Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 20 (1887)
- Issue
- Heft 35 (1.9.1887)
- Article
- Rumänien : Roman [Nachricht]
- Date
- 1887-09-01
- Page
- 559 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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559 unbarmherzig, daß der Aermste bewußtlos liegen bleibt. Nun, er ist nicht gestorben. — So geht cS den Juden im aufgeklärten Rumänien, für sie ist kein Recht und keine Liebe zu finden. Aufruf. ב״ה נץ המצרים ישוגנו פדות ורוהה! Kown 0. 4. Menachem Aw 5647. Entsetzliche Unglücksfälle haben im Lause dieses Sommers Rußland heimgesucht. Ungeheure Feuersbrünste, welche in solchem Umfange und in solcher Häufigkeit unerhört sind, reihen sich an einander. Die Hand Gottes hat uns schwer getroffen; das Unglück nimmt zu; Gott erbarme sich unser! Kaum ist die schreckliche Feucrsbrunst in der alten Stadt Kidail, die zum größten Theit mit aller Habe ein Raub der Flammen geworden, zu unserer Kunde gelangt, noch ist man mit der Sammlung von Spenden zur Linderung des Elends der von diesem Unglück schwer Getroffenen beschäftigt, so ereilt uns die Nachricht, daß auch ein großer Theil der Stadt Scharednik mit ihren Gotteshäusern niedergcbrannt ist. Wir haben uns noch nicht zu sasscn vermocht ob des Entsetzens, so trifft eine neue Schreckensbotschaft ein. Die Stadt Zeitischak ist gänzlich durch Feuer zerstört. Alle Habe, alles Gut, Synagoge und Lehr- Häuser sind hier vernichtet, — nichts ist übrig geblieben. Nur zwei Häuser stehen noch. Die gesammte Stadtbevölkerung lagert ans dem freien Felde und ermangelt jeglichen Schirms und Schutzes gegen Regen und Sturm. Und während das Mitleid geschäftig ist, diesen Unglücklichen die nothwcndigstcn Mittel zur Fristnng des Lebens zuzuführeu, so dringt der Nothschrci ans der großen Stadt Schwenzian zu uns Diese Stadt ist ebenfalls total den Flammen zum Opfer gefallen mit jeglichem Gute, mit Synagogen und Schulen!׳ Aber auch hiermit ist das Furchtbare nicht erschöpft. — Eine Menge anderer Feuersbrünste und entsetzlicher Unglücksfälle suchen uns heim, — das Herz des Menschen ist zu schwach, um die Größe des Elendes und der Noth zu erfassen. Das köstlichste Erbe, mit welchem Gott unfern Stamm begnadigt hat, ist das warme Mitgefühl und die thätige Menschenliebe, חד המי ם והצדקה. Sie sind der wunderbare Talisman, welcher ihm Krast und Stärke verlieh überall, wohin Gott sein Volk zerstreute. Wie Brüder standen die Glieder dieses Volks einander Iren zur Seite, ob nah, ob firn, wo immer die Nolh hereiubrach über das JakobShauS, die Bruder- Hand bietend zur Hülfe und zum Veistaud. Das hat uns erhalten, das verbürgt unser unvcrwüstliches Dasein, darin winkt unö die endliche Er- Lösung, die herrliche Zukunft! Geliebte thcme Brüder! Erbarmt Euch über mcI)r a 18 zehntausend unglückliche Brüder, die sich in dem unsagbarsten Elende, in der bittersten Noth befinden! Bewähret auch hier Eure Barmherzigkeil, Eure opferbereite Liebe. Sendet Eure Liebesspendcn an die Redaktionen der jüdischen Zeitungen, welche gewiß gern bereit sein werden, solche den armen, schwer geprüften, unglücklichen Brüdern zu übermitteln. Ihr dürft der festen Zuversicht sein, daß dieses Opfer Eurer Bruderliebe und Menschenfreundlichkeit in ׳gewissen hast ec und zweckmäßiger Weise zur BertHeilung gelangen wird. Das Verdienst der Hochherzigkeit und Liebe kommt noch den spätesten Geschlechtern zu Gute, und die dankbaren Herzen entstammenden Segenswünsche der von Euch unterstützten tief gebeugten Brüder werden gewiß Erhörung finden vor Gottes Thron. Jizchak (Llchenan Spektor, Oberrabbiner in Kowno. Wir wiederholen unsere bereits ftühcr ausgesprochene Bitte um kräftige und reichliche Hülfe für j unsere unglücklichen Brüder in Rußland. Der Name des hochherzigen Oberrabbincrs von Kowno verbürgt die Größe des Nothstandcs, für welchen Abhülfe von allen Seiten geschasst werben muß. Die Redaktion des ״Jcschnrun".