Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1887-09-08 · Heft 36 (8.9.1887) · p. 566

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 36 (8.9.1887)
Article
[Rezension]
Date
1887-09-08
Page
566 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
spine
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2932754-2932755-2932791--25933-2936580
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

566 }amen jüdischen Bekenntnisse zu bestehen gehabt. Nun sehe man aber, waö darüber das berufenste Organ der Synoden, Präsident Lazarus, ofsenbart. Er sagt von der ersten Synode, daß in ihr eine ״Geistesschlacht" gewesen, und mit dem vollen Gewicht seiner prophetischen und legislatorischen Autorität fügt er emphatisch hinzu: ״eine Geistcsschlacht wird, darf, soll eS bleiben." Diese offizielle Kundgebung vom hohen Präsidialstuhle aus geschieht in dem gehobenen Bewußtsein, daß er ein Moses und die Schriftsichrer Engel, Honigmann, Wertheim und Lehmann ein Aron- und Chur-Doppelpaar darstellen. Nun fragt es sich, wem die Rolle AmalrkS, wem diejenige Israels zufallen solle und wer als Josua zu gelten habe in der Schlacht des Geistes? Diese gewiß sehr berechtigte Frage harrt bis zur Stunde vergebens der Antwort. Dagegen wird man mit der sehr dankenswerthen - Versicherung überrascht, daß ihm, dem Präsidenten, die Sache heilig sei und die Arbeit seiner, des Philosophcn. Tage im Dienste der Idee stehe. Dieser Versicherung reiht sich das Bckenutniß an, daß alle Ideen im Dienste der Religion stehen. Unter Religion sei aber die Religiosität zu verstehen, ״jene allgemeine menschliche Erhebung und Vertiefung, jenes Anssteigcn auf die Höhen des Menschenthrons, jenes Hu,aufsteigen vom Kleinen zum Großen, vom Alltäglichen zum Erhabenen, von! Endlichen zum Unendlichen, vom Zeitlichen zum Ewigen." Der Geist dieser Religion habe in der Synode gewaltet, ״Jeder habe in diesem Sinne seine Meinung vorgebracht." Sie hätten auf diesem gemeinschaftlichen Boden bcrathen und beschlossen. Kann aus diesen Phrasen irgendwie etwas Anderes entnommen werden, als daß das Judenthum der Synode ein wesenloser Schatten ist, welcher ebenso wohl von einer polytheistischen wie von einer monotheistischen Religion ausgeht? Dem Heidenthum wohnt auch ״dieser Geist der Religiosität", der nach Einbezeugung des Herrn Lazarus in der Synode gewaltet, in voller Lebendigkeit inue. Es ist also in der That nicht zu verstehen, warum sich -die Synode als eine israelitische bezcichuete, eS sei denn, weil auf derselben zufällig nur Nachkömmlinge des Volkes Israel anwesend waren. Sie hätte sonst ebenso wohl eine buddhistische, islamitische oder christliche sein können. Doch nein, islamitisch und christlich nicht. DaS Christenthum und der Islam nehmen doch die Göttlichkeit der Bibel an, die Synode aber erklärt sie durch den Mund ihres Präsidenten als eine Sage, wie die ״übrigen Sagen, welche die Völker über den Ursprung des Menschengeschlechts gebildet haben." Sv ist Alles hohl und nichtig, was hier als Religion, als Judenthum, ausgegeben wird, und dabei wissen Lazarus und seine Leute sich nicht hoch genug aufzuspielen. Sie halten ihre Synode für das Allerheiligste und dünken sich als Hohepriester. Sie bezeichnen ihre Versammlung als ״die Taube Noahs״, ihr Protokoll als das ״Oelblatt", sie fühlen sich in einer ״heiligen Stimmung", in welche die ״prophetischeu Worte" ihres Präsidenten sie verseht. Er hatte nämlich prophezeit, daß die Synodalversammlungen von Jahr zu Jahr wachsen werden. Nun ist bekanntlich seit dem Falle des heiligen Tempels auf Zion das vorgebliche Prophezeien ein eigeuthümlicheS Geschäft nicht gerade der Weisen und Hcllsehcuden. Der Philosoph Lazarus hat dieses auch an seiner Prophezeiung vor achtzehn Jahren erfahren müssen. Wenn man heute nach achtzehn Jahren von der Synode spricht, so zuckt man spöttisch die Achsel. (Fortsetzung folgt.) Mer g!!s der (SepMrt. Bon Friedrich Nott. (Nachdruck ucrliottn.) (Fortsetzung.) Von Stunde zu Stunde schickte er hinauf, sich nach dem Befinden seines Knaben erkundigen zu lassen; die Berichte, die er erhielt, waren immer gleichlautend, der Kranke lag im heftigsten Delirium, im anstoßenden Zimmer hörte man ihn bald lachen und singen, bald wimmern oder ängstlich klagen, hin und wieder stieß er bald lallte wilde Schreie aus. Herzseld glaubte verzweifeln zu müssen, mit bebenden Händen bediente er seine Kunden und oft entrang sich ein schlecht unterdrücktes Aechzen seiner Brust, während sein Blick über die Menge schweifte, die unablässig in seinem Verkaufsladen sich drängte. Wie, wenn er die Leute jetzt aufforbern würde, seinen Laden zu verlassen, da er am Sabbath nimmer verkaufen wolle? Ob seinem Kinde dadurch geholfen wäre? Aber die Leute würden ihn für verrückt halten, und übe'rdieß wovon leben? — von dem Verdienst an den Wochentagen allein — unmöglich. Er konnte sich nicht helfen, er war verpflichtet, für Frau und Kinder zu sorgen, ging das nicht ohne die Arbeit am Sabbath, so mußte er den Sabbath zu Hülfe nehmen. Er Hatto das seiner Frau unzählige Mal erklärt und jetzt sagte er es sich selbst. — Nein, es war nicht möglich — so gerne er in dieser Beziehung der Anschauung-- weise seiner Frau Rechnung getragen hätte — er glaubte cS nicht zu können, nicht zu dürfen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.