Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 20 (1887)
- Issue
- Heft 38 (22.9.1887)
- Article
- Österreich-Ungarn : Wien [Nachricht]
- Date
- 1887-09-22
- Page
- 604 (sequence 2)
- Language
- German
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604 Dozent, Herr D1\ Moriz Löwilh, der sich unter Anderen j ebenfalls um diese Stelle beworben hatte. ״Exzellenz",! sprach der junge Gelehrte, ״ich habe mich um die Stelle j beworben und halte cS auch für meine Pflicht, mich! Ihnen vorzustcllen, obwohl ich weiß, daß meine Prä-; tcnsion eine völlig aussichtslose ist, zumal jetzt, in einer Zeit, wo cS zwecklos erscheint, gegen die Macht der Vorurthcile, gegen den Einfluß des Rassenhasses anzukämpfen." Der Minister hörte den jungen Gelehrten, dessen Qualifikation, dessen ernstes Streben, dessen Fleiß und Thatigkeit ihn! wohl bekannt waren, ruhig an, worauf er ihm antwortete: ״In gewisser Beziehung ist es leider so; was jedoch mich betrifft, mögen Sie überzeugt sein, daß ich in der Wissenschaft keine konscssionellen Unterschiede kenne." Einige Tage später brachte die ״Wiener Zeitung" in ihrem amtlichen Theile die Berufung des Dozenten Dr. Moriz Löwith als Professor auf den Lehrstuhl für pathologische Anatomie an der Universität zu Innsbruck. W. Prag, 16. September. Eine sich vor den Gerichten abspiclende Geschichte, welche uns leider nicht zur Ehre gereicht, erregt allgemeines Aussehen. An! vergangenen Jom Kippur hat in der sich ihrer Aufklärung rühmenden Genieinde zn Außig sich das Unerhörte zngctragcn, daß einer der ״Andächtigen" während der Abodah gcmüthlich die Zeitung aus der Tasche zog und sich in deren Lektüre vertiefte. Er wurde hierüber von einem Geineindeniitgliede hart angcsahrcn und erhob deshalb wegen Berbalinjnric Klage. Die Ncpräsentanz der israelitischen KultuSgemcinde hatte nämlich auf gerichtliche Veranlassung die eiserne Stirn, ein Gutachten dahin abzngeben, daß das Lesen einer Zeitung im GottcShause nicht unanständig und die ostensible ZeitungSlektürc dcS Klägers keineswegs geeignet sei, ein Acrgerniß hervorzurusen. Die nicisten der den Fortschritt huldigenden israelitischen Gemeinden würde auch keinen Anstand daran nehmen, wie auch lhatsächlich cS dort gar nichts Seltenes sei, daß während deS Gottesdienstes in den Tempeln Zeitungen gelesen werden! Eine nette Gcmeindcrcpräseutanz, fürwahr! In Folge dieser famosen Begutachtung wurde der Beklagte noch zu einer Geldstrafe vernrtheilt. Er appellirte und die Sache kam nunmehr au das Leitmeritzcr Gericht. Der Oberrabbincr Hirsch in Prag wurde zur gutachtlichen Acnßernng veranläßt. Dieser nahm aber nicht den hohen fortgeschrittenen Standpunkt der Außiger Repräsentanz ein; und deshalb wurde der Kläger mit seinen: Anspruch auf gerichtliche Genugthuung abgewicscn. Der Gerichtshof war der Ansicht, daß der Beklagte mit Recht entrüstet gewesen und deshalb keineswegs zu bestrafen sei, wenn er dem eifrigen ZeitungSlcscr im GotteShause während des Gottesdienstes zurechtgewicsen habe. W. Prag, September. lieber das Wirken der hiesigen Genleinde-ArmcnvcrwalLnng ist soeben ein Bericht der Repräsentanz der KultnSgcmeinde erschienen, welchen die folgenden Daten entnommen sind. Die Armenpflege nmfaßt: 1) Geldnnterstützung; 2) das Armminstilut; 3) Joachim Wien'sche WohnnugSstiftung; 4) Brenn- Materialien - Vertheilung; 5) Bikur Cholin: Anstalt; 6) Feiertags-Veiköstkgung anläßlich des Passahfcstcs, sowie an Rüst- und AuSgaugSabende dcS Jomkipur; 7) unentgeltliche Mazzothvcrtheilung. Behufs Geld- Unterstützung wurden bei der Arn:enko:nn:ission im Jahre 1686 als Ergebniß der Jahresbeiträge von 4L Gemeindenntgliedern, welche hierdurch gegen den HanSbettet geschützt sind, 2757 ff. 55 kr., an Pnrimspcnden von 87 Parteien 1648 fl. 80 kr., an Nenjahrsfpcndcn von 95 Parteien 1868 fi. 60 kr., an Spenden anläßlich freudiger Ereignisse von 20 Parteien 1161 fl. an Spenden anläßlich von Sterbcfällcn von 17 Parteien l 230 fl., an außerordentlichen Spenden von 12 Parteien 1445 fl., an Beitrag aus der KultuSgemcinde-Kassa zur Armenunterstntzung 2000 fl., ferner ans der Slistungenkassa, u. zw. Therese Wienerischen MiethzinSstiftung, Moses Edle von Portheim'sche Armenstiftnng und Roscnberg'sche Stiftung 93 fl. 93 kr. zur Verfügung gestellt, so daß die hier angeführten Spenden nebst dem Saldo von: Jahre 1685 in Betrage von 51 fl 69 kr. und drei Netonrgabcu in: Betrage von 6 fl. 35 kr., au Eiuuahineu 12263 ft. 12 kr. ergeben. Diesen stehen au Ausgaben gegenüber 3334 fl. 70 kr. verabreicht in 1664 Beträgen au in Prag domizilircude Arme ohne Unterschied der Zuständigkeit, darunter 74 permanente ZiuSuntcrstützuugeu׳, ferner 2455 st. 70 kr. au 131 permanenten MonatSnnterstützugeu 1629 fl. 7 kr. in 476 Puriingaben, 1830 fl. 47 kr. in 582 NeujahrSgabeu, 93 ft. 93 kr. in StiftnugSverleihungen, 362 fl. 80 kr. in 344 Gaben a!r Durchreisende, 769 fl. 42 kr. in 3154 Gaben anläßlich von Veschneidungeu und Hochzeiten, 935 fl. 16 kr. in 3295 Gaben anläßlich von Sterbcfällen und 180 fl. NegieauSlagen znsamiuen!1591 fl. 25 kr. Für daö Armeninstitut wurden in: Jahre 1686 2157 fl. eingenommen, 2137 fl. 27 kr. verausgabt, der PermögcnSstand bezisfert sich Ende 1666 auf 49766 fl. 61 י/•» kr. und zwar 48996 fl. 81 י־/ז fr. in Werth papieren und 769 fl. 80 kr. in Baarschaft; die Jntcresscu der Joachim Wiewschcn WohnungSstiftimg betrugen 285 fl. 88 kr., dagegen wurden verausgabt 180 fl. 47'/2kr., die reinen Aktiva betrugen Ende 1886 6532 fl. 69 kr. Bei der BrennmaterialiemVerthcilung wurden in: Jahre 1886 1606 fl. 75 kr. eingenommen, inklusive der gesammelten Beiträge von 922 fl. 75 kr., dagegen 1651 Meter- Zentner Klodnocr Kohlen (der Meterzentner Per 66 kr.) in: Betrage von 1419 fl. 86 kr. und 16 Meter Holz