Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 20 (1887)
- Issue
- Heft 36 (8.9.1887)
- Article
- Österreich-Ungarn : Teschen [Nachricht]
- Date
- 1887-09-08
- Page
- 572 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2932754-2932755-2932791--25952-2936586- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
572 unter dem Gelächter der Menge ab, um anderswo ihren antisemitischen Gelüsten zu sröhnen. k. Neutra (Ungarn), 5. September. Der Kaiser erwiderte auf die Ansprache des Obergespan Herrn Grafen Györky: ״Mit Dank empfange Ich Ihre huldigende Begrüßung. In der Bevölkerung Ober-UngarnS hat die treue Anhänglichkeit für den Thron jederzeit gewurzelt, und Ich bin überzeugt, daß dieses Volk ohne Unterschied des Glaubens und der Nationalität auch in seinen patriotischen Gefühlen ans gleichem Niveau steht und sich eins fühlt mit den übrigen Bewohnern Meines geliebten Ungarns und, daß cS die von einander untrennbaren Gefühle der homagialen Treue und Vaterlandsliebe wie bisher, auch fernerhin treu bewahren wird. Ucbcrbringen Sie übrigens Ihren Mandanten Meinen königlichcn Gruß und Meine besten Wünsche für ihr geistiges und materielles Wohl, in welchen Ihre auf die Förderung desselben hinzielcndcn Bestrebungen auf Meine Sympathie und auf Meinen Schutz unter allen Umständen rechnen können." Die Deputation der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde hatte sich einer sehr gnädigen Aufnahme zu erfreuen. Seiner Majestät hoben in der Erwiederung an dieselbe mit starker Betonung hervor, daß die unb e d i n g t c Gleichberechtigung aller K o n - fcssionen ein unantastbares Erforderniß der Gerechtigkeit sei. * Neutra» 5. September. Bei dem gestrigen Enlpfangc der Deputationen in Neutra durch den Kaiser sollte nach dem festgestcllten Programme nach der Deputation des KomitatS jene dcS Gerichtshofes und der sonstigen Staatsbeamten empfangen werden. Der mit dem Arrangement betraute Miuistcrialrath Ickelfalnssy ordnete jedoch an, daß zuerst die Deputation der israelitischen Kultusgemeinde an die Reihe komme. Ursprünglich war letztere in die Reihe der Deputationen der übrigen Konfessionen ausgenommen gewesen. Im letzten Momente aber war das Programm derart geändert worden, daß die jüdische Gcmeinderepräscntan; als letzte Deputation hätte empfangen werden sollen. Der Vorstand der Kultusgemeinde wendete sich auf telegraphischem Wege an den Minister Baron Orczy und -an den Obergespan. Die Beschwerde fand die erhoffte Würdigung, so daß die Reihenfolge der Deputatioueu während dcS Empfanges auf den Wunsch des Kaisers die erwähnte Aenderung erfuhr. Nachdem der Kaiser dem Sprecher der Deputation geantwortet hatte, sprach Rabbiner Honig zuerst in deutscher Sprache den Segen und erbat die Erlaubnis, beim Segensspräche in hebräischer Sprache das Haupt bedecken zu dürfen. Der Kaiser antwortete lächelnd: ״Ich erwartete von Ihnen diese Bitte, und eS freut Mich, daß Sie an den alten Traditionen festhalten," und hörte andachtsvoll den Segensspruch an. (N. Fr. Pr.) Frankreich. n. Paris, 4. September. Sie haben seinerzeit von der Gründung der ״Liguc nationale contrc I'atliöisme" Notiz genommen, weil dieselbe, wenn auch nicht speziell dem Iudcnthum angchörcnd, im Geiste der jüdischen Weltmission wirkt. Der edle und gelehrte Kaiser von Brasilien ist zum Ehrcnmitgliede dieser Gesellschaft ernannt worden und hat diese Auszeichnung in einem höchst verbindlichen Schreiben angenommen. England. §§§ London, 4. September. Die Einwandererfrage wird voraussichtlich demnächst das Parlament beschäftigen. Das Parlamentsmitglied Herr Froguson gedenkt die Aufmerksamkeit dcS HaufeS in der nächsten Session auf die Immigration von mittellosen Fremden zu lenken und diese Angelegenheit als eine solche zu erklären, welche der besonderen Jnbetrachtnahme dringend bedürftig ist. Er will die Einsetzung einer Kommission zmu Vehuse einer eingehenden Untersuchung.beantragen. — Die kleine und nicht wohlhabende jüdische Gemeinde in Cork (Irland) ist dank der wohlwollenden und mühevollen Hülfe eines Geistlichen, des׳ Reverend Matthew Kerr. in den Besitz eines eigenen Fried- Hofs getätigt. Der wahrhaft edle Mann hat für seine jüdischen Mitbürger eine Sammlung veranstaltet, welche über hundert Psuud cinbrachlc. Die Handlungsweise dieses Pfarrers verdient öffentliche Anerkennung. Wenn von 'seiner echten Frömmigkeit und Bruderliebe alle Geistlichen beseelt wären, dann würde der Welt viel Jammer und Elend erspart bleiben. Bulgarien. XX Sofia, September. Bei dem Einzüge des Fürsten Ferdinand hatte die jüdische Gemeinde eine prachtvolle Trinmphpforte neben der spaniolischcn Synagoge errichtet. Hier erwartete die Gemeinde den neuen Herrscher. Der greise Ehacham trat an ihn heran und begrüßte ihn mit dem Segen in hebräischer Sprache. Der junge Fürst neigte sich lief bewegt vor dem ehrwürdigen Rabbi, ergriff dessen Hand und führte sic an die Lippen. Daraus verlas der Vertreter der Gemcinde eine in hebräischer und bulgarischer Sprache verfaßte Adresse, die eine sehr gnädige Ausnahme fand. Rußland. * Warschau. Der ״Posener Zeitung" wird berichtet, daß allen denjenigen Ausländern, welche mindestens fünf Jahre in Rußland ansässig sind und sich über ihre sonstigen Verhältnisse genügend auSweisen können, das