Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 20 (1887)
- Issue
- Heft 37 (15.9.1887)
- Article
- England : London, 9. September [Nachricht]
- Date
- 1887-09-15
- Page
- 590 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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bereitet werden. Es giebt z. B. v ieleVerhältnisse, wo der jüdische Arbeiter am Sabbath selbst nach Ueberciakunft mit dem Arbeitgeber nicht zu arbeiten hat, dennoch aber ihm Schwierigkeiten gemacht werden, wenn er am Freitag Nachmittag vor Eintritt des Sabbat HS die Arbeitsstätte verlassen will. Und ferner: der Sonnabend ist in den meisten Verhältnisse der Lohntag; der jüdische Arbeiter möchte am Freitag oder Montag abgclohnt werden; das aber paßt nicht in den Rahmen der Gcschäftshandhabung des ArbeitgcberS, u. dcrgl. m. Für solche und ähnliche Nebelstünde soll Abhülfe geschassen werden. Morgen Abend findet zu dem Zwecke der Konstituirung dieses Vereins ein Meeting statt. *§$ London, 11. September. Die hier erscheinende Zeitung ״Che jewish World" bringt über die Angelegenheit der jüdischen Einwanderung einen bcachtcnSwerthen Artikel. Sie freut sich, dag diese Frage nunmehr der öffentlichen Prüfung unterstellt wird, dadurch ist sic einer irrigen und oberflächlichen Beurtheilung entzogen. Zn der Versammlung, welche zu dem Zwecke ciubcrufen war, gegen die Einwanderung armer Fremder zu proieftircn, befürworteten die Herren Samuel Montagn, F. D. Mocatta und B. & Cohen die Einsetzung einer Kommission, um diese Angelegenheit genau zu prüfen. Damit wird dieselbe offen und redlich der ösfentlichen Meinung unterbreitet werden, und um das Resultat braucht inan nicht zu bangen. Herr Arnold White, welcher in der Presse die unteren Volksklassen, welche durch die augenblicklich niedrigen Lohnsätze und den sich fühlbar machenden ArbeilSmangel sich in mißlichen Verhältnissen bcsinden, zu überzeugen suchte, daß sie sich die Wettbewerbung der armen Fremden vom Leibe halten müßten, wird schwerlich dem großen Publikum die Ansicht bcibringcn können, daß die von ihm vorgeschlagene Maßregel nicht eine protektionistische sei, und zwar eine um so schlimmere, als es sich hier nicht mn von dein englischen Markte ansschlirßende fremde Produkte handelt, sondern um Menschen, die um des eigensüchtigsten Interesses dem Elend und Tod kaltherzig dadurch überantwortet würden. Die sachkundige Untersuchung müßte zu einem ganz andern Ergebnisse führen, als jetzt angenonunen wird, daß in England Gelegenheit und Raum für jeden ArbcitSsähigen und ArbeitSiustigen,׳ sie müßte das gerade Gegenthcil darthun — sonst wäre eS ein Verbrechen, wenn England heute mit den alt bewährten Traditionen brechen wollte, welche dieses Land zu einer Freistätte für jeden Menschen gemacht haben, welcher, überall sonst zurückgewicsen, sich hier unbehelligt niedcrlasscn konnte, so er nur die Gesetze des Landes beobachtete. Ein Artikel in den ״Daily News" von voriger Woche zeigt, daß diese Angelegenheit einer gerechten Beurtheilung unterzogen werden wird. Derselbe billigt allerdings die von jüdischer Seite bereits angestrebten Versuche, mittellosen Fremden von einer Einwanderung abznrathen. Wenn aber im Osten das Prinzip der Unterdrückung und Versolgnng ferner in der gleichen Weise die Herrschast behaupten sollte, wie cs in der letzten Zeit Anschein hat, so wird man die bcklagenSwerthcn Opfer wahrlich nicht znrückhalten können und dürfen, sich im Westen eine Heimath zu suchen, nnd-am wenigsten wird nian sic von einem Lande ausschließen können und dürfen, mit dessen Name das cihabene Prinzip der Freiheit unauflöslich verknüpft ist. Stimmt nur vor dem armen, verfolgten, flüchtigen Polen eine lauge Litanei über schlechte Geschäftslage und niedrige Löhne an, haltet nur vor ihm Reden voll von schrecklichen Bildern, von Mangel, Entbehrung und Leid — er hat dasür eine unwiderlegbare Antwort: ״Ich werde in England nicht verfolgt, ich habe hier nicht in jedem Augenblick für meine Existenz zu fürchten, nicht die Gewalt rohen Pöbels, nicht desKosackcn Knute. Mag meine Hütte hier auch noch so ärmlich sein, sic wird doch nicht von Bösenüchtern, denen ich niemals ein Leid;ngesügt, angezündet werden, meine Töchter werden doch nicht von einer brutalen Soldateska vergewaltigt oder gemordet werden, wo sic ihre Ehre zu retten suchen. Redet so viel ihr immcr wollt von dem meiner hier harrenden Elend — hier in England bin ich jedenfalls meines Lebens und meines Besitzes sicher." Gegen einen solchen Einwand sind alle Gegengründe hinsällig. So führt die ״Daily News״ die Sache der Huinanität und Billigkeit. Sie heben mit Recht hervor, daß irgend welche Maßregel in England gegen die fluchtigcn armen Juden von östlicher Seite aiS eine Beschönigung der eigenen grausamen Handlungsweise denutzt werden könnte. Wenn das freie England sich der armen Inden verschließt, waS wäre dann uns gegen diese Menschen nicht erlaubt? — so könnte man dort fragen. Amerika. u. Newhork, September. Man hat vielfach die Reform, wie sic von Herrn Isaak Wise in Eincinnati vertreten wird, für die ehrliche gehalten, weil sic mit einer, allerdings nicht cynischcn. Ofscnheit sich von der Lehre und dem Gesetze des ZndenthmnS losgesagt. Ueber ״Rabbiner", welche öffentlich die Sabbath- und Speiscgesctze in gröblichster Weise verletzen, kann hinsichtlich ihrer Qnalisikation wohl kaum ein Zweifel gehegt werden. Zn der letzten Zeit scheint ein besserer Geist in der jüdischen Bevölkerung Amerikas erwacht zu sein. Man erinnert sich doch dcS alten Zudenthnms und der elende Neformschwindel wird widrig. Der Hokuspokus, der mit den heiligsten und