Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 20 (1887)
- Issue
- Heft 38 (22.9.1887)
- Article
- Rußland : Trisik (Gouvernement Kowno) [Nachricht]
- Date
- 1887-09-22
- Page
- 606 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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606 III Trisik Gouvernement Kowno). Am 3. Scptembcr ist der hiesige Ort ein Raub der Flammen geworden, fast zweihundert jüdische Familien sind obdachlos geworden. ~ Podselwr (bet Wilkomir, Gouvernement Kowno). Eine furchtbare Fenersbrnnst brach hier am 3l. August aus und verzehrte etwa 180 Wohnhäuser. Der Ort ist znnt großen Thcil von Juden bewohnt. Der Nothstand ist herzzerreißend. Rumänien. .2. Platra. Bon dem Präfekten ist kürzlich eine Verfügung an alle Landgemeinden des Distrikts erlassen worden, durch welche die OrLSbehörden angewiesen sind, unverzüglich alle ,Fremden", d. h. Juden, welche trotz früherer Ordre noch nicht ausgetricben sind, unverzüglich zu e^mittircn. Demzufolge haben die Gemeinden, welche gegen die eine oder andere jüdische Familie bislang Schonung geübt haben, nunmehr rücksichtslos die noch vereinzelten jüdischen Familien verjagt. Italien. *Rom, 11. September. In der deutschen und österreichischen antisemitischen Presse wurde kürzlich die kühne Behauptung kolporlirt. der Papst gehe mit der Absicht um, der ״antisemitischen Bewegung" in einer besonderen Encyclica fördernd näher zu treten. Unter Anderem fand sich diese Hnndstagsftiege in einem bcrüchtigtcu Berliner Lokalblatte. Wie nun der sicherlich gut berichtete ״Osservatore Cattolieo" konstatirt, ist im Vatikan von einer solchen abenteuerlichen Absicht auch nicht das Mindeste bekannt. Der Papst habe Besseres zu Ihn«, als sich in eine Streitfrage einzumischcn, die die kirchtichcn Interessen in keiner Weise berühre. Die Herren Judenfresser haben also wieder einmal geflunkert. Der ״fromme Wunsch", im Papst einen Alliirten für ihre schändlichen Projekte zu finden, war augenscheinlich bei dieser Drohnote der Vater des Gedankens. (Jüd. Pr.) M a r o k k 0. * Im vorigen Winter wurden in Bene-Hassan zwei Israeliten ans Sale, NamcnS Jakob Newah und Isaak den Isla nmgebracht. Ihre Leichen wurden von Glaubensgenossen anfgefnndcn. Neuerdings wurden Mcssod Lewy und sein Diener Joseph Alknabi, die Sale am 26. Nissan (20. April) verlassen, um sich nach dem Innern dcö Landes yi begeben, umgebracht; ihr Geführte Joseph Lcvy ans Kasablanka konnte sich retten, doch nicht ohne sehr ernste Verwundungen. Diese'Mordthatcn blieben ungestraft und crmnthigen folglich die Araber, die Inden noch ferner zu mißhandeln und umzubrmgm. Sobald in gewissen Regivnen ein jüdischer Gläubiger von einem Araber die Zahlung seiner Schuld verlangt, antwortet ihm jener alsbald: ״Qnittire mir meine Schuld, oder du hast das Schicksal dleses oder jenes Gemordeten zu gewärtigcn!" (Allianz. Bericht.) Aufruf.!ב״ה בין המצרים ישוגגו פדות ורוהח K 0 w!4 ,0 ן. Mcnachcm ״ Aw 5647. Entsetzliche Unglückssülle haben im Lause dieses Sommers Rußland heimgesucht. Ungeheure Feuersbrünste, welche in solchem Umfange und in solcher Häufigkeit unerhört sind, reihen sich an einander. Die Hand GottcS hat uns schwer getroffen; das Unglück nimmt zu; Gott erbarme sich unser! Kaum ist die schreckliche Fenersbrnnst in der altem Stadt Kidall, die zum größten Theil mit aller Habe ein Naub der Flammen geworden, zu unserer Kunde gelaugt, noch ist man mit der Samnituug von Spenden zur Linderung des Elends der von diescnt Unglück schwer Gctrofseucu beschäftigt, so ereilt uns die Nachricht, daß auch ein großer Theil der Stadt Scharcdnik mit ihren Gotteshäusern nicdergcbrannt ist. Wir haben uns noch nicht zu fassen vermocht ob des Entsetzens, so trifft eine neue Schreckensbotschaft ein.- Tie Stadt Zeikischak ist gänzlich durch Feuer zerstört. Alle Habe, alles Gut, Synagoge und Lehr- Häuser sind hier vernichtet, — nichts ist übrig geblieben. Nur zwei Häuser stehen noch. Die gesammte Stadtbcoölkcrnng lagert auf dem freien Felde unb ermaugelt jeglichen Schirms und Schutzes gegen Regen und Sturm. Und während das Mitleid geschäftig ist, diesen Unglücklichen die nothwcndigsten Mitte! zur Fristung des Lebens zuzuführen, so dringt der Nothschrci aus der großen Stadt Schwcnzian tu uns Diese Stadt ist ebenfalls total den Flammen zmn Opfer gefallen mit jeglichem Gute, mit Synagogen und Schulen! Aber auch hiermit ist das Furchtbare nicht erschöpft. — Eine Menge anderer Feuersbrünste und cntsetzlicher Unglücksfälle suchen uns heim, — das Herz dcö Menschen ist zu schwach, um die Größe dcS Elendes und der Noth zu erfassen. Das köstlichste Erbe, mit welchem Gott unfern Stamm begnadigt hat, ist das warme Mitgefühl