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Jeschurun · 1887-08-11 · Heft 32 (11.8.1887) · p. 510

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 32 (11.8.1887)
Article
England : Hull [Nachricht]
Date
1887-08-11
Page
510 (sequence 2)
Language
German
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zu erbauen. Unsere ohnehin nicht begüterte Gemeinde ist aber kaum in der Lago, die hierzu benöthigtcn Mittel ׳ aufzubringen. Unsere neuen Gcmcindegcnossen sind meistenihcils arme, fleißige, hart arbeitende Leute imH• bedürfen vielfach noch der Beihülse, jedenfalls vermögen sie zu diesem Bau nichts beitragen. ES hat sich deshalb ein Synagogenbau-Kommitce gebildet, um Spenden für dieses wahrhast dringend nothwcndigc fromme Werk zu sammeln. Dasselbe rechnet auch namentlich auf die thätigc Mitwirkung wohlhabender GlanbenSbrüdcr in anderen englischen Städten. Ein entsprechender Aufruf ist zu diesem Behnfc erlassen worden. Möge derselbe den wärmsten Sympathien begegnen, auf daß das gottwohlgcfälligc Werk gelinge. Rußland. ...)׳ Petersburg, 4. August. Es verlautet einmal wiederum, daß die unendlich lange arbeitende Kommission zur Regelung resp. Umgestaltung der jüdischen Verhältnisse demnächst ihr Werk vollendet haben wird, und zwar sollen die von ihr in Vorschlag gebrachten Maßregeln den Juden nicht günstig sein. Man wird übrigens ntcincS Erachicns alle solche Nachuchtcn mit großem Mißtrauen aufnehmcn müssen. Antcntischc Mitthcilungcn über die KommijsionSbcschlüsse, wenn deren überhaupt welche vorhanden sein sollten, sind kaum erhältlich, und Derjenige, dem sie in der Thal zngängig sein sollten, wird darüber nichts in die Dessen llichten gelangen lassen. Die Kommission sott überhaupt nur das Mandat haben, Materialien für eine etwaige Neuregelung zu samnicln und zusmnmenzustcllcn. ES würde ihr demgemäß gar nicht zustehcn, bestimmte Borschlage zu formnliren. Odessa, 1, August. Das ״N. W. Tagebl." meldet: ״Der Polizeimcister von Nikolajew ließ alle in Nikolajew lebenden österreichisch - ungarischen Juden in Kenntniß setzen, daß sie binnen dreißig Tagen die Stadt und das russische Staatsgebiet verlassen müssen. Da in Nikolajew sehr viele österreichischungarische Inden als Fabrikanten, Handelsleute und Handwerker leben, herrscht in den Kreisen dieser letzteren große Aufregung. Sebastopol, August. Die zahlreich in dieser Stadt wohnhafte Handwerk treibende jüdische Bevölkernng hatte den Plan, eine auf gegenseitige Leistungen beruhende Unterstützungskasse zu gründen. Das Stadtobcrhaupt war diesem Projekte sehr günstig gestimmt. Trotz dessen Besnrwortung ist aber die höhere rcaiminclle Genehmigung versagt worden, weil Sebastopol nicht innerhalb des den Juden angewiesenen NayonS liegt. XX BcrdiLschew. Wie Zeitungen berichten, ist den jüdischen Familien, welche außerhalb der Stadt Sommerwohnungen bezogen haben, die polizeiliche Weisung zngegangen, unverzüglich dieselben zu räumen, weil cS Juden nicht gestattet ist auf dem Lande zu wohnen. Rumänien. ...X. Bukarest, August. Es gelangen unaufhörlich aus dem ganzen Laude Nachrichten hierher über Bedruckungen und Mißhandlungen, denen die Juden seitens der Beamten anSgcscht sind. Der Jude, insofern er nicht unter dem Schutze einer fremden Macht steht, ist vollständig rechtlos. Man dars sich gegen ihn eben Alles erlauben, jede Willkür, jede noch so schreiende Misscthat. Einige krasse Fälle zur Probe. In Fokschan hatte ein höherer Polizeibcamter an einer jüdischen Ehefrau Gefallen gesunden und bediente sich seiner Polizeigcistcr als postillons d’ainour. Er ließ durch dieselben ganz ungcnirt mehrere Male Briefe abgcbcn, in welchen er die Frau ansfordcrte, mit ihm in den ZirknS zu gehen. Der Ehemann, Löb Blum mit Namen, wies selbstverständlich diese Briefe mit Entrüstung zurück. In Folge dessen wurde derselbe vorgcfordcrt. ins Gefängniß gesetzt und zu mehreren Avalen mit furchtbaren Stockprügctn abgcstraft. — Ein anderes Bild. Der Polizeikommissar TheodowSku ließ zwei Inden, Kellner und Großwald, welche er eines Vergehens verdächtigte, cinzichen und zwei Tage hinter einander ans das Unmenschlichste schlagen und mißhandeln, um ihnen ein Gcstäudniß abzuzwingen. Sie gestanden aber nicht, und die spätere Gerichts- Verhandlung stellte ihre völlige Schuldlosigkeit klar. Sie wurden auch sreigesprochen, um die brutalen Mißhandlnngeit kümmert sich aber Niemand. Asien. ||j Salonichi. Die ״I. Pcfler Ztg." bringt ans der Feder dcS Herrn Adolph Strauß eine nicht nnintcressantc Schilderung der jüdischen Bevölkerung SalonichiS. Dieselbe zählt zu dem schönsten Menschenschlage. Die Inden in Salonrchi sind kräftige, hochgewachsene, starkknochige, schöne Gestalten von vornchmcm Aussehen, die besonders in ihrem fcsttagigen Gewände ausfattcn. Sic sprechen unter sich altspanisch (spaniolisch), sonst aber türkisch, verstehen übrigens meistens auch italienisch, griechisch, französisch und bulgarisch, die Lastträger im Hafen anch englisch. — Selbst Diejenigen, welche Tagelöhncrarbciten verrichten, treten überaus würdevoll aus. Die Juden sind hier die besten Arbeiter. Das Handwerk liegt fast ausschließlich in ihren Händen. Am Sukkothfcste sind die Gchöstc und HanSdächcr mit Laubhütten bedeckt. ׳

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