zn erreichen, dann muß er noch sehr unerfahren in dem BekehrnngSgcschäste sein. Es ist übrigens noch nicht bekanntgeworden, daß er hier jüdische Kreise nnt seinem Besuche beehrt har. ES wird uns anderscits mitgcthcilt, daß auch Exemplare des Neuen Testaments mit einer deutschen Ansprache versendet werden, die von der ״Freundin" W. Ai. Skinncr unterzeichnet sind. Demnach hätte man es mit einer Indcnmissionärin zu thnn. ■fc Hannover, 12. Oktober. Der NcchenschastSbericht über die Verwaltung des Vereins zur Unterslützmig der Armen und Beseitigung des HauSbcttcls in der hiesigen Synagogengemcindc pro!886/!867 ist soeben herausgegeben worden. Die Einnahme belief sich ans I! 174.51? JL, um 670.30 JL weni g er a!S im Vorjahre. Die Ausgaben betrugen 10-108.66 0f(:.r um 40!9.1 2 JL weniger alö im Vorjahre. Die Letzteren vertheilen sich mit 37!1.45 JL auf Untersuchnngen hiesiger Armer, 4480.25 JL Unterstützungen durchreisender Armer, 075 JL Unterstützungen zur Fortschassung von hier ansgewiesener Armer, und 1083.06 JL VerwattungSkosten. An Darlehen wurden 1504 gewährt, von welchen 1206 JL znrückgczahlr sind׳. In Bezug ans die AuSgcwiescnen heißt eS iin Bericht: ״Soviel wir übersehen können, werden die Ausweisungen von. Ausländern noch immer sortgesetzt. Unter denselben befinden sich Familien, welche sich schon seit langen Jahren hier aufhaltcn, und die sich zum Theil, auch ohne die Hülse der Gemeinde und unseres Vereins in Anspruch zu nehmen, anständig ernährt haben. Der Vorstand wird daran fcsthalten, diesen traurigen Zustand, durch welchen arme, verlassene Familien in die weite Ferne und in ein ungewisses LovS hinanSgctricbcn werden, soweit eS in seinen Kräften steht, dadurch etwas zn mildern, daß er die AuSgewiesenen auf denc billigsten Wege per Eisenbahn expediren läßt, da dieselben sonst gcnöthigt sein würden, die weile Reife nach dem Anstande mit ihrer Familie zu Fuße anzutreten. ES ist deshalb auch für die Folge nöthig, hierfür eine .angemessene Summe bereit zu halten, und dies umsomehr, als das hier befindliche sogen. Nüssen-Komite, welches unS bei den bisherigen Ausweisungen stets zur Seite gestanden, in seinen Mitteln gänzlich erschöpft ist." lieber die Unterstützungen an durchreisende Arme spricht sich der Bericht dahin ans: ״Die Unterstützungen an durchreisende Arme haben sowohl der Zahl der Unterstützten nach (1334 Parteien gegen 1137 im Vorjahre) als auch in Bezug ans die dafür erforderlichen Ausgaben (4480.25 JL gegen 3134 JL im Vorjahre) eine bedeutende Vermehrung erfahren. Der Grund hierfür liegt cincstheilö darin, daß ein großer Theil der aus Rußland und Polen sowie aus den östlich von nnö gelegenen preußischen Provinzen AnSgewieseucn seinen Weg nach Westen nimn:-L und dann unsere Stadt berührt, auderenthcils ist aber auch der bedauerliche Umstand zu konstatiren, daß eine nicht bedauerliche Anzahl von Nüssen und Oesterreichcrn, welche in Frankreich, England oder Amerika sich eine neue Heimath zn gründen hosften, mit den furchtbarsten 'Enttäuschungen und von allen Mitteln vollständig entbläßt, körpert ich und geistig verkommen, zurnckkehren und auf den Wiedcraufenthait in ihrer früheren hossnnngSleeren Heimath einzig und allein angewiesen sind. Bevor diese verschiedenen Kategorien von bedauernswürdigen Familien nicht zur Ruhe gekommen find, ist an ein Aushören des Umherziehens von Ost nach West und umgekehrt nicht zu denken." Der Vorstand konstatirt, daß er überhaupt nur einen Theil der an ihn herantretenden Gesuche habe berücksichtigen können, wollte er sich nicht der Gefahr aussetzen, wiederum wie im Vorjahrc in ein großes Defizit zn gerathen. Und dabei gehen die Einkünfte des Vereins zurück, während leider der Wohlstand der kleineren und mittleren Geschäfts- {ente in bedenklicher Weise abnimmt. Der Verein wirkt in Verbindung mit der Gemeinde-Armenkommission. Um dem Bedürfnisse gerecht zu werden, ist eS unseres Erachtens dringend geboten, daß die Letztere von Seiten der Gemeindekasse mit reichlicheren Mitteln als seither anSgLstattet wird. -n- Miiucheir Die neue ebenso wie die alte der Reform gewidmete Synagoge ist am Rasttage deS Nosch-Hajchanah mit scierlichcm Gepränge unter Anwesenheit der StaatSutiiiistcr und der anderen staatlichen und kommunalen hohen Beamten eingeweiht nun ut׳ii. ■ci't ־oiiii׳ ucl 0i11jc׳uu£C11 v4C1!iCinbc!lM1y(»cbcr »!111 Bestimmung der alten Synagoge für den traditionellen Gottesdienst ist von Seiten der' Administration der KnltuSgemeiudc nicht entsprochen worden. Das alte gesctzeötrene Iudenthnm soll verkümmern; den billigen Ansprüchen der Bekenner desselben darf darum nicht Gehör geschenkt werden. Angesichts dieser Thatsachen sollte doch endlich auch den blödesten Augen offen-