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Jeschurun · 1887-10-13 · Heft 40-41 (13.10.1887) · p. 629

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 40-41 (13.10.1887)
Article
Der deutsche Reformverein
Date
1887-10-13
Page
629 (sequence 2)
Language
German
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ess über Alles״ singende EroffnungSversammlung nur aus etwa 100 Personen, und es ist möglich, daß das Urtheil des alten Großvaters mit dem andern Bräsig'schcn üdereinstimnrt.״ ׳Gott sott mir bewahren, was hat das Undiert for eine Aktion in seine Knochen! Nu kuck Dir mal diese Kuhhessigkcit an un diese Wcichig feit in die Fesseln und diese Dünnigleit in die Flanken! Da kannst Du lang' ans futtern, eh Du cn gehörigen Rump rin kriegst. Wo des dahin bammelt! Das is en lauer Hund, en richtiger Windhund! ׳ Jedenfalls glauben wir, daß die Bräsig'sche Warnung: ״Paß Achtung! mit dem kriegst Du noch was zu thnn!" am Platze ist, und wir sollten uns diese Warnung merken. Older irils der Gkgknmrt. Von Friedrich Rott. " ' (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) ״Wirklich, Fräulein Erna?" ״Nun, viel mehr weiß ich gerade nicht," sagte das junge Mädchen erröthcnd, ״aber in früheren Jahren, als mein Vater einen Vetter von mir im Talmud unterrichtet hat, da habe ich häufig zugchört, und — der Vetter war ein sehr guter aber gar nicht sehr geschcidter Knabe und waS niein Vater ihm erklärt hat, das habe ich gewöhnlich weit rascher verstanden als er, darum habe ich oft gebeten, uicin Vater möchte mich Thcil nehmen lassen an dem Unterricht." Friedheim lachte hell auf. ״Sie haben Talmud lernen wollen? war das Ihr Ernst?" ״Mein Ernst ist cs wohl gewesen," enlgeguctc sie gleichfalls lächelnd, ״aber ׳.nein Vater hat nichts davon wissen wollen. Doch znm Ersatz hat er mich in andern Gegenständen unterrichtet." ״Den Pentateuch und die Propheten können Sie wirklich in der Ursprache lesen, Fränleitt?" fragte Wottner. ״So ziemlich," erwiderte sie. Die jungen Leute blickten bewundernd zu ihr hinüber, nur um die Mundwinkel Desjenigen, der ihr gerade gegenüber saß, zuckte es wie in vcrhaltcuenl Hohn. Sie bemerkte cs, und, den Kopf stolz zurückwerfend, blickte sic ihm fest ins Angesicht. ״ES hat mir in Wirklichkeit sehr, sehr leid gcthau, daß mein Vater mich nicht im Talmud unterrichten wollte. — Ich habe cö auch niemals als Kompliment betrachtet, wenn man mir gesagt hat, mau würde mich meinem Aussehen nach nicht für eine Jüdin halten. Aber Diejenigen, die mir durch wiederholte derartige Versicherungen ein Kompliment zu machen glaubten, habe ich immer als Narren betrachtet." Der junge Manu ihr gegenüber war duukclroth geworden, er preßte die Lippen aufeinander und blickte aus seinen Teller, er fühlte sich offenbar getroffen. Friedhciin lachte. ״Sie sind eine gescheidtc junge Dame, die gcscheidtcste, die mir vorgekommcn ist, seitdem meine Frau nicht mehr zu den jungen Damen gezählt wird. Dafür werde ich übermorgen :nein erstes Glas ans Ihr Wohl leeren." ״Ah, übermorgen," rief Wolf mit unangenehmen Lachen, ״da ist es ja ein gottgefälliges Werk, sich zu betrinken, da trinken sich die srommcu Damen wohl auch einen Rausch." Es tag eine gewisse Frechheit mehr noch in dem Ton als in den Worten des sichtlich Erregten; Friedheim hielt jedoch die scharfe Zurechtweisung, die sich ihm aus die Lippen drängen wollte, zurück und ruhig sagte er: ״Ich muß Sie abermals aufmerksam machen, Laß Sie im Jrrthum sind, mein lieber Freund. Nie ist cö ein gottgefälliges Werk, sich zu betrinken." ״Aber die orthodoxen Juden betrachten es als solches, das weiß ich bestimmt. An Purim soll man trinken, bis man nicht mehr weiß, wer besser war, ob Haman oder Mordachai, das habe ich von meinem Vater gehört." Friedheim schüttelte dcn Kopf. ״Das haben Sie mit Nichten von Ihrem Vatergehört, das weiß ich bestimmt. ES steht, daß man am Purim nur so viel trinken darf, daß uian noch uuterschcideu kann, was von höherer Wichtigkeit ist, ob der Fluch, der den Haman getroffen, oder der Segen, der dein Mordachai geworden. Das werden Sic von Ihrem Vater gehört haben. Nur ist die Frage, um die cS sich da handelt, eine so subtile, daß mau sic nur mit klarem Kopf entscheiden kann, woraus wohl zur Genüge erhellt, daß die betreffende Stelle uns auch an Purim zur Mäßigkcit verpflichten soll." ״Die frommen Damen sind demnach wohl auch nicht verpflichtet, sich übermorgen einen Rausch zu trinken," lachte Erna. Neuntes Kapitel. ״WaS hast Du gegen den jungen Wolf?" fragte Recha, als sie nach dem Speisen mit der Freundin in dem geöffneten Fenster lehnte, denn die Lust war, obgleich der Frühling nach dem Kalender noch nicht begonnen hatte, doch bereits ausfallend milde. Erna zog die Stirn in Falten. ״Er ist ein unverschämter Lasse," versetzte sie ägerlich, ״so bald mein Vater nach Hause knmmt, werde ich ihn ersuchen, mir vor dem Frechen Ruhe zu schaffen." ״Was hat er Dir gethan?" forschte Recha.

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