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Jeschurun · 1887-09-01 · Heft 35 (1.9.1887) · p. 557

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 35 (1.9.1887)
Article
Rußland : Warschau [Nachricht]
Date
1887-09-01
Page
557 (sequence 2)
Language
German
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557 der allgemeinen Bildung entziehen, wo man ihrer Jugend die Stätten derselben verschließt, ist unerhört. Man versagt den Inden die Niederlassung in einem großen Theilc des Reichs, man beschränkt sic in der Ausübung von gewissen Erwerbszweigen, man entzieht ihnen die Schulen, und dann ruft man, seht da die Juden, sie schließen sich der nationalen Wissenschaft und Bildung nicht an! Ist das gerecht, ist das billig? — Den Odessaischen Zeitungen wird milgetheitt, daß die an der Petersburger Universität studircnden Israeliten, welche ans Südrnßland stammen, von der Universität ansgcwiesen und bedeutet worden sind, die Odcssaer Hochschule zu beziehen. Polirrwa. Es wird in den Zeitungen bcmerkt, daß in letzter Zeit sich mehr als hundert jüdische Mädchen als Fetdarbeitcriunen verdingen. Sie wollen sich in den für die Ackcrwirlhschaft nothweudigen Arbeiten üben, um mit den Ihrigen nach Amerika ausz>lwandern. Dort gedenken sie Farmers zu werden. Bon allen Seiten wird bezeugt, daß die jüdischen Feldarbeiter die fleißigsten, anstelligsten und redlichsten Arbeiter sind. II (Charkow. Wie die ״Medizin. Wochenschr." meldet, hat die Heilanstalt der Eharkow'schen Gemeinschast barmherziger Schwestern des ״Rothen Kreuzes" die Anordnung getroffen, daß für jüdische Kranke fernerhin Arzneien nicht mehr unentgeltlich verabfolgt werden sollen. Um den wahren Beweggrund zu dieser, einer Institution der Liebe wenig geziemenden Beschräukiing und Unterscheidung zu bemänteln, wird bchauptet, daß von Seiten der jüdischen Kranken Mißbrauch vorgekommen sei. Es sei nämlich nachznweisen, daß von manchen Israeliten die unentgeltlich vcrabfolgten Medikamente verkauft worden sind. Die Möglichkeit dieses Mißbrauchs soll nicht bestritten werden, wohl aber kann behauptet werden, daß derselbe nicht ans Bekenner der jüdischen Religion zu bc׳ schränken ist. Auch von anderen Ncligionsbclennern lassen sich ähnliche Unregelmäßigkeiten Nachweisen, wenn man will. * Satairow, August. Der Ha;efirah" wird von hier berichtet, daß beim Beginne der heurigen Erntezeit viele Juden nach dem nahe gelegenen Dorfe Skotinen gewandert sind und den Gutsherrn um Arbeit gebeten Huben. Derselbe nahm ihr Gesuch freundlich entgegen und war bereit, mit ihnen ans ein paar Tage einen Versuch zu machen. Er wies seine Aufseher und Arbeiter an, die Juden nicht zu verhöhnen. Diese machten sich eifrig an die ungewohnte Arbeit und zeigten sich so gewandt und fleißig, daß ans die von dem edlen Gutsherrn an seine christlichen Arbeiter gerichtete Frage: seid ihr mit den Arbeiten der Juden zufrieden? eine einstimmige bejahende Ant׳ wort, erfolgte. Die Inden arbeiten seitdem Seite an Seite mit ihren christlichen Genossen imd stehen mit ihnen ans den: frenndschasttichsten Fuße. Es sind seit,! dem noch viele Juden von hier nach Skotinen gegangen, welche Alle dort in Arbeit genommen sind. ,Rumänien. Die ״N. fr. Pr/׳ enthält folgenden beachtenSwert Heu Artikel: Rumänien hat ein Gesetz geschaffen, durch welches fremde Unternehmer verlockt werden sollen, Etablissements auf rumänischem Boden zu errichten. Wir haben schon gezeigt, daß alle Begünstigungen, welche die rumänische Regierung verspricht, werthlos sind, weil die rumänische Verfassung den Fremden vollständig rechtlos macht, und der ausländische Unternchmer stets der Willkür der Einheimischen preisgegeben sein wird. Eine recht drastische Illustration dieser Gefahren finden wir in cincrn Artikel des ״Telegrasul", der, wohlgemcrkr, ein ossiziöscs Organ der rumänischen Regierung ist. Die Anslassnngen des rumänischen 'Regierungsblattes sind 311 lehrreich, als daß wir es unterlassen könnten, dieselben zu rcproduzieen. Der ״Tclcgrafnl" vom 2/». August schreibt: ״Zufolge einer natürlichen Entwicklung der Dinge hat sich seit einigen Jahren ein mächtiger Zug zu Gunsten des Schutzes der nationalen Arbeit in! Lande geltend gemacht. Während früher die ökonomischen Interessen des Landes in zweite Linie gestellt waren, behaupten dieselben heute den ersten Platz in de:׳ Beschäftigung Aller. So sind wir dahin gelangt, mit der unglücklichen Zollpolitik zu brechen, die nnS mit gebundenen Händen vor die Füße der Fremden hingcworfen hat, und ernstlich an die Ent- Wickelung und Vertheidignng der nationalen Arbeit;u denken. So sind wir dahin gekommen, uns nicht mehr a's exklusiv ackerbautreibendes Land zu begnügen und aus allen unseren Kräften die Kreirung einer Industrie anznstrebcn. Die liberale Partei und ihre Negierung wußten sich mit diesem Zuge zu idcntisiziren und ihm Rechnung zu tragen. Die verderblichen Konventionen sind gebrochen oder revidirt und günstige Bedingungen zur Begründung einer National-Industrie geschaffen worden. Jeder ernste Mensch begreift, wie wichtig die in dieser Beziehung vollbrachte Arbeit ist; wir müssen jedoch zugleich auch anelkennen, daß dieses Werk noch entfernt ist, vollkommen zu sein, und daß wir noch Vieles dabei zu machen haben. Denn in der That kommt uns die Konkurrenz der Fremden nicht nur von Außen; aus verschiedenen Umstünden haben wir im Lande ein wichtiges fremdes Element, mächtig in der Zahl und durch die Intelligenz, dessen Konkurrenz am gefährlichsten ist. Angesichts dieses Elements sind wir noch entwaffnet. Wir haben zwar in unseren Gesetzen > einige schützende Dispositionen, so z. B. den Artikel

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