Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 20 (1887)
- Issue
- Heft 38 (22.9.1887)
- Article
- Pirqe avot
- Date
- 1887-09-22
- Page
- 595 (sequence 2)
- Language
- German
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LY5 במיעוט דרך ארץ. Das ganze irdische Einzel- und Gesanuntlcbcn bildet den Gegenstand der -^׳Wissenschaft, die eben alle auf Erden sich vollziehenden menschlichcn Angelegenheiten unter dem Strahle der göttlichen Lehre begreifen und gestalten lehren will. In das mcuschengcscllschastliche Bürgerliche einzugehen und sich mit dessen Angelegenheiten zu beschäftigen, gehört daher nicht nur zu den nicht zu vernachlässigenden Pflichtthäligkeileu. sondern gewährt auch einen nicht zu unterschätzenden Beitrag zu der von der Wissenschaft gcsordcrlcn ScichUrintniß. Aber auch hier ist Vcschränlnng nolhwcndig, wenn Zeit, Geistcsktarhcit und GemütheSruhe für die Psiegc der Wissenschaft gewahrt bleiben sott. בארך אפים. Der Zornmüthige büßt nicht nur in den! nicht zu vermeidenden Verkehr mit Menschen die zu feinem Studium mitzubringende Ruhe und Gelassenheit ein, ארך אפים: gelassene, ausharrendc Geduld sowohl dem Gegenstände, als den Lehrern, den mitstrebenden Genossen sowie zu belehrenden Jüngern gegenüber, ist auch für das -wissenschaftliche Streben und Leben von nicht zu unterschätzender Wichtigkeit: לב טוב, ein dem Neid, der Eifersucht, den! Haß unzugängliches ״gutes" Her; läßt Geist und Gcmüth srci für völlige Hingebung, an die Ausgabe wissenschaftlichen StrcbcuS, und ist auch im Kreise mitstrcbender Gesühricn von nicht geringer Förderung. Ein gutes Herz freut sich der geistigen Erfolge mitstrcbender Genossen, eignet sic gerne und anerkennend sich an und verdunkelt sich nicht mit mäkelnder Mißgunst, die Erkcnntniß und Ancrkcnntniß des von Andern gefundenen und geäußerten Wahren und Rechten. באמונת ,-,בם ים für den geistig begabten strebsamen Jünger einer Wissenschaft ist eine selbstschöpferischc Thätigkcit sehr verlockend, aber auch leicht zum Abwcichcn vom Pfade der Wahrheit führend. Eine Wisfenschaft, die wie die unsrige, eine durch Ucberlicsening gegebene ist, bietet gleichwohl auch ein weites unerschöpfliches Feld für schöpferische Geistesthätigkcit, sowohl für zurückgchendeS Eingehen l\ die Motive des Gegebenen, als für fortentwickclnde Folgerung aus dem Gegebenen. Allein es steht ihr ein bedeutendes, vor Verirrung schützendes Korrektiv zur Seite, und dies ist der durch kkebcrliescrnng gegebene Inhalt, die durch Ueberlicscrnng gegebenen Normen der Forschung, das mustergültige Borangehcn der Träger und Vermittler dieser Uebcrliefcrnng, und אמונת ר,במים, das treue Festhalten an Urbcrlicserung, Lehre und Beispiel der Männer, die wir mit Recht vorzugsweise "הבסיס" nennen, und das prüfende Messen der Er׳ gcbnisse unseres Denkens mit der von ihnen gelehrten und vertretenen Wahrheit hält auch unser Denken in der Spur des Wahren. יסורין .בקבלת יפורין. Leiden gehören nach den Worten der Weisen zu der Schule, in welcher und durch welche Gott Geist und Gemüth für die Erkcnntniß und Erfüllung seiner Lehre erzieht. Die von dem jüdischen Leben überhaupt nicht zu treu- »enden, sowie die von Gottes Vorsehung verhängten besonderen Leiden auf-, ancmd hinzunehmen und für unsere geistige und sittliche Erlenchtigung zu verwerthen, somit durch Leiden sich nicht von! N^-Lernen entfernen, vielmehr sich nur um so inniger der Pflege derselben hingebcn zu lassen, gehört mit zu der Aufgabe eines jeden Jüngers der Wissenschaft der המכיר .תורה יעב״ץ .את מקומו meint, daß durch diesen Wechsel der Konstruktion, iubem es nicht בשמחה ,בהכרת מקומו בחלקו also heißt, sondern השמח ,המביר את מקומו בחלקו u. s. w. im folgenden die Charaktcrprädikate gezeichnet sind, die durch alles Vorhergehende erworben werden. המכיר את מקומו. Er kennt seine Stellung im Felde der Wissenschaft, er überschätzt und überhebt sich nicht. Er kennt die geistigen und sittlichen Anfordcrungen, welche die Wissenschaft an ihn macht, kennt das Unzulängliche dessen, was er bereits errungen und drängt sich nicht vor und bleibt bescheiden. והשמה בחלקו. Er ist mit dem ihm gewordenen Antheil an GlückSgütcrn zufrieden und auch im Felde des wissenschaftlichcn StrcbenS, so sehr er sich bewußt ist, Anderen, weit Höhcrbcgabtercn gegenüber, zurückstehen zu müssen, so freut er sich dennoch auch des ihm gewordenen bescheidenen Maßes geistiger Begabung und findet Befriedigung darin, sich sagen zu können, daß er die ihm verliehenen bescheidenen Fähigkeiten pstichtgetreu für die Mehrung seiner Kenntnisse und Tüchtigkeiten verwcrlhet und weiß, daß sein Vater im Himmel die Leistungen seiner Kinder im Berhältniß zu den verliehenen Kräften zu schätzen weiß. והעושה סיג לרבריו. Dieses bescheidene Sclbstbewußtsem spricht sich auch in seiner Rede aus. Er drängt Keinem seine Ansichten auf, und so wenig er mit seinen Ueberzeugungeu, wo eS hingchört, zurückhält, so spricht er doch alle seine Acußeruugen nur unter dem beschrankenden Vorbehalt des ihm möglich gewesenen Erkennens aus. ואינו מהזיק טובה לעצמו. Und auch das wirklich Gute, das er im Felde der Wissenschaft und dcS Lebens geleistet und leistet, erfüllt ihn mit keinem Selbstlob. Er weiß, wie viel er in dem einen und andern Gebiete günstigen Umständen und Einflüssen verdankt, die er nicht selbst sich geschassen, die ihm die göttliche Fürsorge liebend zugeführt, weiß, wie er mit Allem, in Allem und zu Allein nur auf den göttlichen Beistand hat rechnen müssen, und sich höchstens nur einen guten Willen zuerkennen darf, das weiß er, und dieses Bewußtsein läßt ihn nur mit bescheidener Dcmuth auf das Gute Hinblicken, das er etwa hier und da geleistet. (Fortsetzung folgt.)