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Jeschurun · 1887-08-25 · Heft 34 (25.8.1887) · p. 540

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 34 (25.8.1887)
Article
Deutschland : Schneidemühl (Posen) [Nachricht]
Date
1887-08-25
Page
540 (sequence 2)
Language
German
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540 sich bei der unumgänglich nothwendig gewordenen Regulirung der hiesigen Volksschulciiirichtnngen lediglich darum handelt, eine Einheitlichkeit der Verwaltung durch Umwandlung der Sozietälsschulen in Kommunalschulen hcrzm'tcllcn, als eine den Tharsachen durchaus entsprechen de bezeichnet werden. Die Ansprache, welche der Herr Minister am 9. Juli hierselbst an die stüdrischeu Verwaliaugskörper richtete, war so klar, daß einem Ohrcnzeugen. wie ich cs gewesen bin, ein Zwcisel über die Intentionen deS Herrn Ministers nicht gut am'kommen konnte. Ganz ausdrücklich und rückhaltlos hat der Herr Minister es hervorgchoben, daß cs durchaus in seinen Wünschen liege, den konfessionellen Charakter der Volksschulen auch dann gewahrt zu sehen, wenn in die von ihm geplante neue Ordnung der Dinge eingetreten würde. Wer aus Uickemuniß der reichen praktischen Erfahrung des Herrn Ministers auf allen (Mieten der Schule über seine Stellung zu der Simnltanschn'ifrage noch im Zweifel sein konnte, dem mußten hier alle Bedenken schwinden. Jeder, der ein Her; für die Volksschule, überhaupt ein Interesse an ihrer Entwickelung und Einsicht in die hiesigen oder denselben ähnlichen Schulvcrhällmsse besitzt, kann dem Herrn Minister nur aufrichtig Dank dafür wissen, daß er seine -Hand dazu bietet, die in mehr als einer Beziehnng unerträglich gewordenen Verhältnisse, welche allen betheiligtcn Behörden bereits Anlaß zu unsäglichen und doch bisher gänzlich erfolglosen Arbeiten und Schreibereien gegeben haben, in andere Bahnen zu lenken. Wenn man, um nur dies eine;1! berühren, unter Berücksichtigung der wenig glänzenden Verhältniste der Bürger, in Erwägung zieht, daß die hiesigen Beamten neben ihrer Kommunalstencr und dem hohen Schulgelde, das sic für ihre Kinder zahlen müssen, nicht weniger als 'lßOOO J(. Schulsleucrn aufbringen, und daß sich diese Last noch bedeutend steigern würde, wenn der lange und allseitig anerkannten Uebersüllnug der Volksschulttasi'en, sowie der Ucb-erbürdnng der Volksschullehrer ein Ende gemacht werden soll, — dann kann man unbefangener Weise nur wünschen, daß die bereits cingelcitcten Verhandlungen im §i.nne des Herrn Ministers zu einem baldigen, gedeihlichen Abschluß gesührt werden möchten. Oesterreich- II ugarn. tck. Wie«, 20. August. Wie seiner Zeit gemeldet wurde, haben scchszchn bei der Linzer Advokatenkammer eingetragene Konzipienten — im Ganzen zählt die Kammer 22 Konzipienten in ihrer Liste, von denen drei Juden sind — eine Petition an die Kammer gerichtet, die mit einer antisemitischen Begründung in der Bitte gipfelte: ״Der hochlvbüchc Ausschuß der oberösterreichischen Advokatcnkantmcr geruhe, den in Ober- Österreich domizilirenden Advokaten zu empfehlen, keine jüdischen Adookatskandidatcn zu verwenden." Wie man uns heute aus Lin; telcgraphirt, hat die Advokatenkammcr in ihrer gestrigen Sitzung diese Petition wegen Inkompetenz abgcwiesen. Es ist uns vorläufig jedoch der Wortlaut der Kammereutscheidung noch nicht bekannt. (Oi. Fr. Pr.) *||* Pest, 21. August. Die ״Nene jüdische Pcstcr Zeitung" verösfeutlicht das folgende ihr aus Preßbürg zugcgaugcne beachtcnswerthe Schreiben: ״Auch hier ist man bereits langst im Klaren darüber, daß eine durchgreifende ״Neugestaltung" der orthodoxen Kanzlei unabweisbar uölhig ist. So kann es nicht weitergehen, da zur Förderung der Interessen der orthodoxen Iudenheit absolut nichts geschieht. Bloß betrefss der ״Person" befand mau sich in Verlegenheit, welche mit der Oberleitung der Kauz!ei betraut werden soll. Nun kann ich Ihnen aus ganz sicherer Quelle mittheileu, daß von hier aus in dieser Angelegenheit vertrauliche Verhandlungen im Zuge sind mit mit dem Eisenstädtcr Rabbiner Herrn K ul n a. Es unterliegt keinem Zweifel, daß diese Verhandlungen bald zu einem gedeihlichen Abschlüsse gelangen werden. Herr Kntua wird gleich nach den Feiertagen endgültig nach Pest übcrficbcln und unter dem Titel ״Ehrcn-Landespräsidcnt" die Leitung der Kanzlei in die Hand nehmen. Auch der bisherige Präses, Herr Oe eich, wird nach wie vor seine Thätigkcit der orthodoxen Iudenheit widmen, doch nur unter der Weisung des Herrn Kulna, welcher in letzterer Zeit das unbedingteste Vertrauen aller Nabbincn in hohem Maße sich errungen hat. — Auch der Umstand leitet die allgemeine Aufmerksamkeit auf Herrn Rabbiner Kutna, da cs bekannt ist, daß er auch bisher der intimste Freund und Nathgebcr deS Herrn Reich war. Man hält sich daher überzeugt, daß unter diesen beiden gesinnungstüchtigen Männern kein Neid Platz greifen und Herr 91 cid) sich den Berfngungcn des Herrn Rabbiner Kutna gerne unterordnen werde. Wenn solche zwei Männer mit vercinter Kraft im Interesse der orthodoxen Iudenheit Zusammenwirken, so können wir der Zukunjt, mit göltlidjcv Hülfe, ganz beruhigten Herzens cntgegcnsehcn. Es wäre sehr wüuschcnswcrth, wenn diese höd)st glückliche Kombination alsbald zur Ausführung käme." — Die Redaktion der ״N. jüd. P. Ztg." fügt die folgende« Bemerkungen hinzu: ״Auch hier ist diese Nachricht verbreitet", doch können wir derselben unmöglich vollen Glauben schenken. Auch wir sind wohl der Meinung, daß Herr Rabbiner Kutna der einzige Mann im Lande ist, dessen Geistesübcrlegcnheit Herr Oie ich willig anerkennen und dessen Weisungen er sich gerne nnterordnen lvürdc. Allein cs will uns nicht cinleuchtcn, daß Herr Kutna seinen Rabbincrpostcn

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