Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 20 (1887)
- Issue
- Heft 34 (25.8.1887)
- Article
- Rußland : Kowno [Nachricht]
- Date
- 1887-08-25
- Page
- 542 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
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542 das nackte Leben gerettet haben. Das Elend ist un-- beschreiblich. ~ Chotirr (Beßarabien) Es verlautet, daß in Jedinzi am 3. August ein Iudenkrawall in Szene gesetzt worden ist. Die Häuser der Juden wurden bemolirt, deren Insassen mißhandelt und daö Besitzthlim der Juden thcilS zerstört, thcilS geraubt. ES sollen auch mehrere Juden ermordet sein. Die Be- Hörde schritt energisch ein.. Rumänien. ... X. Bukarest, l 7. August. Der Redakteur des ״Hajocz", Herr Michel Asiel, welcher vor 16 Monaten aus Rumänien auSgewicsen worden war, sah sich durch verschiedene Verhältnisse veranlaßt, von feinem Aufenthal!Sorte R ustschnck hierher zurnckzukehren. Er wurde bei seiner Ankunft verhaftet, jedoch auf den! Polizeiamte sehr freundlich behandelt und unter Bewachung in das Ministerium des Innern geführt. Der Herr Minister bezeigte ihm großes Wohlwollen und unterhielt sich mit ihm eingehend über die jüdischen Verhältnisse. Darauf entließ er ihn und verfügte die Aufhebung des ihn betroffenen AuSweisungsdckrcls. EE Jassy, August. In den Monaten April, Mai, Juni und Juli sind von hier etwa 200 jüdische Seelen nach Amerika auSgewandert. Amerika.!1. Newyork. Ich bcsinde mich in der angenehmen Lage, einmal Herrn Wise in Cincinnati beipstichtcn zu können. Er bespricht in der jüngsten stummer seines ״American Jsraclite" vom-5. August den Unterschied zwischen Orthodoxie und Reform und weist die Ansicht, als ob derselbe in der Anerkennung oder Leugnung der Göttlichkeit der mündlichen Lehre bestände, zurück. Um dieses zu erhärten, weist er auf Gratz, Zacharias Frankel und Andere hin, die an der bekannten Asfaire in Angelegenheit des Franke!'schon ״Darche Hamischna" mit Frankel gegen Samson Raphael Hirsch den göttlichen Ursprung der mnndlichen Uebcrlicferung verneinen und deren allmälige Entstehung und Entwickelung von Elra ab annchmen. Ich sagte, daß ich mit Herrn Wise nbercmsiimmc, darin nämlich, daß diese Herren die Göttlichkeit der mündlichen Lehre leugnen. Herr Wise irrt sich nur, daß er diese Männer für orthodox, d. i. für recht-׳ gläubige Juden hält. Der unmittelbar göttliche Ursprnng der N2 תורד. שבעל ist ein Fundamentaljatz deZ JudenthumS; wer ihn leugnet, verleugnet das Jndenthnm. ES unterliegt deshalb auch keinem Zweifel, daß viele der hierzulande als ״orthodox" geltenden Rabbiner keineswegs ein Recht haben, sich also zu nennen. Es herrscht zwischen diesen Orthodoxen und Herrn Wise nur eine Grad-, keineswegs aber eine Art- Verschiedenheit. Es wäre sehr zu wünschen, daß diese Wahrheit bei uns in weiteren Kreisen erkannt werde als es leider der Fall ist. Viele unserer sich als orthodox oder konservativ gerirenden Rabbiner sind von der wahren Orthodoxie entfernter als von der Reform. Marokko. * Der Sultan hat kürzlich den Israeliten zwei Beweise seines Wohlwollens gegeben. Der ״All. isr. unio." wird berichtet: Er hat der jüdischen Gemeinde von Marokko die Rückzahlung der Summe erlassen, die sie von der marokkanischen Regierung geliehen, infolge der im Jahre 1879 herrschenden Hnngersnoth; auch ließ er auf eigene Kosten der jüdischen Gemeinde von Demuat einen neuen Mcllah errichten, entfernter von! arabischen Stadtviertel, wie bisher, um sie vor deren Angriffen zu schützen, und auch größer. Aufruf.!ב״ה בין המצרים ישוגנו פדות ורוחה Kowno, 1. Menachem י Aw 5647. Entsetzliche UnglückSsälle haben tut Laufe dieses Sommers Rußland heimgesucht. Ungeheure Feuersbrünste, welche in solchem Umfange und in solcher Hänfigkcit unerhört sind, reihen sich an' einander. Die Hand GolteS hat uns schwer getroffen; das Unglück nimmt zu; Gott erbarme sich unser! Kaum ist die schreckliche FeuerSbrnnst in der alten Stadt Kldli'.:, die zum größten Theit mit aller Habe ein Raub der Flammen geworden, zu unserer Kunde gelangt, noch ist man mir der Sammlung von Spenden zur Linderung des Elends der von diesem Unglück schwer Getroffenen beschäftigt, so ereilt uns die Nachricht. daß auch ein großer Theil der Stadt Scharednik mit ihren Gotteshäusern nicdergebrannt ist. Wir haben uns noch nicht zu fassen vermocht ob des Entsetzens, so trifft.eine neue Schreckensbotschaft ein. Die Stadt Zcikischak ist gänzlich durch Feuer zerstört. Alle Habe, alles Gut, Synagoge und Lehr- Häuser sind hier vernichtet, — nichts ist übrig geblieben. Nur zwei Häuser stehen noch. Die gcsammte Stadtbcvölkerung lagert auf dem freien Felde und ermangelt jeglichen Schirms und Schutzes gegen Regen und Sturm. Und während das Mitleid geschäftig ist, diesen