Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 20 (1887)
- Issue
- Heft 38 (22.9.1887)
- Article
- [Rezension] / X.
- Date
- 1887-09-22
- Page
- 601 (sequence 1)
- Language
- German
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M 88, Jefchnru». feÖl Mlherscha«. Das Opfer der Mardachai, Trauerspiel von Eduard Mohr. Kreuznach 1867. Schmithals. In die Zeit der spanischen Juqnisition versetzt unS diese Dichtung. Einer jüdischen Frau ist ihr neugeborenes Knablein geraubt worden, um cS in die Wiege eines lodlgcbornen Prinzen zu legen, dessen Mutier getäuscht werden soll. Der Knabe wird als Sohn der Herzogin erzogen mib bekleidet in Jünglingsjähren bereits einen hohen militärischen Rang. Die wirkliche Mutter, Mardachai, leidet mit ihren Glaubensgenossen unter den Schrecknissen der Inquisition. Man hat sie der Zauberei bezichtigt und vor das Jnqnisitionstribunal gestellt. Da crsährt sie von der sterbenden Magd, die ihr den Sohn geraubt, die Existenz ihres Kindes. Dieser entsagt allen Ehren und Würden, um mit der Mutter den Scheiterhaufen zu besteigen. Die Dichtung hat neben vielen Schwächen manche Schönheilen anfznwciscn. Eine Stelle möge hier als Probe angeführt werden. Die jüdische Frau antwortet ihren Richtern aus die Frage nach dem Zauber, bcnt das Judcuthnm seine lauge Dauer trotz aller Unterdrückung verdanke, also: Wollt ihr den Zauber kennen? — Als Moses einst mit den Gesetzestafeln Vom Berge Sinai sich abwärts waudtc, Vernahm er eine Stimme: ״Nehmt mich mit Wohin ihr geht, denn ich bin euer Gott." Und Moses sprach: ״Woran erkennt mein Volk, Daß du der Herr bist?" Da erschien ein Sturm, Der das Gesetz zerbrach, dem die Natur Nach unsrer Denkart unterworfen ist. Es stiegen Flammen auf, die Erde bebte Und in den; Thalc hallten Donner wieder Zum Zeichen fehler Rahe. ״Nehmt mich mit," Das war das Wort; der Anfang und das Ende. ■ 'Wir nehmen ihn mit uns. Vcrgebnc Sorge Die ihr euch macht; verjagt uns von dem Grunde, Den dieser Kuß entweiht; verweigert uns Das Bischen Erde; treibt den Wanderer, Dem schon die Ferse blutet, immer weiter, Wohin ihr wollt; er nimmt den Einen mit. Und wie der Wanderer, so thnn wir Alle — Vertilgt uns, wenn ihr könnt! . X. Korrcspondcllzcn mtb Nachrichten. Deutschland. u. Berlin, 14. September. Die hiesige gcsctzeStreue Gemeinde ״Adäß-JiSrael" hat eines ihrer wackersten Mitglieder, einen ihrer Mitbegründer und Führer verloren. Herr Samson Noscnberg ist eingesammelt worden zu seinen Vätern. Er war ein ganzer Mann und cm ausrichtiger Frommer, untadclhaft in seinem Handeln, lauterer Gesinnung, biederen Charakters. Sein Heimgang wird in dieser Gemeinde schmerzlich ein- Pfunden. Dieser allgemeinen Trauer gaben die Herren D1-. Hoffmann, Rabbiner l)r. Eohn und Proscssor Barth au der Bahre beredten Ausdruck. Sein Andenken lebt in unfern» Kreise fort; — ת׳נ׳צ׳ב׳ה. C. Berlin, 18. September. ES ist eine, nennen wir cS übte Angewohnheit der Zeitungen, bei jedem Verstoße, dessen ein jüdischer Bürger sich gegen Gesetz und Ordnung schuldig macht, die Konfession des Male׳ fitantcn in fetter Schrift hervorzuheben, gleich als ob cs etwas besonders Erfreuliches oder BemerkenSwcrtheS wäre, daß sich ein Jude in Konflikt mit der Rechtsordnung gesetzt hat. So meldet auch die ״Krenzzeitung" heute, daß der ״israelitische" Kaufmann und Armee- Ueferaut S. laut der ״Mayener Volkszcituug" sich der Verleitung zum Meineid schuldig gemacht habe» soll, durch Stellung einer Kaution von 20000J6 aus freien Fuß gesetzt wurde und seit Sonntag spurlos verschwunden sei. WaS das Neligionsbckenntniß des S. hierbei zu thnn hat, ist nicht abzuschen. — In derselben heutigen Ausgabe der ״Krcnzzeitung" wird von einer Großmutter berichtet, welche ihrem vierjährigen Eukclkinde die Kehle abgeschnittcn hat, von einem Haftbefehl gegen eine Kindesmörderin, von der Verhaftung eines Mannes wegen Sittlichkeitsvcrbrechcus, von zwei Knaben, die ihrem Vater entlausen sind, ohne daß cs der ״Kreuzzeitung" nothwendig erschienen, ihre Leser von dem Bekenntnisse dieser Großmutter, dieser Aktitter, dieses Mannes und dieser Knaben zu unterrichten. Warum diese Zurückhaltnna hier und jene Genauigkeit bei dein einen Beschuldigten?? * Celle, 15. September. Das ״Verl. Tagc-bl." bringt die folgende׳ Entscheidung des Oberverwaltung-- gcrichtShosS. Der hiesige lutherische Schutvcrband, neben welchen; noch ein katholischer und rcfonnirter, dagegen fein besonderer jüdischer besteht, hegte den Wunsch, auch die jüdischen Bürger zur Beitragslcistung herauzuzichcn. Er faßte im Jahre!866 einen entsprechenden Beschluß und suchte dessen Bestätigung bei der Regierung in Lüneburg nach, erhielt jedoch den Bescheid: eines solchen Beschlusses bedürfe es gar nicht, die Juden seien schon Kraft allgemeiner gesetzlicher Vorschrift zur Beilragöleistnug an den christlichen Schulverband verpflichtet. Hierauf fußend, veranlagte nunmehr der Schulvorstand die jüdischen Bürger zur Schulsteuer und wies den von diesen erhobenen Einspruch zurück. Die so Besteuerten klagten darauf im Berwallungsstreitverfahren, indem sie ausführten: Soweit