Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 20 (1887)
- Issue
- Heft 34 (25.8.1887)
- Article
- Pirqe avot
- Date
- 1887-08-25
- Page
- 533 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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533 Der vorangehende Satz hat von dem Glück und der Ehre gesprochen, die durch die Beschäftigung mit der תורת gewonnen werden. Dieser Satz tritt berichtigend hinzu, daß du nicht meinen mögest, cS sei äußeres Glück und äußere Ehre, die auf dem Wege der תורה zu erwarten wären, vielmehr ist das die Kraft der תורה, daß sie ihre ächten Jünger äußeres Glück und äußere Ehre mit heiterm Gleichmuth zu entbehren gewöhnc und sie in ihrem Umgänge ein Glück und eine Seligkeit finden und genießen lasse, welche — mitten in allen äußeren Entbehrungen — das hieuied ige Sein zu einem Born der reinsten Freuden gestalten und die Zuversicht in die Seligkeit des künftigen Lebens gewähren. ')5. Suche keine Größe für dich und strebe nicht nach Ehre, mehr als du lernst, thue und sehne dich nicht nach fürstlichen Tischen, denn dein Tisch ist größer als der ihrige und dein Krone größer als ihre Krone und treu ist deine Meister, dir den Lohn deines Wirkens zu zahlen. Suche keine Anerkennung für dich, wohl aber für die heilige Sache, in deren Dienst du lebst und strebst. Sei nicht lüstern, wenn Andern Ehre gezollt wird und du unbeachtet bleibst. Gehe nicht auf ein blos theoretisches Lernen, sondern mehr als du lernst schaffe und wirke, dann ist dein ״Tisch" — das, was das Leben dir bietet und womit du dich für den Dienst deines Pflichtlebens rüstest — reicher als fürstliche Tafel und die Bedeutung deines LcrueuS und Wirkens reicher an Einfluß und Würde als fürstliche Herrschaft, und der Meister, in dessen Dienst du lernst und wirkst, läßt dich den Lohn deiner selbstlosen Treue finden. (Fortsetzung folgt.) Einige Hf11nni!jrf!1p in Scheu des Wnlykls. (Schluß.) ״ES ist ja stehende Gewohnheit der Machthaber, klagt ein jüdischer Schriflstettcr des!3. Jahrhunderts, daß sie von dem Juden zehn Mal so viel verlangen, als er besitzt, um ihn zu schrecken und;11 ängstigen, damit er sich mit der Auslösung beeile. (M. Notheab, G. A. Crem, Nr. 305.)" Sic tödtcn die Juden lieber — sagt ein Anderer aus derselbe« Zeit — eher, als daß sie sic umsonst freigeben. (Chairn 01*. sar. 6. A. 7G.) Als mau einmal mit der Auslösung eines Juden zu lauge gesäumt <, אל1 תבקש גד^ה ליעצבך ואד החמיר ככור• מת־ מלמודך עשה• ואלי ההא.־ ה רשדיהנב שד מיבים• שש^חנך גדול1 מש^הנם■ וכתרך גרוד מכתים• ונאמן הוא כעל* כלאכהך שיש דים רך שבר סע^הך• hatte, sagte der ״Herr", der ihn gefangen gehalten: ״er ist gestorben und ich habe befohlen, den Leichnam den Hunden vorzuwcrfcn." Die Juden mußten also nach Gelde trachten, um nur ihr Leben und ihre Freiheit zu schützen. Dazu kamen noch andere Anlässe. Bischöfe nahmen sich ihre Juden mit, wenn sie zu Hofe zogen, um sic für Geldbedürfnisse immer zur Hand zu haben, wenn cS aber zur Bezahlung kam, machten sic nicht selten Schwierig--׳ feiten, leugneten das Darlehen ab. oder weigerten sich, eö zurückzuerstatten. (0. A. Chain!, 01*. sar. 253.) Der den Juden so gehässige österreichische Dichter Seifried Helbing (13. Jahrh.) kann dennoch nicht umhin, eiuzugestehcn, daß mancher Jude, der öffentlich wuchert, es nicht so schlimm treibe wie die Christen, die ihren Wucher zu verhüllen wüßten. ״c׳S noeme der Jude Smoyel den gewinn wol vür vot, der öffentlich gesuochet (wuchert) wol." Er rät!) deshalb: ״her fiiiifc, h<־i;t üf sliezen, ir silbers vole listen die ab ir eben tristen gevüllet find mit geSnoch (wacher)." - (Haupt-Zeitschrift für deutsches Altcrthum IV, VIII, 982 ff.) Wer bei GricShaber, deutsche Predigten dcS 13. Jahrhunderts, die Klagen über christliche Wucherer liest, der wird über den jüdischen Wucher klares Urtheil gewinnen. Als der h. Bernhard von Clairvaux im Jahre 1146 während des zweiten KreuzzugeS von der Verfolguug der Juden abmahnte, wies er darauf hin, daß die christlichen Wucherer, die man eigentlich gar nicht Christen neunen könne, cs noch schlimmer trieben als die Juden. (Peius judai/.are doiemus Christianos facneratorcs, si tarnen Christianos, et non magis baptizatos Judaeos convenit appellare.) Bergt. Hahn, Geschichte der Ketzer, III, S.!6. Neumann, Geschichte dcS Wuchers, S. 292 ss. Dasselbe erklärten auch die Barone wiederholt. Deppiug Hist, des Juifs, pag. 124. Die jüdischen Wucherer unterschieden sich von ihren christlichen Geschäftsgenosseil du uh Massigkeit und Sparsamkeit. Bon seinen NcligionSgcnosscn klagt der h. Bernhard: .,Bis der Mann das Schwert vertrinkt, hat die Frau den Schleier vom Haupte vertrunken." (Vgl. auch Gricöhabcr, a. a. 0. II., S. 69 und I, S. 70.) Selbst der jüdische Minnesänger Suezkind von Trimberg (um!216), wagt eS offen auszusprechen: ״Dabi so nacm mich maniger gerade den gesuoch (Wucher׳ ziuS) da; lieze er niht dar Gol, noch dur der Nute vluoch, wan da; er hat des houbetguotchS (Kapitales) alze wazen." Derselbe Gedanke äußert sich an einem zweiten Gedicht. Der Wolf entschuldigt sich, daß ihn die Natur auf den Raub angewiesen hat; die Anderen hingegen.