Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 20 (1887)
- Issue
- Heft 38 (22.9.1887)
- Article
- Österreich-Ungarn : Prag, September [Nachricht]
- Date
- 1887-09-22
- Page
- 605 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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im Betrage von 16 fl. 40. kr. verthcilt, somit nebst Regie von 146 fl. 10 kr. und für Äcquivalcnt an 3.Personen 3 .Gulden im Ganzen!587 fl. 36 kr. vecauSgabt. Bei der Bikur Cholim Anstalt betrugen die Einnahmen 783 fl. 13 kr., dagegen die Ausgaben für Medikamente, Mineralwasser u. s. w. 902 fl. 8 kr., der Vermögensstand belief sich Ende 1836 aus 5734 fl. 65 kr. und zwar 4550 in Werhpapieren, 1184 fl. 65 kr. in Baarschaft. Die FeicrtagSverköstignng erforderte 412 fl. 80 kr., welche, da keine sonstigen Einkünfte vorhanden sind, aus der Kultusgemeindekassa bestritten wurden. Für die unentgeltliche Mazzothvcrtheilunz wurden im Jahre 1886 1775 fl. 51 kr. inbegriffen der Sammlung für Kimche deplsche im Betrage von 981 fl. eingenommen, dagegen 2112 fl. 65 kr. veranSgabt, somit ein Desfzit von 337 fl. 14 kr. verblieb, welches aus der. KultuSgemcindekassa gedeckt werden mußte. Im Jahre 1867 betrugen die Einnahmen 1936 fl. 77 kr., die Auslagen 2229 fl. 43 kr., es verblieb somit ein Defizit von 292 fl. 66 kr., welches gleichfalls auö der Kultusgemeindekassa gedeckt werden muß. In den, diesen Bericht begleitenden Worten spricht sich die Repräsentanz im Allgemeinen also ans: Die Ausgaben mehren sich von Jahr zu Jahr, weil, wie die Statistik des ArmenwcscnS über- Haupt nachweist, die Anzahl Derjenigen, die auf ein Almosen Anspruch erheben, jährlich um ein Bedeutendes wächst, während die Einnahmen — und dies muß mit Bedauern koustatirt werden — vieles zu wüuscheu übrig lassen. Es ergeht daher an sämmtliche Glaubensgenossen die dringende Bitte, dic Armcnkommisscon aufs Kräftigste zu unterstützen und in weiteren Kreisen dafür cinzntreten, daß der Armen und Bedrängten bei traurigen und freudigen Veranlassungen nie vergessen werden. 11. Tcrcbcs, September. Die Judcnschasl des Zcmplincr KomitalS ließ die Gelegenheit der An- Wesenheit des Kaisers bei den Manövern nicht ungenützt vorübergehen, um dem geliebten Monarchen ihre Huldigung darzubringen. Sic entsandte eine Deputation an den Landeshcrrn, welche sehr huldvoll empfangen wurde. Der Kaiser erwiderte auf die Anspräche des Führers derselben, daß er von der Treue und Liebe feiner israelitischen Uutcrlhaueu überzeugt sei, welche sich stets als loyal erwiesen haben. Sie möchten darin beharren und der Huld ihres Königs allezeit sich versichert halten. ~ Dcva (Siebenbürgen), 15. September. In bcii verschiedenen Ansprachen, welche der hier zur Inspizirnng der Manöver weilende Kaiser auf die BegrüßungSreden der einzelnen Korporationen gehalten hat, wurde von ihm stets betont, daß cs die heilige Aufgabe aller Staatsangehörigen sei, die brüderliche Eintracht, .aller Konfessionen und Nationalitäten zu wahren. Er sei fest überzeugt, daß-die ganze Bevölkcrung, ohne Unterschied der Religion und Nationalität, iti der Pflege dieser Eintracht, wie in - der Liebe und Anhänglichkeit zum Vatcrlande mit einander, wetteifere. Dieser ernste und stets wiederholte Hinweis: auf die interkonfessionelle Eintracht verfehlt nicht, den heilsamsten Einfluß aus das ganze Volk auszuüben. Kaiser Franz Joseph fühlt sich in Wirklichkeit als Landesvater, dem alle Kinder des Vaterlandes.gleich wcrth und - thcner sind. Er ist deshalb auch in dem bencidenswerthen Besitz der ungcthciltcn Liebe aller seiner Völker. Rußland... * Petersburg, 18. September. Der dirigirende Senat veröffentlicht ein Dekret, laut welchem diejenigen Juden, die das Recht eines unbeschränkten Aufenthalts, im Kaiserreich genießen, überall Handel und Industrie nach den allgemeinen Bestimmungen treiben dürfen. (Hbg. Korr.). * Warschau, 13. September. Eine Privat« - depcsche der ״Berliner Börsen-Zcilung" meldet: In den letzten Tagen sind 60 christliche, 25 israelitische Familien, 32 israelitische junge Männer, sämmtlich deutsche Uutcrthancn, auSgewicsen worden. MassenanSweisungen werden für die nächsten Tage erwartet. ~ Kcmlern׳z-Podolsk, 10. September. In der hiesigen alten Stadt, dem Sitze deö Gouvernements Podolien, besteht die Einwohnerschaft fast zur Hälfte ans Juden. Seit langen Jahren befanden sich unter diesen auch solche Faniilicn, welche nach der strengen Handhabung des Gesetzes allerdings sich hier nicht niederlassen dursten. Kamenc; liegt nämlich innerhalb deö fünfzig Werst umfassenden GrenzrayonS, in welchem nur den ursprünglich ortsansässigen Inden der Aufenthalt gestattet ist. Man weiß aber, daß die Juden nicht bestehen könnten, wenn alle zu ihren Ungnnsten erlassenen Gesetze im vollen Ausmaße der Strenge ge׳ handhabt werden würden. So hab.n sich innerhalb der letzten 30 Jahren viele Inden von auswärts hier niedergelassen, Geschäfte gegründet, Handwerk betrieben, ohne daß man sie gehindert hätte. Man zählt deren jetzt etwa 1000 Familien. Diesen ist nunmehr, ansgegeben worden, ihre Geschäfte abzmvickcln, ihr Grundeigcnthum zu verkaufen und die Stadt zu verlassen. Bis zum Schlüsse deö lausenden Jahres ist ihnen hierfür Frist gelassen. Dann aber darf Keiner von ihnen sich hier betreffen lassen, will er nicht Strafe und gewaltsame An-Streibung gewärtigen. Map versetze sich in die Lage dieser 1000 Fainilicn und man wird sich den Jammer und die tiefe Bctrübniß derselben vorslcllen können. — Auch aus anderen polnischen Städten wird von ähnlichen Maßregeln gegen die. nicht berechtigte jüdische Einwohnerschaft berichtet.