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Jeschurun · 1887-08-25 · Heft 34 (25.8.1887) · p. 541

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 34 (25.8.1887)
Article
Österreich-Ungarn : Defeeser (Ungarn) [Nachricht]
Date
1887-08-25
Page
541 (sequence 1)
Language
German
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ohne Weiteres verlassen sollte, um hier in der Haupt- '׳ stadt als einfacher Privatmann thätig zu sein. Unseres! Dafürhaltens wäre der ganze Plan nur in folgender! Weise zu erreichen. Sämmtlichc Rabbiner des Landes j müßten dahin wirken, daß die autonome orthodoxe : Gemeinde zu Budapest Herrn Kutna zu ihrem Oberrabbiner wähle. Gelingt dieses, dann würde Herr Rabbiner Kutna sich gewiß gerne dazu herbeilassen, im Interesse der gcsammten orthodoxen Iudcnhcit, die ihm so viel Vertrauen cntgegenbringt, auch die Oberleitung der orthodoxen Kanzlei zu übernehmen. ES würde damit auch ein sehr bedauerliches Üebel zum Schwinden gelangen. Wir meinen nämlich die bereits seit Jahren bestehende Anfeindung zwischen der Vndapester orthodoxen Gemeinde und der orthodoxen Kanzlei. Ob die Wahl des Herrn Rabbiner Kutna in Pest durchzusetzrn sei? Wir glauben, daß ja! Eine starke Partei hat sich bereits schon früher für ihn ausgesprochen. Sind die hervorragenden Rabbiner dc-S Landes wirklich für die Berufung dcS Herrn Rabbiner Kutna an die Spitze der Kanzlei, so mögen sie vor Allem ihre Unterhandlungen mit dem Vorstände der Budapcster autonomen orthodoxen Gemeinde cinlciten. Wir hoffen, daß diese Bemühungen mit göttlicher Hülfe von! besten Erfolge begleitet sein werden." " Dcveeser (Ungarn). Es verdient bemerkt zu werden, daß in dem hiesigen Orte unser GlalibenSgenösse, Herr Joses Steier, wiederum fast cinstiunriig zum Stadtrichter gewählt worden ist. Derselbe fnngirt als solcher schon seit mehreren Jahren. England. London, 19. August. Die allgemeinste Aufmclkfamkeit wird von einem Todcönrthcil in Anspruch genommen, welches gegen einen jungen Glaubensgenossen, Israel LipSki, gefällt worden ist. Derselbe ist angeschuldigt worden, eine HauSgcnossin ermordet zu haben. Die Vergangenheit dcö Mannes ist eine makellose, cs liegt im Grunde genommen nur ein vagcS Indizium gegen ihn vor. Er ward in dem Zimmer der Er-!nordeten unter einem Bette gefunden und giebt an, in den Morgenstunden, während welcher der Mord verübt worden ist — der Ehemann der Ermordeten war bereits in Arbeit gegangen — eine Besorgung bei derselben gemacht zu haben, als die Mörder aus ihn und sic cittdrangcn. Diese Mörder sind aber nicht aufznsinden. Der Anwalt des LipSki hat einen Aufschub von einer Woche erbeten und erhalten, um die Nachforschungen zur Entkräftung des Indizienbeweises fortsctzen zu können. Mau glaubt allgemein an die Schuldlosigkeit des Verurlheiltcn und hofft, daß cs noch in der zwölften Stunde gelingt, dieselbe beweiskräftig festzustellen.-Unter den zahlreichen Adresse^ welche der Königin zu ihrem Jubiläum auS allen Weltthcilcn zngcgangcn sind, verdient das Glückwunsch-- schreiben der Taknmbegarer jüdischen Gemeinde in Ko 1 schin (Indien) besonders erwähnt zu werden. Dieselbe ist kunstvoll und reich auSgestattet. (Nach einer nnS eben zukommcndcn Meldung soll Lipski ein umfassendes Geständniß des von ihm an Frau Mirjam Ampel begangenen Mordes abgelegt haben. Die Redaktion.) Rußland. * Aus Petersburg wird der ״Pos. Ztg." geschrieben: Am 2. August, dem vierten Jahrestage der großen Judenverfolgung in IekaterinoSlaw, wurde den friedlichen jüdischen Einwohnern dieser Stadt wieder ein panischer Schrecken eingejagt. Um 11 Uhr Abends verbreitete sich Plötzlich daS Gerücht, auf den sogenanulen ״Fabriken" seien Unordnungen auSgebrochcn, und die Arbeiter derselben zögen in großen Haufen heran, um eine neue Verfolgung in Szene zu setzen. Mehrere jüdische Kneipen und Buden seien ihnen schon zum Opfer gefallen. Alles eilte, Häuser und Wohnungen nach Möglichkeit zu verrammeln und -Hab und Gut für den Fall der Flucht zu packen. DaS Gerücht schien aus Wahrheit zu beruhen, da Militär zu den Fabriken hiuauSrückte. Zum Glück erwies sich das Gerücht als übertrieben. ES war zwar zu Unordnungen gekommen, doch bestanden dieselben in einer blutigen! Schlägerei zwischen den Arbeitern der verschiedenen! Fabriken untereinander, und cs gelang dem energischen Einschreiten der Polizei, derselben ein baldiges Ende - zu bereiten, so daß das requirtrtc Militär gar nicht in Aktion zu treten brauchte. Gegen 70 Mann wurden verhaftet, Todte sind nicht zu verzeichnen, dagegen viele schwere Verwundungen. — Der ,.Nowoje Sr." zufolge dürfen künftig bei den russischen Militärbehörden keine Inden mehr als Kanzlisten angestellt werden. * Warschau, 18. August. Die Stadt Lukniki im Gouvernement Kowno (halbwegs zwischen Memel und Schawli) ist niedergebrannt. Die Stadt war hauptsächlich von Inden bewohnt; die Noth soll außerordentlich groß sein. Hl Kiew. Hier fand in der Nacht zum 10. August wiederum eine Juden-Razzia statt. Sechsundachtzig Israeliten, welche keinen Erlanbnißschein aufweisen konnten. wurden verhaftet. *׳i* Kvwrro. Eine furchtbare FenerSbrunst hat die Stadt Pilwischet verheert. Die sämmtlichrn Synagogen und Lehrhänser sind ihr zum Opfer gesatten. Die Stadt bietet den entsetzlichen Anblick einrS Trümmerhaufens. Die Bevölkerung, zum großen Theil Inden, ist zu Bettlern geworden, die nicht mehr als

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