Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 20 (1887)
- Issue
- Heft 35 (1.9.1887)
- Article
- Österreich-Ungarn : Wien [Nachricht]
- Date
- 1887-09-01
- Page
- 556 (sequence 2)
- Language
- German
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empfangen. Als er trotzdem ba5 Wort ergriff, rief; man: ״Herunter mit dem Indenknecht! Pfui! 0?eißt's ihn herunter! ' — Bo feiert das antisemitische Deutsch- t()11m seine nationalen gcftc. Ist das nicht eine Schmach? A. Prrstburg, 25. August. Wir haben den Tod eines wahren Gerechten und Frommen zu deweinen. N. Majcr Ade!cs, Nabdiner zu ftittfee (bei Preßbnrg) ist in seinem 83 Lebensjahre, nachdem er seine Tage ausschließlich dem heiligen Berufe der תודה ועבודה gewidmet und bis zur letzten Stunde das Nabdineramt inne Halle, am 23. d. M. selig entschlummert. .Der Verblichene — ein תלמיד מובהק של הר׳ הג' ב׳ה״ס — wirkte volle 40 Jahre in der einst groben Gemeinde Kittsce. Zum Leichenbegängnisse reisten von hier etwa 400 Personen dorthin. Durch die große Zahl der sich als leidtragend Fühlenden gestaltete sich der לויה am 24. d. M. :11 einem imposanten Tranerznge. Am Grabe tvnrden mehrere Neben ge׳- halten, von denen ich nur diejenige des Oberrabbiners ans Frauenkirchen, eines intimen Freundes des Verstorbenen, und des Nabbiners aus Karlburg, hervorheben will. II. Lemberg, im August. Am 25. Aw entschlief einer der hervorragendsten Vertreter des orthodoxen Indenthums in Galizien, Herr Joachim Schenker, im 74 Lebensjahre. Der Verblichene zählt zu den immer weniger werdenden Männern, in welchen תורה nnd .דלר; vereint in die Erscheinung treten, die in ihrer bürgerlichen Stellung ebenso geachtete Geschäftsleute sind, wie sie sich als eifrige Gelehrte und Förderer der jüdischen Wissenschaft bewähren. Des Verstorbenen Leben war ausschließlich der תודה nnd den!;בדלות הבד gewidmet. Seine Wohlthätigkeit kannte keine Schranken, seine milde Freundlichkeit gewann ihm alle Herzen. Als Mitglied des Vorstandes der ״Machsike Hadas" entfaltete er ebensoviel Energie, wie Weisheit. Sein Andenken wird uns Allen ein geheiligtes bleiben. n. Lire.;, 26. August. Ans die Petition der oberösterreichischen Advokatnrs ׳ Konzipienten, welche darum nachsnchten, daß fernerhin keine Inden als Advokaturs-Konzipienten angestellt werden mögen, hat die Advokatenkammer unterm 10. d. M. die folgende Antwort ertheilt: ״Diese Eingabe wird den Herren Gesuchstcllern zu Ihren, als des Erstnuter zeichneten, -Händen znrnckgestellt, nachdem sich der Ausschuß der oberösterrcichischen Adookatenkammer im Hinblicke ans die Staatsgrundgesetze und die Advokatenordnnng nicht für kompetent erachtet, hierüber eine Verfügung zu treffen." -r= Großwardeill, August. Die hiesige israe-!irische Knllusgemeinde entsendete eine Deputation zur Begrüßung des neu inftalliiten Bischofs. Auf die Ansprache derselben erwiderte Seine Eminenz Herr Bischof Schlauch, daß das Hanptmerkiual seiner Kirche die Liebe sei. Man erkenne.den guten Katholiken an der Liebe, welche er gegen Jedermann, auch den, ber nicht seines Glaubens, bethätige. Deshalb habe er, der Bischof, auch keine Gemeinschaft mit jener Strömung, welche diesen Gedanken der Liebe gegen die Juden verleugne. Er werde sieh bemühen, die Liebe und Nechtsachtung in seiner Diözese zu pflegen, wie er auch überzeugt sei, daß die jüdischen Mitbürger sich der gleichen Gesinnung gegen seine Gläubigen defleißigen werden. — Ein solcher Ausspruch ans dem Munde eines hohen Kirchenfürstcu ist in der Gegenwart doppelt beachtenswert!) nnd um so anerkennnngswürdiger, als nicht alle Diener der Ncligivn von der gleichen Gesinnung erfüllt sind. — Gestatten Sie mir auch ein Wort über unsere Volksschule. Dieselbe hat sich die hohe Ausgabe gestellt, gründliehes jütisches Wissen mit allgemeiner Bildung zu pflegen. Die jüngst abgelegte Prüfung legte ein sprechendes Zengniß dafür ab, daß sie diesem Ziele weiter znstrebt. Der königliehe Schnliuspeltor sprach sieh sehr lobend über Leistung und Gesinnung der Schüler ans. Unserm Herrn Oberrabbiner Fuchs gebührt die Anerkennung, daß er es verstanden, diese segensvolle Anstalt zu solcher Blüthc zu bringen. England. $§* London, 25. August. Israel Lipskl hat, nachdem sein Begnadigungsgesuch abgelehnt worden war, ein umfassendes Geslündniß abgelegt und .ist am Montage hingerichtet worden. Er ist der zwecke Jude, welcher seit Menschengedenken in England das. Blutgcrii!! bestieg. Möge er der letzte bleiben. Rußland. Warschau. Der von Seiten des Unterrichtsministers ergangene Befehl hinsichtlich der Beschränkung der in den Gymnasien, Piogymnasien und Realschulen zuznlassenden jüdischen Schüler geht dahin: An den Wohnorten derselben dürfen nur 10 Prozent, an anderen Orten nur 5 Prozent, in Moskau nnd Petersburg 3 Prozent der gesammlen Schülerzahl Inden sein. Da nun nicht an allen Orlen diese höheren Lehranstalten vorhanden sind, so wird der Satz von 10 Prozent in den Hcimathsstädtcn durch die Ansivärtigcn ebenfalls illusorisch gemacht. Wie dieser Befehl übrigens ausgesnhrt werden soll, ist schwer ersichtlich. Thatsächlich giebt es solche Schulen, die von einem sehr hohen Prozentsatz jüdischer Schüler frcqiicntirt werden. Da dürften also gar keine jüdischen Schüler ausgenommen werden. Jedenfalls ist die Versagung von Wissen'ein sehr bezeichnender Akt. Wie man aber die heftigsten Vorwürfe erheben ntag, daß die Jtiden sich