Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1887-08-18 · Heft 33 (18.8.1887) · p. 526

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 33 (18.8.1887)
Article
Rußland : Minsk [Nachricht]
Date
1887-08-18
Page
526 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
correspondence
OCR quality
89% known words query
IRI
…/2932754-2932755-2932788--25797-2936340
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

* Minsk. Der ״Hazefirah" wird von hier als ein leuchtendes und zur Nachahmung anregendes Beispiel seltener Hochherzigkeit berichtet, daß ein Privatmann, Herr Moseö Chain! Broda, die große Talmud- Thora-Armenschule ans seine eigene Kosten unterhält. Diese Schule zählt mehr als 600 Schüler. §chtobiu. (Gouvernement Suwalki.) Auch von hier wird von zwei Feucrsdrünstcn berichtet, durch welche etwa siebzig Familien gänzlich sverarmt sind: mehrere Synagogen sind nicdcrgcbrannt. * Das ״Ausland" bringt eine ״Skizze von Ssnchnm und Umgegend", welcher das Folgende ent-!chnt ist. Der Verfasser schreibt von der dortigen Bevölkerung: Immer wieder sah ich mir die Physiognomien der hier passirendcn Mingrclier, Grusinier, Georgier rc. an, und immer mehr wurde ich der Uebcrzcngnng. daß in ihnen mehr semitische als arische Züge sind — im Ansatz der Nase nän!lich — und daß der Namen ״kaukasische Nasse" ein ziemlich unhaltbarer ist. (Siehe auch Penka, ׳!0״igiue8 ariacae" 1883, S. 4. Ebenso aber sagt Nadde von den Swanen: .,Es spricht entschieden die Gesichts- und Kopsbildnng der jetzigen Swanen dafür, daß sic ein Mischvol! sind; dazn kommt ferner, daß sie selbst die Bewohner ihres tiefstgelcgcnen Dorfes, Lachamnli, für Inden erklären. In der Physiognomie manchen Bewohners von Lachamnli erkannte ich den Juden zur Evidenz. Es sind die Gebräuche der nahe wohnenden Swanen diesen Lachamnlcn gegcnüber so verschieden und von Alters her überko,nmen, daß sie sich nur als festgewurzelte Ucberticfcrnngcn, welchen die Wahrheit der jüdischen Abstammung jener Bewohner zu Grunde liegen muß, erklären lassen.") Der ganze Schnitt des Gesichtes ist auch ein viel gedehntercr, als man es in dieser zu finden gewohnt ist. Das Exemplar z. B., das Schneider zn seinem ״Typen- Atlas" gesessen, der Gurier, wer wird den nicht zunächst als Hebräer bezeichnen? Und weisen uuS doch die Hebräer selbst hin (״Hebräer im Kaukasus״), daß sie hier im Gebirge eine Parzelle ihres Stammes abgelagert, wo dann diese sich in der kräsligcnden GebirgSluft zu einem kräftigen, stämmigen, gesunden Menschenschläge entwickelte. All die Namen ״Gnricn", ״Kura", ״Jberien" weisen — wenn es so richtig ist — auf hebräische Herkunft hin. In Grnsien heißt cS nämlich, daß die Hebräer — I'Brim —- in das Land Jberien (nach ihnen Jberim genannt?) von den Ufern des Gur übersiedcttcn. Der Gur aber ist den mohammcdanischcn Schriftstellern der Jordan, ein Name, der leicht in die Gura, Kura der Jbericr, übcrgcgangcn sein kann, da die Völker die Namen der lieben Flüsse, an denen sic ihre HcimarhSgauen gehabt, wie bekannt, gern mit hinüber genommen in die neue Heimath, vollends wenn diese Namen nur ״Fluß", ״Wasser" bedeutet haben, und somit jeder neue Fluß ihnen natürlicherweise auch nur der ״Fluß" war. Ist doch auch türkisch tatarisch und möglicherweise auch hebräisch Zu! — Wasser. Fluß, und I und r sind gar zu nah verwandte und oft sich ergänzende Laute. Den Grusinicrn heißen die Hebräer ״Ima", was ebenso auf Abrahams Geburtsort deutet, wie jenes I'Brim auf Abraham selbst. Ebenso heißt es in der Bibel, daß Salmanassar den gefangenen Israeliten die Ufer des Ghosan und die Städte McdicnS angewiesen habe, und — die alten Schriftsteller sahen im Ghosan den Pontus Euxinus, ja Chopin will in diesem Namen wörtlich ״schwarzes Wasser", das Schwarze Meer, finden. Ein Beleg mehr für unsere obige Aufstellung. Authentisch ist es, daß das Bestehen jüdischer." Gemeinden in den jetzigen russischen Gebieten (Südrußland, Krim und den Ufern des Schwarzen Meeres) hinausreicht bis in das erste christliche Jahrhundert; solches beweisen griechische Inschriften in Olbia, Kertsch und Anapa. (Stephani: ״Parcrga arehaiolagica“. ״Bull, de I’Academie Imp. de St. Petersbourg. Tom. 1. Nr. 5. — P. v. Köppcn: ״Chronologisches Register der Materialien zur Geschichte der Frcmdvölker des curopäischen Rußland", 186! sin russischer Sprache).) Türkei. XX Koustautiuopel. Der Sultan hat an den Chacham Basch! ein huldvolles Dankschreiben in Anlaß der Beglückwünschung gerichtet, welche NanienS der Inden der Rabbiner den! Sultan zn dessen GebnrtStag dargcbracht hat. DaS Schreiben schließt mit den herzlichen Worten: ״Möge cs Gott Wohlgefallen, daß Ihr noch viele Jahre mich beglückwünschen könnt." Amerika. U. Newyork, 6. August. Die Aufforderung, welche von hier aus an die amerikanischen Gemeinden ergangen ist, um die vor vier Jahrhunderten ersolgte Entdeckung Amerikas in Verbindung mit der zn gleicher Zeit slattgehabte!׳. Vertreibung der Jude!! ans Spanien in einer würdigen allgemeinen Gedächtmßfcier zn begehen, hat attseitigcu Anllang gefunden. Es scheint, daß die ganze amerikanische Jndenheit diesen Tag festlich anszcichncn wird. — In Brooklyn starb vcrgangcne Woche Harris Hirsch, ein Greis von 109 Jahren. Derselbe stammte aus Polen und kan! vor 37 Jahren nach Amerika, wo er es zu einen! ansehnlichen Vermögen brachte. Er hatte zwanzig Geschwister und! hinterläßt eine 99 jährige Wittwe nebst zahlreicher Nach-! kominenschaft bis ins vierte Geschlecht. | Der heutigen Ausgabe liegt als Beilage | der ״Exporteur" an.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.