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Jeschurun · 1887-08-25 · Heft 34 (25.8.1887) · p. 539

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 34 (25.8.1887)
Article
Deutschland : Nürnberg [Nachricht]
Date
1887-08-25
Page
539 (sequence 2)
Language
German
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539 er sagte: ״Viele werden noch Siege erfechten, aber die Palme erringt der, welcher die Vorgänge der Natur ans mechanischem Wege durch eine mathematische Formel erklärt. Freilich hat der Baum, ans welchem die Wiege dieses Manrics gewimmert werden wird, noch nicht gekeimt." — Dieser Bortrag gab die äußere Vm anlassnng zu einer etwas lebhaften Auseinandersetzung zwischen Kollmann Basel, einerseits, Ranke, und Birchow andererseits. Kollmann legte Verwahrung ein gegen die Sätze, mit welchen der Generalsekretär seinen Bericht über die wissenschaftlichen Erscheinungen des letzten Jahres abgeschlossen hatte (״So spricht die Wissenschast" :c.); cS besitze Niemand ein Recht, gewissermaßen Namens der Gesellschaft derart vorzngehen. Ranke und Birchow stellten demgegenüber fest, daß jener Satz nur ein Zitat aus dem Werke sei. mit welchem der englische Forscher Turner seine Untersuchnngen über die Skelette des Menschen und des Affen abschlicszt. Birchow nahm gleichzeitig Gelegenheit, seinen Standpunkt bezüglich der Affentheorie dar- ,znlegcn (״obschon cs keineswegs unsere Ausgabe sein kann, hier jedesmal unser Glaubensbekenntnis abznlegcn"); er halte die Ansicht, daß der Mensch vom Affen stannnc, für eine müßige Spekulation, welche die anthropologische Forschung eigentlich gar nichts angehe. Denn diese Forschung habe cs lediglich mit greifbaren Dingen zu thun und nicht mit wenn auch noch so geistreichen Bermuthungcn. Greifbare Anhaltspunkte für die Abstammung des Menschen vom Assen seien aber nirgends vorhanden, 1!11ö nur einer Theorie zu Liebe fortdauernd nach solchen zu suchen, bceinträchtigc die ruhige, unbefangene Arbeit der Wissenschaft. Woher der Mensch gekommen, werde voraussichtlich niemals ermittelt werden. (Boss. Ztg.) * Oderbcrg i. M., 16. August. Am 27. d. M. wird der Veteran Ephraim Polack in dem benachbarten Dorse Lnnow sein l 00. Lebensjahr zurücklegcn. (F.O.Z.) XX Schneidemrihl (Posen). Im neuesten He st der ״Monatlichen Mitiheilittigcn des Vereins zur Er- Haltung der evangelischen Volksschule" lesen wir: Bekanntlich hat der Kultusminister Dr. v. Goßler im Laufe des Monats Juni eine Rundreise durch die Provinzen Posen und Westprcnßen gemacht, um sich über den Stand des deutschen Schulwesens in den polnischen Distrikten pcrsötilich zu unterrichten. Die ״Preußische Schulzcitung" berichtet ausführlicher über den Ansenthalt dcS Ministers in Schncidernühl. Bei dieser Gelegenheit theilt sie denn auch mit, daß der Herr Minister auf dem Nathhause vor bcm versammelten Magistrat, dem Stadtverordneten-Kollegium und den Mitgliedern des evangelischen, des katholischen und des jüdischen Schulvorstandes eine Ansprache gehalten, in der er hervorgehobcn, daß cS sein sehnlicher Wunsch sei, die Konfessionsschulen in der Provinz Posen in Konnmalschulen umgcwandclt zu sehen, wie dies schon in einigen Provinzen mit bestem Erfolg geschehen sei. Die ״Preußische Schulzeitnng" bemerkt hierzu: ״Wir können uns über den Wunsch dcS Herrn Ministers nur freuen; aber wie ist damit die in letzter Zeit erfolgte Neueinrichtung von Konfessionsschulen in Einklang zu bringen?" — Auch andere pädagogische Blätter, z. B. die ״Preußische Lchrerzeitung", haben dieselbe Nachricht gebracht, und cs ist zum Thcil dabei noch bestimmter ausgesprochen, der Minister habe die Um- Wandelung der Konfcssionsschulen in Simnltanschnlen für wünschenswert!) erklärt. — Natürlich wird die Nachricht nur auf einen Irrthum hinauslaufen. Nach dem ganzen bisherigen Verhalten des Ministers muß man annehmcn, daß derselbe nur die Umwandlung der SozictäLSschnlen in Kommunalschulen, unbeschadet des konfessionellen Charakters der Schulanstalten, für wüuschcnSwerth bezeichnet hat. ES soll eben lediglich die Schnlnntcrhaltnngspflicht den nach dem ״Allgemeinen Landrecht bestehenden (konfessionellen) Schulgemeinden oder Schnlsozietäten abgenommcn und ans die Kommnnen, d. h. ans die bürgerlichen Gemeinden, übertragen werden. Daß freilich dabei auch mancherlei sonstige Wandelungen, z. B. hinsichtlich der lokalen Schulaufsicht, im Gefolge sind, versteht sich von selbst. Die Umwandclung der Konfessionsschule« in Simultanschulen aber ist damit keineswegs nothwendig verbunden. Selbst in dieser, ungleich unbedenklicheren Gestalt entspricht mm freilich der Wunsch des Ministers unseren Wünschen nicht. Sind die Schulen erst Kommunalschulen, jo ist die Gefahr, daß sie zu gegebener Zeit in Simultanschulen verwandelt werden, nur um so größer. (Neuerdings wird aus Schneidemnhl in verschiedcnen Zeitungen berichtet: Nach einem bei dem Magistrat von Schneidern ühl eingcgangcnen Erlasse dcS Kultusministeriums sind die dortigen Volksschulen, welche noch Sozietätsschnleu sind, in Kommunalschnlen umzuwandeln. Seitens des Kultusministers wird ein jährlicher Zuschuß von 12000 Mark einschließlich der bercitS der katholischen Schulgemeinde alljährlich bewilligten Bcihülfe von 4280 Mark in Aussicht gestellt; die baulicheu Veränderungen sind ans den KommunalEtat zu zn nehmen.) Zn dem Vorstehenden bringt die ״N. Pr. Zig." das folgende ״Eingesandt". Der in der gestrigen Nummer Ihrer werthgcschützten Zeitung enthaltene (den ״Monatlichen Mittheilungen des Vereins zur Erholtnng der evangelischen Volksschule" entnommene D. Red.) Artikel über hiesige Schulverhältnisse giebt einem den besprochenen Dingen nicht fern Stehenden Anlaß zu nachfolgenden Bemerkungen: Zunächst muß die in dem genannten Artikel ausgesprochene Vcrmuthuug, daß es

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