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Jeschurun · 1887-08-25 · Heft 34 (25.8.1887) · p. 534

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 34 (25.8.1887)
Article
Einige Reminiscenzen in Sachen des Wuchers
Date
1887-08-25
Page
534 (sequence 2)
Language
German
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534 denen diese Entschuldigung fehlt, treiben ärgere Falschheit und wollen unschuldig sein. ״Ein Wolf vil joernerlichen sprach n>3 sol ich nu beNden (bleib««)? s.L ich dur minrs liebes nar inuoz wesen in der ahte; darzu so bin ich geborn, di scholl dinn' ist nihl min. Dil manil man hat guot gemach (ist unbehelligt) den man siht valschheit tribcn «nt guot gewinnen offenbar mit sündeklichcr trahte der tuot wirser (schlechter) vil, dan ob ich uoem ein gensclin. der valsch in stver wise (ist) schcdelicher viel, dan ich, und wil uuschuldil sin." Vgl. Von der Hagen, Minnesänger II., 258. Dennoch fehlt es nicht auch im Mittelalter an Beispielen kriegerischen MuthcS bei den Juden. Bei einer Belagerung von Worms im l 3. Jahrhundert fochten die Juden sogar am Sabbath unter Erlaubnis der Rabbiner in der Reihe der Bürger tapfer mit (Assufot S. 156 b); in Köln findet sich unter den gegen das bischöfliche Regiment empörten Bürgern (1276), nach der diese Empörung behandelnde Neimchrouik von Gottfried Hagen: .,Der Jude her Daniel ein tone (firne) burger und snel", daß der Bischof sogar sich nicht enthalten kann, nachdem er ihn gefangen, den Seinen als Muster vovznstellen (Seiffert in der Zeiischrisl für deutsche Kulturgcschichtc von Müller und Falke!857, S. 52! ff.) und wenn erzählt wird, daß in dem Heercszugc Adolfs von Nassau nach Frankreich sich 30 000 Juden befunden hätten, welche er ״zuerst den feindlichen Angriffen anszusetzen gedachte", (daselbst.) so ist zwar die Anzahl jedenfalls übertrieben, aber die Erzählung beweist, wessen man sich von dem Mn!he der Inden versah. Ich resmnire: Der jüdische Wucher im Mittelalter ist zu beklagen, aber nicht anzuklagcn. Mußte doch noch im Jahre )763 der bekannte Theologe Ritter Johann D. Michaelis zugestchen, ״daß der Wnchcrgcist der nnbcschnittcncn Juden den der Beschnittenen bei Weitem übcrtrcfse." (Göttinger Anzeigen v. I.!783, S. 1655.) §\M MS kr GeMlMt. Von Friedrich RotL. - (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Dann wand er die Niemcu um Stirn und Arm und begann das Morgcngebet, in tiefer Andacht sprach er eS und überhörte das Pfeifen, das sehr bald wieder ertönte, denn der Zug hielt abermals an einer Station. Er hatte die Vorhänge über das Fenster gezogen, bei dem er saß, um wo möglich durch nichts int Gebet gestört z» werden. An der entgegengesetzten Seite ward die Thür geöffnet, ein Herr stieg ein, gleich darauf rollte der Zug weiter. Mit sichtlicher Verwunderung blickte der Zuletzlgckoininene auf seinen Reisegefährten, der von ihm nicht die geringste Notiz zu nehmen schien, unablässig in sein Gebetbuch blickte und die Lippen flüsternd bewegte. Als Adolf das Gebet beendet, schloß er das Buch und drückte es ehrfurchtsvoll an seine Lippen, dann nahm er in möglichst nnaussälliger Weise die Riemen von Haupt und Arm, rollte sie zusammen und barg sie wieder in dem kleinen Koffer, den er wieder hinauf in das Netz hob. ״Guten Morgen, mein lieber junger Freund!" Ucbcrrai'cht wandte Adolf sich um und erblickte in der entgegengesetzten Ecke des KoupeeS den zuletzt cingcsliegcnen Herrn, der ihm freundlich znuickte. ״Guten Morgen," erwiderte er. ״Sic scheinen überrascht, daß ein Fremder eS sich erlaubt, Sie als Freund anznredeu. Bitte jedoch zu bedenken, daß alle Jjraeliten Brüder sind, daß ein Jude daher wohl berechtigt ist, den andern, wenn er einen Gleichgesinnten in ihm erkannt hat, als Freund zu betrachten. Was Sie jetzt eben gethan haben, habe ich auch gethan. Dabei ist allerdings nichts Besonderes, sowohl Sic als ich, wir haben damit nur unsere Pflicht erfüllt. Aber in der heutigen Zeit, wo die Leichtfertigkeit in religiöser Beziehung so!naßlos über- Hand genommen, ist es eine seltene und darum doppelt erfreuliche Erscheinung, einen jungen Mann 511 treffen, der selbst unterwegs zur rechten Zeit seiner Pflicht entspricht." Es culspain sich eine lebhafte Unterhaltung zwischen den beiden Reisenden, bald hatte der Aeltere dem Jüngern seine ganze LebcnSgeschichte entlockt, und mit unverhohlenem Interesse hatte er namentlich der Schil- > dcrung der Erlebnisse der letzten Wochen gelauscht. ״Und was haben Sie jetzt vor?" fragte er, als Adolf erzählt hatte, daß er seinen Posten bei Herzfeld anfgegeden. ״Ich fahre nach W...hoffe, daß es intr dort gelingen wird, eine Stelle zu finden." ״Ich fahre ebenfalls nachW....," entgegnete der Andere, ״halte mich dort jedoch nur einen Tag auf und darin fahre ich nach Hanse, das heißt nach O...., wo ich mein Geschäft habe." Adolf drückte seine Freude aus, daß er mit seinem neuen Bekannten bis am Ziel seiner Reise zusammen bleiben werde. Der ältere Herr aber bemerkte: ״In anderthalb Stunden werden wir hoffentlich dort sein."

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