Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 20 (1887)
- Issue
- Heft 38 (22.9.1887)
- Article
- Österreich-Ungarn : Wien, 16. September [Nachricht]
- Date
- 1887-09-22
- Page
- 603 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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603 diese Wirkung daraus, daß Herr Professor Blckcll und der Verleger Schumacher fortan eine Kooperation mit einem Individinm dieser Art begreiflicher Weise perhorreszirten. Was nun das in dem Hause eines judenfeindlichen Abgeordneten von Wien, der auch die Advokatur betreibt, unter Mitwirkung eines ״beriihmteil Orientalisten" zu Staude gekommene Protokoll Brimans betrifft, so bemerke ich, daß die ganze darin prodnzirte Unterredung eine ebenso kühne, wie Phantasiereiche Entstellung der Wahrheit ist. Briman war eS, der spontan mir von seinen Beziehungen zu Rohling und davon, daß er den genannten Professor zu einer Zeit, da dieser seine Talmud-Literatur in die Welt setzte, hebräischen Elementarunterricht erthcilte, Mittheilnng gemacht hat, und dies zu meiner größten Ueberraschung, da ich, dem Streite der Parteien auf diesem Gebiete fernstehend, bis dahin von irgend welchem Zusammenhänge dieser beiden Männer keine Kenntniß besaß. Briman erklärte mir, er habe cs satt, sich von den Antisemiten auch fernerhin niißbrauchen zu lassen, er wolle seinen Beziehungen zu dieser Kliquc ein Ende machen, und als Beweis für den Ernst seiner Absichten wolle er mir eine Serie Rohling'scher Briefe anssolgcn, die Rohling schwer kompromittircn. In der Thal händigte mir Briman mehrere an ihn von Rohling gerichtete Briefe ans und da er jenes Schreiben, in welchem Rohling sich angeblich rühmte, vor dem Prager Gerichte einen Eid ״unt der guten Sache willen" abgelegt zu haben, trotz eifrigen Snchens nicht sand, so rcproduzirtc er in einer an mich gerichteten Zuschrift den Inhalt dieser Bcrühmnng. Ich habe mich seinerzeit darauf beschränkt, diese Urkunden zu veröffentlichen und cs unterlassen, jener Eröffnungen zu gedenken, die mir Briman ungefragt über die Beziehungen des Jesuitenordens und einiger hoher geistiger Würdenträger zur antisemitischen Partei gemacht hat, und welche er, durch in seinen Händen besindliche Papiere, erweisen zu können behauptete. Ich führe dies heute an, damit die öffentliche Meinung in der Lage ist, an dicscr einen Thaksache die Persönlichkeit BrimanS und seiner Patrone zu messen und ich darf mich wohl daraus beschränken, den ganzen Inhalt dieses famosen Protokollcs, die mir darin in den Mund gelegten Acußerniigeri, den mir imputirtcn ErpressnngS- und BestcchunaSversuch an Briman als eine plumpe Erfindung zu bezeichnen. Mit vorzüglicher Hochachtung Dr. Friedrich Elbogcn." K. Wien, 18. September, lieber die Einweihung der neuen Synagoge der hiesigen türkischen Gemeinde berichtet die ״N. fr. Pr.": Der reiche Kranz von prüchtigcn Gebäuden, deren Wien sich erfreut, ist um ein neues Prunkstück vermehrt worden. Es ist dies der Tempel der türkisch-israelitischen Gemeinde in der Zirknsgasse. Seltsam nimmt sich inmitten der dortigen Schablonenhäuser dieses im maurischen Styl gehaltene Gebäude mit seiner hohen Kuppel und den orientalischen Formen aus. Heute Abend fand die Eröffnung dieses Tempels statt. Vollzählig hatten sich die Mitglieder der Gemeinde in dein großen Kuppelbau versammelt; in einer Loge saßen die Attaches der türkischen Botschuft und der rumänischen Gesandschast. Außerdem hatten sich als Gäste eingefunden: Stadthaltcreirath Ritter v. Pfersmann, Magistrats-Direktor Vittmann, Polizeirath Heide, Bezirksvorstand Mumb, der Archimaudrit der griechisch -unirten Kirche, der Prior der Barmherzigen Brüder, Florcntin Herzog, und der Provinzialsekretär Steiner, mehrere Vorstandsmitglieder der israelitischen Kultusgemeinde, sowie der Rabbiner und Prediger Dr. Gudcmann und Andere. Die Feier begann mit einer kurzen Ansprache, die der Erbauer des Tempels, Architekt Hugo Ritter v. Wiedcnfeld, an den Präsidenten der Gemeinde, Herrn Mathias M. Nus so, richtete, als er demselben den Schlüssel Hauses übergab. Unter Orgelspiel (?) und Ehorgcsang trugen dann die Vorsteher der Gemeinde, voran die Herren Mathias Nnsso und Joseph 3. Eskcnasi, den ganzen Rannt rings umschreitend, die Gcsetzesrollen zur Bnndcsladc, wo Oberkantor Bauer den Psalm: ״Wie schön sind deine Zelte" saug. Nun wurde das Licht der ewigen Lampe angezündet, und danntrug der Rabbiner Papo in spanischer Sprache ein Gebet vor, in welchem er den Kaiser Franz Joseph, das österreichische Kaiserhaus, den Sultan Abdul Hamid und dessen Hans, den türkischen Botschafter, ferner den Bürgermeister Uhl, den Vorstand der Gemeinde, die Leiter der wohlthütigen Vereine und Anstalten aller Konfessionen, sowie die Lehrer und Gelehrten aller Konscssioncn und Nationen, deren Wirken der Menschheit zum Wohle gereicht, segnete. Dann wurde vom Chor die österreichische Volkshymne mit hebräischem Texte und eine vom Cellisten Professor Joseph Sulzer komponirtc, sehr effektvolle SuttanShymne in spanischer Sprache gesungen. Mit dem Vortrage einiger Psalmen wurde die Feier geschlossen. 0. Wien, 18. September. Daß der AntiscmitismuS an dem gesunden Sinne des Volks scheitern wird, davon legt die Kundgebung in einer dieser Tage hier stattgefundcnen Arbeitcrversannnlnng ein erfreuliches Zengniß ab. In derselben äußerte sich ein Arbeiter unter allgemeiner Zustimmung dahin, daß die Juden- Hetze ein Schandfleck unserer Zeit sei. Kein ehrlicher Arbeiter werde sich dazu hergeben, die sinnlose Juden- Hetze mitzumachen. G. Wien. Die ״Oestr. Wochcnscbr." berichtet: Die Besetzung der Lehrkanzel für pathologische Anatomie an der Universität zu Innsbruck war ausgeschrieben. Da meldete sich rar Audienz beim Minister ein junger