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Jeschurun · 1887-08-18 · Heft 33 (18.8.1887) · p. 518

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 33 (18.8.1887)
Article
Erzherzog Karl von Österreich in der Schweiz im Jahre 1797
Date
1887-08-18
Page
518 (sequence 2)
Language
German
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״Aber ich sehe dort noch acht Personen, die nach ihrem Acnßeren nicht zu Ihrer Familie gehören, bemerkte der Erzherzog. — ״ES sind hcimathiose Arme, auf daS Mitleid ihrer Mitmenschen angewiesen. Fast allerorts, wo Juden wohnen, ist die Vorkehrung getroffen, damit diese bedauernswürdigen Hcimathloscu Speise und Unterkommen finden", erklärte der ehrwürdige ״Parmß". — ״Aber so viele fremde Personen zu speisen, welche die Zahl Ihrer Familienmitglieder übersteigen, ist doch ein großes Opfer, das Sie sich anserlegen", bcmcrttc der Prinz. ״Ich weiß nicht, esse ich mit ihnen oder sie mit mir", crwiedcrte DreyfnS, ״heißt cS doch in der heiligen Schrift: ״Gott giebt Speise allem Fleisch, denn ewig währet seine Güte." (Ps. 136, 25.) Ich bin nur der Vollzieher seiner Anordnung." Der Prinz warf einen bedeutsamen Blick ans seinen Adjutanten. — ״Woher kommt aber dieser Hebelstand und wie wäre dem abznhelsen?" srng er den Vorstchcr. — Mit etwas verlegener Miene antwortete DreyfnS: ״Sind Juden nicht alle heimathloö? Müssen wir nnS nicht alle mit schwerem Gelbe unseren Aufenthalt erkaufen und stets zu erhalten suchen? Würde man diesen armen Leuten eine Hcimath geben, sie zu nützlicher Beschäftigung veranlassen, so würde man sich ein großes Verdienst um die Menschheit erwerben!" ״Aber die Einsassen würden sich für diesen Zuwachs bedanken", wendete der kaiserliche Adjutant ein. DreyfnS jedoch entgegncte: ״Wenn man Eigennutz, Bornrthcil und Engherzigkeit zu Rathc ziehen wollte, nie würde etwas Gutes zu Stande gebrache werden." ״Solche edle Gesinnungen sind des Andenkens würdig", sagte der Erzherzog sichtlich bewegt und indem er sein Tagebuch hervornahm, notirtc er sich 1 Verschiedenes. Diese Unterhaltung blieb nicht ohne fruchtbare Folgen für Israel, denn gleich nach dem Frieden kam in ganz Deutschland die Verordnung, daß alle vagabundiercnden Inden als heimathbercchrigt dahin gewiesen wurden, wo sie geboren worden oder sich verehelicht hatten. Diese wurden ״Einleger" genannt, und die meisten ihrer Nachkommen wurden tüchtige Gewerbslente, und mancher Ehcf, der an der Spitze eines großen Hauses steht, stammt von einem sogenannten ״Einleger". Sonntags nach der obenwähnten Unterhaltung vollendete der kaiserliche Hofmaler das Porträt des Vorstehers Michael DreyfnS von Endmgen. Der Prinz ließ darunter setzen: ״Michael DreyfnS, die Religion in Person." DaS Bild soll sich heute noch in Wien in der Kaiserlichen Bildergallcrie befinden. Die Familie DreyfnS ist heute noch eine der ältesten und angesehensten Familien der Schweiz. Im BundcSpalast zu Bern qrtftircn viele von dieser Familie hcrrnhrende Akten; nach einem dieser Dokumente hatte schon obbenanntcr Wolf DreyfnS sehr vertrauensvolle wichtige Missionen für sein Land zu ersüllen. Aus dieser Familie stammt auch der um die Emanzipation der Schweizer Inden verdient gewesene im Jahre 1877 verstorbene Markus G. DreysuS. (Oesterr. Wochenschr.) Wider aus der Gtzkimart. Bon Friedrich R o t t. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Frau Herzfcld erkundigte sich eingehend nach seinem Vorhaben, sie sprach die Hossnnng aus, daß cs ihm recht bald gelingen möge, in einem religiösen Hause Stellung zu finden. Bertha blickte mit einer gewissen Aengstlichkeit zu ihn! empor; das, waö ihr Vater vom Verhungern gesprochen hatte, ging ihr stark im Köpfchen herum. Sie hob sich aus die Fußspitzen und flüsterte der Mutter einige Worte zu. Frau Herzfcld nickte lächelnd, und die Kleine eilte hinaus. Gleich daraus kam sie zurück mit einem Buch in der Hand. ״Darin steht die schöne Geschichte, von der ich Ihnen gestern erzählt habe.׳ Gain su letoba, oder: Was Gott thtit, daS ist wohlgethan — ich werde sie Ihnen aussuchen." Sie blätterte in dem Buche. ״Werden Sie sic aber auch lesen?" fragte sie. ״Gewiß, gewiß," betheucrte er, ״ich danke Dir recht herzlich, daß Du mir das Buch leihen willst." ״Ach nein, leihen will ich cs Ihnen nicht. In der Schule brauche ich eö ohnehin nicht mehr, und die schönen Geschichten, die darin stehen, weiß ich alle auswendig, darum können Sic cS nur behalten, und können die schöne Geschichte manchmal lesen. — Da ist sic. ich werde ein Zeichen hiueinlegeu, dann finden Sie sic gleich," und ohne sich lange zu besinnen, zog sie daS rothc Seidenband, daS ihre blonden Haare zusammenhielt, herunter und legte es in daS Buch, das sie dem jungen Manne reichte. Dieser war derart ergriffen, daß er daS Kind am liebsten umarmt hätte, doch dazu fehlte ihm der Muth. So hob er denn daS Buch und, vielleicht ohne daß er wußte, was er that, drückte er das Band an seine Lippen. Frau Herzscld lächelte, die Kleine aber rief: ״Ach, nehmen Sie das Band doch nicht in den Mund, eS können Haare daran sein."

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