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Jeschurun · 1887-09-01 · Heft 35 (1.9.1887) · p. 558

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 35 (1.9.1887)
Article
Rumänien [Nachricht]
Date
1887-09-01
Page
558 (sequence 2)
Language
German
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558 acht des LizcnzcngesetzeS, welches den Fremden die Aus- Übung des Schankgcwcrbcs in den Dörfern untersagt; mir haben eine Verfügung des LandpolizcigesetzeS, welche die Niederlassung der Fremden in den Landgemeinden an Bedingungen knüpft; wir haben das absolute Bcrbot, für Fremde Landeigenthmn erwerben zu können. Aber abgesehen davon, daß einige dieser Verfügungen nicht rigoros genug angcweudct werden, sind dieselben auch ungenügend. Die Fremden finden noch Mittel, die Dörfer zu Überschwerurnen und sogar auch zu Landeigenthum zu gelangen. Insbesondere jenseits dcS Milcov (Grenzfluß zwischen Moldau und Walachei) manifestirt sich das Nebel irr seiner ganzen Größe. Als Schankivirthe in den Dörfern ansässig, haben die Fremden cS verstanden, Alles zu umgarnen und die einheimische Bevölkerung unter ihre Botmäßigkeit zu bringen. In vielen Gemein den sind die Bauern, die nach der Konslitntion bloß die Nutznießung des Bodens hatten, gänzlich ihres Besitzes cutäußert worden, denn ihre Parzellen sind von den Fremden im Tausche der Schankschulden ansgebcntct worden, und außerdem ist eine große Anzahl der schönsten Landgüter auf verschiedene Art in die Hände der Fremden gelangt. Heute können wir nicht einmal mehr sagen, daß der Feind vor den Thoren der Festung steht; nein, er ist in dieselbe ein-׳ gedrungen und hat sich unter uns niedergelassen. Können wir eS zulasscn, daß diese Situation sortdanern sott? Die Antwort kann nicht zweifelhaft sein; denn dem Fremden die Superiorität aus allen Gesichtspunkten über den Einheimischen geben und dadurch Erstcrem freie Hand lassen, heißt Letzteren vernichten. Wir müssen daher so rasch als möglich der internen Konkurrenz Einhalt thun, sowie wir die von außen geregelt haben. Um jeden Preis müssen wir den Fremden aus den Dörfern beseitigen. Und niemals waren die Bedingungen dazu günstiger als heute. WaS uns so lange Zeit die Hand gebunden hat — die Liebe der Kabinette .zu unseren Fremden — kann uuS jetzt nicht niehr hindern; denn einerseits haben wir Europa sichere Beweise geliefert, daß wir ein hinlänglich zwllisirtcS Volk sind, und andererseits haben verschiedene Länder des Kontincnts selbst zu empfinden angefangen, daß die Fremden eine Gefahr für den nationalen Fortschritt sind. Deutschland hat 10 000, Fremde auSgctriebeu; ebenso Rußland und sc!bst Frankreich, daö großmüthige und gastfreundliche Frankreich hat begonnen, besorgt zu werden. Wie könnte Europa nun unsere gerechtfertigte Besorgniß übe! deuten? ES könnte dies umsoweniger thun, als die Gefahr bei uns größer als anderwärts ist. Nichts hindert uns also, diese schreckliche Plage auSznmcrzen." Zn einem Organ der rumänischen Negierung wird also glattweg die Austreibung der Fremden gepredigt. Darunter sind in erster Reihe die Juden gemeint, aber der betrunkene fanatisirte Bauer wird nicht viel Unterschiede machen zwischen dem jüdischen und dein sonstigen ausländischen Unternehmer, der ebenso rechtlos ist und das Land ebenso ״ansbeutet". DaS sind recht angenehme Aussichten für die Kapitalisten, welche den Lockungen der rumänischcn Negierung folgen und sich auf rumänischem Boden niederlassen wollen. ..ל. Noman, l 7. August. DaS Thier ist nicht so schütz- und rechtlos der menschlichen Willkür preisgegeben wie der arine Jude der barbarischen Laune rumänischer Beamten. Wollte man alle Fälle regiftnrcn, in welchen der Jude hierzulande einer Behändlnng unterworfen wird, die kein Hund von feilte«! Herrn zu erwarten hat, so reichten Folianten nicht aus. Ach, wir Juden sind hier schon so an diese Leiden gewöhnt, daß der Mißhandelte kaum noch darüber sich beschwert; Recht wird ihm ja doch nicht. Doch zur Sache, d. h. zur Erzählung der beiden gar lustigen Histörchen, die auch die ״Lupta" berichtet. Ihre Leser draußen in den zivilisirten Ländern werden kaum daran glauben wollen, aber wahr sind sie doch, und tagtäglich ereignen sich ähnliche. — Ein bei der Agrikultnrschnle angestelltcr Beamter, KostineSkn mit Namen, welcher für die Instandhaltung und Reparatur der Gcräthschaften bei der Negierungskasse üllmonallich 00 Frank lignidirt, hat seinerseits mit einem Schmied, einem Juden, alle hierzu erforderlichen Arbeiten in ZahrcSakkord gegeben und zwar für 900 Frank. Er steckt also bei diesem Geschäft die Kleinigkeit von 520 Frank mühelos in die Tasche. DaS nennt man in Numänicn: Exploitation des armen rumänischen Volks durch den blntsaugcrischen Inden!— Außerdem hat der jüdische Schmied die Pferde deö Herrn Beamten jahraus jahrein ohne Entgelt zu beschlagen. WaS sage ich — ohne Entgelt? O nein. Da beehrt eines schönen Tagcö der gestrenge Herr den jüdischen Handwerter mit seinem hohen Besuche, und weil er gerade das Bedürfniß einer körperlichen Ansticngnng verspürt, stürzt er sich auf den Inden und bearbeitet ihn so nachdrücklich und ausdauernd mit seinem Stocke, daß dieser zci bricht. Der Jude darf sich beileibe nicht wehren, sonst ergeht cS ihm schlecht. Thätlichcr Wider׳- stand gegen einen Beamten! Dieser prahlt aber mit seiner Heldenthat und bedauert nur, daß der Rücken des Inden ihm baare zwanzig Frank gekostet habe; das war nämlich der Preis dcS zerbrochenen Stockes. — Derselbe wackere Herr Kostincskn begegnet kürzlich einem jüdischen Handelsmann. Beide sind zu Wagen. Der Jude kann nicht so rasch mit seinem Gefährt ausweichcn, wie eö der gestrenge Herr erwartet. Darob natürlich mit Recht erzürnt, springt KostineSkn vom Wagen, reißt den Luden herunter und prügelt ihn so

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