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Jeschurun · 1887-08-18 · Heft 33 (18.8.1887) · p. 523

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 33 (18.8.1887)
Article
Deutschland : Breslau [Nachricht]
Date
1887-08-18
Page
523 (sequence 2)
Language
German
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523 Unterrichtssprache und französischem Lehrstoff für die Republik Frankreich Propaganda gemacht zu haben. Mit Hülfe der ״Alliance israLlitc universelle" in Paris verfügt eine jede französische Negierung in den Vogesenländern auch ans deutscher Seite über eine Kliquc dienstbeflissener und landeskundiger Agenten, welche sich bisher allem Anschein nach der öffentlichen wie der polizeilichen Beobachtung zu entziehen wußten." Ist eö nicht eine Perfide sonder Gleichen den französischen Inden ihren französischen Patriotismus als Juden vorzuwerfen? Wir Deutschen, und auch wir deutschen Inden, mögen die französischen Revanchegelüsle und den französischen Chauvinismus pcrhorreszircn, aber dm Juden als solchen daraus einen besonderen Vorwurf zu machen, ist ebenso närrisch, wie den Katholiken und Protestanten Frankreichs als Kathokiken und Protestanten ihren oft in ungeziemender Weise sich äußernden Patriotismus vorzu« halten, um dann offen oder versteckt die Katholiken und Protestanten überhaupt dcS Den!scheuHasses zu beschuldigen. Und nun gar die Verdächtigung der,.Alliance israülite universelle"! Dieselbe verfolgt notorisch und allgemein bekannt keinerlei politische Ziele. Sic hat außer internen Zwecken, wie die Errichtung und Subventionirnng von Schulen im Orient, lediglich sich die einzige Aufgabe gesteckt, sich der unglücklichen Glaubensgenossen in denjem'gcn barbarischen Ländern anznnchincn, wo sic mißhandelt werden. Hierzu steuern Juden anS allen Ländern bei. Wer die Vertreter der .,Alliance" zu politischen Agenten stempeln will, macht sich einer Verleumdung schuldig. Wir können den Antisemiten nur zurnfcn: Haßt ihr uns, verfolgt ihr uns, nun wohl, seid aber wenigstens ehrlich! Daß die Inden in allen Ländern treu zu Negierung und Volk stehen, daß sic überall wackere Patrioten sind, das schlägt eben alle Vcrdächtigungen nieder, als ob die Juden dem Ba.tcrlandc und Fürsten nicht ein volles LrcucS VatcrlandSgcsühl cntgcgcnbringcn. Die Juden sind überall, und in Deutschland nicht an! wenigsten, ehr licht, aufrichtige Patrioten, die keiner Neligions- oder Volksgenossenschüft an Bürgertugend uachstehm. M. föftht, 14. August. DaS hiesige jüdische Lehrerseminar war bei den jetzt beendeten Prüfungen an staatlichen Seminarien mit 10 Examinanden bethciligt, von welchen 9 ״gut" bestanden. Es ist dieses ein sehr.crfrrulichcs Resultat, welches der Anstalt gewiß zur Ehre gereicht. -0- München, 12. August. Am IG. September d. I. wird die neue Orgel-Synagoge eingcweiht werden. Daß von Seiten der hier doch noch vorhandenen Ortho׳ doxen gar nichts geschieht, um gegen die Einführung einer Orgel auch in der zweiten Synagoge zu protcstirer?, ist sehr bedauerlich. Es verlautet übrigens, daß die alre Orgel-Synagoge verkauft werden soll. Oesterreich-Ungarn. *** Prag. Dieser Tage langte die behördliche Bewilligung zur Errichtung eines Friedhofs auf den von der israelitischen Beerdigungs-Brüderschaft angekauften Gründen nächst -em chic Stunde von Prag gelegenen Orte Slraschnitz herab. Die Konzession erfolgte unter Feststellung mehrerer sanitatSpolizeilichcr Bedingungen und zwar, daß jede Leiche ein selbstständiges Grab erhalten müsse, dessen Dimension genau vorgeschrieben wurde. Die ortspolizeiliche Aussicht über den neuen Friedhof wurde der Stadtgemeinde Zizkow übertragen. Nach Ablauf der Rekursfrist werden die Vorarbeiten zur Adaptierung des Friedhofs eingeleitel. (Israelitische Gemeindezeitung.) England. $§§ London.. 14. August. Die Förderung deS ThorastudiumS sott als eine der wesentlichsten Aufgaben auch in der Gegenwart überall gelten. Das Nebel unserer Zeit wurzelt zumeist in der Unkenntnis dcS JudenthnmS. Die Erkmntniß desselben ist aber nur aus der Quelle zu schöpfen, ans Vibcl und Talmud. ES darf allerdings nicht verkannt werden, daß die Schwierigkeiten, welche in der Gegenwart insbesondere in dm großen Städten und ganz vornehmlich in London, sich der Ermöglichung des ThorastudiumS für weitere Kreise entgegenstellm, nicht gering sind. ES sollte ja jeder Jude täglich sich mit der Lehre beschästigcn. Wie die Verhältnisse sich nun aber einmal gestaltet haben, vermag er solches meistens nur in einigermaßen ersprießlicher Weise, wenn ihm Anregung und Anleitung hierzu geboten ist. Den guten Willen vorausgesetzt, vermögen doch nur die Wenigsten für sich allein zu ״lernen". Ehemals bestanden in den Gemeinden darum Lchrhäuser ״Bothe Midrasch", welche zur allgemeinen Benutzung geöffnet waren. Hier konnte der Geschäftsmann, der Handwerker, der Arbeiter nach vollendetem Tagewerk Unterweisung finden. Er traf dort stets Lehrer, welche leicht faßliche Lehrvorträgc für Jedermann — ich möchte fast sagen unaufhörlich — hielten. Auch hier in London besteht ein Beth-Hainidrasch, aber cs fehlt dort einerseits gerade diese Volksthnmlichkeit, andererseits ist auch London weit zu groß, als daß bie lchrbegierigcn Männer aus ihren von dein Zentrum der Stadt meist sehr entfernten Wohnungen dorthin kommen könnten. ES wird deshalb hier der Gedanke vcntilirt, in den verschiedenen Stadttheilen kleinere Bothe-Midrasch für das Volk cinzurichten. in welchen alltäglich von 6 bis 9 Uhr Abends in populärer Werse Chiunesch mit Naschi, Schnlchan Arnch, Misch na, nach Möglichkeit auch Gcmara, sowie die leichteren religionsphilosophischeu, agadischcn und ethischen Schrif-

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