Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 20 (1887)
- Issue
- Heft 33 (18.8.1887)
- Article
- Einige Reminiscenzen in Sachen des Wuchers : bringt die "Österr. Wochenschrift"
- Date
- 1887-08-18
- Page
- 521 (sequence 1)
- Language
- German
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M 33, 521 Jefchueu«, einige ReiilimsttNM in Zinhen des Unchers bringt die ..Ocsterr. Wochenschrift": Im Jahre 1420 berief der Rath der Stadt Floren; zur Herabdrücknng des damals enormen ZinSsüßes Inden in die Stadt, welche einen bestimmten mäßigen Prozentsatz einzuhaltcn sich verpflichteten. (Mcrtcn's Ursprung dcS Wechsclrcchtes 6. 13 bei Neumann, a. a. 6, S. 321.) Christliche Schriftsteller geben auch willig zu, daß bei den Juden die Stimme des Herzens niemals ganz schweigt. (Dcpping, die Juden im Mittelalter. Aus dem Französischen, S. 171 ff., Hüllmann, das Städtewesen im Mittelalter, B. d. 2, S. 56 ff.) Selbst eine Resolution der Wiener Hofstanzlei vom 27. September 1612 an Kaiser Leopold, läßt den Juden diesbezüglich Gerechtigkeit widerfahren. In dieser Resolution, die im Archiv des hiesigen Reichs- Finanzministeriums liegt, heißt eö, daß obzwar die Juden ״allcrhandt Wuchers veschreitl sein, sie doch nützlicher sein, als die Christen, unter welchen eine solche überaus wucherlichc große Schinderei eingerissen, daß hiedurch fast männiglich hoch und niederen Standes von ihnen gravirt und beschwert sind." Bergl. Gndemann, Geschichte, Band II. A!s Ferdinand der Katholische die Austreibung der Juden ans Spanien, Sieilien und Arragonieu dekrctirte, vereinigten sieh unter dem Borsitz des Großjustitiärs Tomaso Moncada, Grafen von Adern's, die vorzüglichsten Beamten und Funktionäre, welche den -hohen königlichen Rath von Sieilien zu bilden pflegen, und überreichten behufs Durchsetzung des Aufschubes eine Jmmediatvorstellnng au den König. In derselben lautete ein die Handwerksthätigkeit der Juden betreffender Passus folgendermaßen: ״Eine andere Schwierigkeit, (welche aus einem übereilten Abzüge der Juden sieh ergeben würde) liegt in dem Umstande, daß in diesem Reiche fast'alle Handwerter Juden sind. Wenn die so Alle auf einmal abziehen, so wird für die Christen ein Mangel an Arbeitern sich hcrauöstellen, die geeignet sind, den Bedarf von mechanischen Gegenständen und besonders von Ciscnarbeitcn, sowohl zum Beschlagen der Pferde wie für Crdarbeiten, wie auch zur Ausrüstung von Schiffen, Galeeren und anderen Fahrzeugen zu liefern. Auch kann nicht in so kurzer Zeit eine genügende Anzahl von Christen für die Herstellung dieser nothwendigcn Bedürfnisse cintrctcn und in Folge davon wird, abgesehen von dem mißlichen Umstande, daß diese nothwendigen Gegenstände nicht zu haben sein werden, eS geschehen, daß die wenigen Personen, welche etwa im Stande sind, sie anzufcrtigen, die Preise derselben hinaufschrauben werden.". Das Original dieses Dokumentes ist abgedruckt bei La Lumia (Ui Ebrci Siciliani 1492 in Sind, distoria Siciliana (Palermo, 1870), pag. 38 und 50, nachgedruckt f bei N. Brüll, Jahrbuch für jüdische Geschichte und j Literatur, Bd. 5 pag. 106. Ja, die Bürgerschaft der Stadt Palermo selber wandte sich mit einer Bittschrift an den König, die an Eindringlichkeit einem Proteste gleich kam, worin sic rund heraus erklärte: ״Der Vorwurf dcS Wuchers sei grundlos. Man habe sich in diesem Punkte über die Juden nicht zu beklagen." La Lumia II, 39. Diese Dokumente haben die älteren Historiker, was charakteristisch genug ist, absichtlich unbenutzt gelassen und cs bedurfte erst eines modernen freisinnigen Italieners, dieselben ans Licht zu ziehen. Daß der Erzbischof Ruprecht von Magdeburg aus purer Habsucht, um sich aus einer Geldvcrlegenheit zu retten, die Juden von Magdeburg und Halle brandschatzte, die christlichen Bürger von Halle aber die Juden gegen den Erzbischof in Schutz genommen haben und in Folge dessen von ihm mit Kontributionen bestrast worden sind, berichtet ein frommer christlicher Schriftsteller Cranz, Metropolis ((Sol. 1596, 8), S. 537. Dem Erzbischof Berangcr von Narbonue hat Jnnoccnz III. das Zeugniß ausgestellt: ״Sein Gott ist sein Geld" (lim. Log. üb. III. cp. 24) und er saugte auS den Juden das Blut der Christen. Die Rechts- Praxis wurde ans die Norm gestellt: das Vermögen der Juden gehört dem Baron oder Gutsherrn (168 meubles aux Juiis an Iiaron, Ducangc s. v. Judaei). Edelleutc verschacherten einander ihre Juden, um sie als Werkzeuge der Ausbeutung zu benutzen, gleichsam wie den Schwamm, den man in das Wasser thut, um ihn dann auSzupresscn. Weltliche und geistliche Fürsten wetteiferten in jeder Art der Erpressung. Wie man die Katze recht hungrig hält, damit sie desto eher das Ungeziefer tilgt, so sperrte man dir Juden ein, sobald mau einiges Vermögen bei ihnen wieder Präsumirte. (Schluß folgt). Korrespoudcuzen und Nachrilhteu. Deutschland. ־& Hannover, 16. August. Einer großen Anzahl hiesiger Gemeindemitglieder ist dieser Tage ein Büchel-