Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 20 (1887)
- Issue
- Heft 32 (11.8.1887)
- Article
- Erzherzog Karl von Österreich in der Schweiz im Jahre 1797
- Date
- 1887-08-11
- Page
- 507 (sequence 2)
- Language
- German
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507 Hosen mit silbernen Schnallen an den Kniebändern, feine weiße Strümpsc, Schuhe mit silbernen Schnallen und zu alledem ein feiner schwarzsanuntner Frack. Wirklich der ganze Mann eine ehrwürdigeimposante Erscheinung — Wals war zeitgemäß modern gekleidet. — So stiegen Vater und Sohn, zwei prächtige Gestatten, die Haustreppe hinauf, ließen sich durch den vor der Thür stehenden Diener anmcldcn: ״Der Hauswirth bitte um die Gnade, Sr. Kaiscrl. Hoheit seine Ehrfurcht zu bezeigen" rc. 2c. — Nach dieser Meldung öffnete sich alsbald die Thüre und der -Adjutant trat hervor mit den Worten: Treten Sie ein! — Der Erzherzog war leicht gekleidet, ohne Uniform, ein ganz junger Mann, sein Porträt ist allbekannt und braucht daher keine Beschreibung. Sich erhebend fah er den Kommenden huldvoll entgegen. Da trat Wolf mit einer liefen Verbeugung näher. ״Ew. Kaiscrl. Hoheit wollen gnädigst mciitcii Vater, Michael Drchsns, Hauswirth und Vorsteher der hiesigen israelitischen Gemcinde, erlauben, seine Ehrfurcht zu bezeigen und Ew. Kaiscrl. Hoheit zu danken für die Ehre, daß Hochdieselben in seinem Hause Quartier genommen haben und zugleich eine religiöse Pflicht zu vollziehen, zu der ihn! noch nie Gelegenheit geboten war." Der Erzherzog cntgeguete nach einer leichten Handbewcgnng: ״Freut mich, in dem Hause eines so würdigen Mannes zu wohnen. Doch möchte ich gerne wissen, welche religiöse Pslicht damit verbunden ist!" Vorsteher Michael Dreysns erwiderte: ״Es ist uns Israeliten geboten, beim Anbuck eines gekrönten Hauptes und seiner Söhne einen hierfür bestimmten Segenssprnch zu sagen." ״Das ist ja schön", erwiderte der Erzherzog ״und wie lautet denn derselbe? wollen Sir ihn gefälligst laut aussprcchen." Der Vorsteher griff etwas verlegen an seinen Drcispitzcr (Hut mit drei Spitzen nach damaliger Mode). — ״Prinz", nahm der Adjutant das Wort, ״ich weiß von Prag ans, daß es den Inden verboten ist, eine religiöse Uebnng mit entblößtem Haupte nuszmühren." Der Erzherzog: ״Witt Ihrem Gewissen keinerlei Zwang anthun, bedecken Sic sich!" Vorsteher Drchsns setzte hierauf seinen Dreispitz auf und sprach mit lauter Stimme: ,.lioruch scliiMiosau mikwolo lebosor wctlani.“ ״Wollen Sic mir dies auf deutsch erklären," bat hieraus der Prinz, worauf Diehsns den Spruch mit den Worten: ״Gelobt sei'sr du Ewiger, unser Gott, König der Welt, der du von deiner Herrlichkeit auch Menschen mitiheiltest", übersetzte. ״Eine erhabene Idee!" sagte der Prinz zu seinem Adjutanten! Nachdem hieraus der Erzherzog seinem Diener einen Befehl in fremder Sprache gab, entfernte sich derselbe schnell. Aus die nebenstehenden Stühle weisend, sagte der Prinz: ״Setzen wir uns" und ließ sich hierbei auf einen Feldstnhl nieder; die anderen Herren folgten gleichfalls seiner Aufforderung. ״Ja. Kaiserliche Hoheit! Bei Freud und Leid, bei jedem Genuß, sowie bei jeder einzelnen Erscheinung sollen wir dem Schöpfer danken, der von Allem der Urheber ist," bemerkte Dreysns. (Schluß folgt). Korrcspoildcnzcil!md Nachrichten. Deutschland. * Hamburg. Als am 17..Schcwat 5645 das Hinscheiden des Herrn Hcymann Matthias ע״ת in Hamburg erfolgte, dessen segensreiches Wirken in allen Streifen der dortigen Gemeinde bekannt war, sahen sich mehrere frühere Schüler der Talmud-Thora-Schule, welcher der Verstorbene 37 Jahre ununterbrochen mit Eifer sich gewidmet hatte, darunter auch Einsender dieses, veranlaßt, eine Stiftung ins Leben zu rufen, welche den Namen des unermüdlichen Freundes und Wohlthaters der Jugend tragen und in seinem edlen Sinne wirken soll. Diese Stiftung, welche amt. April 1667 ihr erstes Geschäftsjahr beendete, bezweckt laut § 1 der Statuten: a. Die Errichtung von Freistellen an der Hamburger Talmud-Thora-Schule für diejenigen israelitischen Knaben, denen ohne solche die Aufnahme in genannte Schule versagt sein würde. 6. Den Eltern oder Erziehern, denen das Schulgeld eine zu große Last ist, Beihülse zu gewähren, e. Schülern, welche, nachdem sic eine höhere Klasse der Talmud-Thora- Schule absolvirt haben, sich dem Studium znwcndcn, während der weiteren Unterrichts- und Studienzeit Stipendien zu gewähren. Letzterer Zweck tritt jedoch Laut § 16 der Statuten erst in Kraft, wenn der Neservesonds die Höhe von 15 000 <46 erreicht hat. Am 1. Juli a. c. ist mm der erste Bericht erschienen, welcher eine recht erfreuliche Zunahme des Reservefonds ausweist. Schon im Schuljahre!866 gelangten 676.50 Ji zur Ve::Heilung, mit denen 23 von 31 eingelausenen Gesuchen ganz oder thcilwcijc befriedigt werden konnten. Obige 23 Bewilligungen zerfallen in 10 Freistellen und 13 Unterstützungen (Beisteuer zum Schulgeld), Dagegen sind in dem Etat pro 1667 bereits 070 cfL aufgenommen, welche sich ans 13 Freistellen und 11 Unterstützungen vcrtheilen, und unterliegt eS teinem Zweifel, daß die Anforderungen mit jedem Jahre wachsen werden. Wenngleich nun schon bei Gründung eine recht ersreuliche Anzahl Mitglieder der Stiftung beitraten, so sind doch die Anforderungen an dieselbe derartig hohe, daß cs wnnschenswcrth ist, daß die Mitglicdcrzahl be> deutend größer werde. (Isr. Vksbl.)