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Jeschurun · 1887-08-18 · Heft 33 (18.8.1887) · p. 522

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 33 (18.8.1887)
Article
Deutschland : Hannover [Nachricht]
Date
1887-08-18
Page
522 (sequence 2)
Language
German
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522 chen anonynr zugeschickt worden. Dasselbe enthält das ״Neue Testament" in der von der Britischen- und Ausländischen - Bibelgesellschaft veranstalteten Ausgabe. Auf den! ersten weißen Blatte befindet sich Handschriftlich die Mahnung: ״Bitte, lesen Sie die folgenden" Stellen des Alten Testaments, welche namentlich bezeichnet sind und dann mit ״Bitte zu vergleichen" einleitend Hinweise ans verschiedene Stellen des Neuen Testaments. ES ist nicht anznnehmcn, daß der anonyme Absender des naiven Glaubens ist, mit diesen beiden Bitten die Juden zu bekehren, vielmehr dürfte dadurch nur ein Besuch vorbereitet sein, den derselbe demnächst den jüdischen Einwohnern abzustatten gedenkt, uni durch die überzeugende Macht des gesprochenen Worts für die ״Mission unter Israel" zu wirken. -a- Berlin, 12. August. Es ist gut, daß nicht der Mann mit seinem Amte identisch ist, — man wäre sonst versucht, in Hinblick auf das offene Schreiben, welches der Hofprediger Adolf Stöcker aus seiner Sommerfrische an seine ״lieben Freunde und Parteigenossen" in Berlin gerichtet, den Satz des Lucretius anznwendcn: tantum religio potait suadere malorurn. Nein, mit der Religion hat cö nichts gemein, wenn ein Mann sich rühmt, mitgeholfen zu haben, daß Hnnderttansende seiner Mitbürger um den Besitz ihres wohlerworbenen und staatlich garantirten Rechts besorgt sein müssen. Herr Stöcker schreibt nämlich seinen Freunden und Parteigenossen, den Ehrisltich-Sozialen, daß sic mit Gcnngthuung auch daraus Hinblicken könnten, ״das Judcnthnni aus einer übermächtigen und für unser Volk verderblichen Lage um hundert Jahre in dem Kanrpf nur sein bürgerliches Recht und seine soziale Stellung zurückgeworsen zu haben." Nein, diese furchtbare That ist nicht von der Religion diktirt worden, und der sich ihrer zu rühmen den Math hat, bewährt darin nicht den Geist der Religion, der da ist ein Geist der Liebe und deö Friedens, der Gerechtigkcit und Billigkeit. Die Religion stiert ihre Trimnphe in der Bezwingung selbstsüchtiger Leidenschaft, sie verhüllt klagend ihr Haupt, wenn cs ihr nicht gelingt, dem Rechte und der Liebe die Herzen zu gewinnen. Anunon und Moab waren Feinde, einig aber in dem Hasse gegen Israel, dessen Vernichtung sie erstrebten. Auch die ״Christlich-Sozialen" und der ״Deutsche Antiscmitcnbund" sind Feinde, der Kampf gegen die Juden aber bildet ihr Gemeinsames. Diese Woche war der Antiscmitenbund beisammen und stellte als Nächstliegende Ausgabe das Programm auf, sowohl bei den nächsten konunnnalen Wahlen, wie bei der nächsten NcichsragSwahl dahin zu wirken, daß recht viele Antisemitcn gewählt werden und zwar speziell in der nächsten Umgebung Berlins, ״da cs crsvrderlich sei, den Bewohnern in der unmittelbarsten Umgegend Berlins die Augen darüber zu öffnen, wie und durch welche Mittel jüdische Machtentfaltung in der nächsten Nähe Berlins zu erringen gestrebt werde." So rüsten sich unsere Feinde zu neuem Kampfe. Es ist gut, sich dieses zu vergegenwärtigen und sich nicht dem Wahne hinzugeben, als habe die antisemitische Bewegung irgend etwas an Jntensivität cingebüßt. Freilich kann unsererseitS nichts Anderes zur Abwehr geschehen, als die treueste Pflichterfüllung gegen Staat, Gemeinde und unsere Mitbürger. Und hierin wollen wir nicht ermüden. Dem Rechte und der Liebe ist doch der endliche Sieg gewiß. Mögen auch Zeiten kommen, in welchen das Unrecht unb der Haß die Herrschaft über die Gemüther besitzen, diese Herrschaft ist doch von keiner Dauer, und Israel überlebt alle seine Gegner. Deß ist die Geschichte Zeuge, das verbürgt für alle Ewigkeit die Verheißung Gottes. Breslau, Ili. August. In welcher verwerflichen Weise die antisemitische Hetzerei betrieben wird, bezeugt die folgende Auslassung der ״Schlesischen Ztg." (von der ״Kreuz-Zlg." reproduzirt): ״Bekanntlich haben sich unter den Deutschcnfrcssern von Paris die franzö- [icrtcn Juden (DrcysuS, Meyer, LyonAllemaiid, Kohn, Weltbund andere) ausfallend bemerkbar gemacht. Auch der Präfekt Schuecb in Nancy, welcher kürzlich eine von Deutschen gegründete Fabrik schließen ließ, ist ein Jude. Ein nicht geringer Thei! der Pariser Juden ist aus Elsaß-Lothringen cingcwandert, wo zu französischer Zeit gegen!)0000 Juden ansässig waren, welche seither ans etwa 40000 znrückgegangen sind. Fast alle elsaß-lothrmgcr Juden, einige wenige ausgenommen, welche mit der bcutfdjcn Landesregierung in lohnende Geschäftsverbindung traten, zeigten sich von Anfang an franzoscufreundlich und deutschfeindlich. Viele von ihnen optirten für Frankreich und ließen sich jenseits der Vogesen in Nancy, Epinal, Remircmont u. s. w. nieder, von wo sie mit ihren Verwandten und Gellossen in Elsaß-Lothringen lebhafte unb vielleicht nicht immer Ullpolitische Beziehungen nilterhiellen. Nach den Veröfsentlichungcn der ״Alliance r'Sraeiite universelle" von l 673 zählte dieselbe in Metz 50, Mülhausen 20, Neu- Breisach 21, Gebwcilcr 9, in Straßbnrg, Bischweiler, NeichShofcn, Lauterburg, St. LonlS und anderen clsaßlothringischen Städten zahlreiche Mitglieder, in Kalmar beiläufig den Oberrabbiner des Landes; ferner ans französischer Seite in Nancy 41, Toul 15, Charmes 6, St. Dm 2, Bcsoul 2 Mitglieder! In fast allen Städten der Vogesen auf französischer wie auf delitschcr Seite hat die ״Alliance iSraelile universelle" in Paris ihre dienstbeflisseucn Agenten, und cs ist wohl bekannt, wie sehr diese internationale Gesellschaft französische Inter« essen söcdert, wie sie sich rühmt, durch Gründung zahlreicher jüdischer Schulen in! Auslände mit französischer

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