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Jeschurun · 1887-09-15 · Heft 37 (15.9.1887) · p. 588

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 37 (15.9.1887)
Article
Österreich-Ungarn : Leitmeritz [Nachricht]
Date
1887-09-15
Page
588 (sequence 2)
Language
German
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588 als den Ausbund eines politischen Genies priesen, was einen zufällig anwesenden Lehrer veranlaßte, den Fanatikcrn die Wahrheit zu sagen. Diesen Leuten geht der Antisemitismus über Alles. Sie sind schon so weit gekommen, daß sie den ernsten und heißen Kampf, den die Deutschen Böhmens um ihre nationale Existenz führen, als künstlich hcrvorgcrusen bezeichnen. Und solche Leute nennen sich noch deutsch-national! Hartl und seine Genossen bearbeiteten die einzelnen Wahlmänuer für die am 1.8. d. stattfindende Landtagswahl, damit sic nicht die Kandidaten des Zentral-Wahlkomitees wählen, sondern ihre Stimme dem Führer der Antisemitcn geben. Heißt das nicht politischen Götzendienst, treiben und mit dem nationalen Gedanken ein frevelhaftes Spiel wagen? Nur um dem Führer der Antisemiten einige Stimmen zu gewinnen, die für diesen ehrgeizigen Mann ohnehin keinen Zweck haben, versucht Härtl, die Stimmen der deutschen Wähler zu zersplittern! Ist ein solches Treiben nicht ein Verbrechen am deutschen VolkSthum? Glücklicherweise ist unsere Bevölkerung politisch reif genug, um sich von derartigen Agitatoren nicht so leicht irreführen zu lassen. Man braucht nur die Schriften zu lesen, die diese Herren verbreiten, so namentlich die Broschüre über einen antisemitischen Preßprozeß, und man wird mit Ekel erfüllt. k. Neutra, 9. September. Der Wortlaut der kaiserlichen Antwort auf die Begrüßung der hiesigen israelitischen Kultuöacmeinde lautet wie folgt: ״Ich danke für den Ausdruck Ihrer Loyalität. Ihre Glaubensgenossen haben stets Treue und Anhänglichkeit an Thron und Vaterland bewiesen. Schreiten Sie auch weiter auf diesem Wege fort. Sie können immer ans meinen königlichen Schutz und meine Gnade rechnen." Es ist der Beschluß gefaßt, diese Worte unseres vielgeliebten Monarchen aus einer Gedenktafel zum bleibenden Gedächtniß in dem Geineindehause anznbringen. — lieber die Bedeutsamkeit der kaiserlichen Kundgebung in Neutra läßt der ״Pester Lloyd" sich folgendermaßen ans: Derselbe schreibt: ״Daß die gegenwärtige An- Wesenheit Sr. Majestät in Ungarn in ihrer Bedeutung durch die rein militärischen Zwecke nicht erschöpft ist, davon gicbt der heutige Empfang der Deputation in Neutra die Antworten, welche Sr. Majestät auf die Ansprachen erthcilt hat, hinreichend Zengniß. Das Gebiet, wo der König jetzt weilt, ist in nationaler und konfessioneller Hinsicht gleichsam der Mikrokosmus Ungarns, und die königlichen Enunziationen fallen umso schwerer ins Gewicht, als sie über die engen Schranken dieses Komitats hinaus für alle die gleichartigen ethnographischen und kulturellen Verhältnisse des Landes ihre Geltung haben. Es wäre unzulässig, in die verschiedenen Antworten des Monarchen eine Tendenz hinein zu interpretiren, welche ihnen fern liegt, aber stc sind auf die AnSlegeknnst überhaupt nicht angewiesen, denn der klare unzweideutige Inhalt ist m durchsichtige Formen gekleidet. Den katholischen Klerus ermahnt Sr. Majestät, die Lehren brüderlicher Eintracht unter den gläubigen eifrig zu pstegcn, und man wird dem Sinne dieser Worte gewiß nicht Gewalt anthun. wenn man in der Apostrophe den lebhaften Wunsch des Königs erkennt, daß die Priester der katholischen Kirche, eingedenk ihres Berufes und der Gebote ihrer Religion, für den Frieden zwischen Bürger und Bürger, welchen Bekenntnisses diese auch seien, einstehen mögen. Und wie sehr die königliche Mahnilng gerade in diesem Theile Ungarns am Platze ist, das haben ja manche Vorgängen während der Wahlbewegung gezeigt — Vorgänge, über welche wir heute gern den Schleier des Vcrgessens breiten. — In der Antwort aus die Ansprache der Komitats- Deputationen legte der König besonderen Nachdruck darauf, daß die Bevölkerung ohne Unterschied des Glaubens und der Nationalität sich im patriotischen Empfinden eins fühlt mit den übrigen Bewohnern Ungarns. Es ist unnöthig, diesen niarkantcn Satz mit einem Kommentar zn begleiten; er spricht für sich allein mit eindringlicher Deutlichkeit. Nur erinnern wollen wir daran, daß wieder in diesem Theile des Landes in jüngster Zeit eine Agitation daö Haupt erhob, welche gegen den nationalen Frieden und das Einvernehmen der Bürger gerichtet war. Sic ist allerdings rasch untergetaucht, als die wachsame öffentliche Meinung die Gespenster einer früheren Epoche der Verirrung und Finsterniß bei ihrem Namen anrief; aber Nichts kann in gleichem Maße für die Bannung des bösen Geistes der Zwietracht und der Verhetzung wirken, wie dieser Appell des Königs an die patriotischeu Tugenden und die Friedensliebe aller Söhne deS Landes. So bilden denn die heutigen Worte deS Königs eine über den Tag und die engere lokale Grenze hinauSreichcnde Kundgebung, welche allenthalben den lebhaftesten Wiederhall und die freudigste Zustimmung sinden wird." Rußland. Petersburg, im September. Der Schriftsteller Löw Bin stock bringt im ״Woöchod" eine Unterreduug mit Katkow im Jahre 1870 in der Judenfrage. ״Bevor ich im Jahre 1870 nach Moskau kam," schreibt Binstock, ״standen bereits von mir in der ״MoSk. Wed." und in dem ״Ruß. Westnik" mehrere Pädagogische Aufsätze und eine größere biographische Skizze über den Archimandriten Icphiphani, der mir ein Freund war und bei mir das Hebräische erlernte.

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