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Jeschurun · 1887-08-04 · Heft 31 (4.8.1887) · p. 494

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 31 (4.8.1887)
Article
Rumänien : Bukarest, 27. Juli [Nachricht]
Date
1887-08-04
Page
494 (sequence 2)
Language
German
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494 Herren vollauf befriedigte. Dem Juden war ja ganz! nach Recht geschehen. Freilich steht in keinem Gesetze, : daß man für ungenügendes Reinigen eines Kleides jämmerlich geprügelt werden soll, freilich steht nirgends, daß der ob solchen Frevels Angeklagte nicht verhört . werden darf, freilich steht nirgends, daß man, ohne den Angeklagten zu hören, ja ohne ihm die Anklage mitzuthcilcn, gestraft werden kann. Aber ׳Gesetz und Recht ist ja für die rumänischen Juden gar nicht gemacht. — Dem Herrn Kommissar scheint aber doch später der Gedanke gekommen zu sein, daß der Jude sich beschweren möchte. (51׳ wollte einer Beschwerde Vorbeugen und hatte die Frechheit, ihm den Prozeß zu tnachcn. Er dcnunzirte ihn, sich wörtlich und thätlich an ihm, dem Kommissarins, vcrgrissen zu haben. So wurde denn Jonas von dein Gerichte auch in der That zu jener hohen Geldbuße verdannnt. Dank den Bemühnngcn seines uneigennützigen Anwalts kam vor dem Tribunal der wahre Sachverhalt heraus, und Jonas wurde sreigesprocheu. Ist das nicht ein Glück?? Und der energische Polizcikomnrissarins?? Ja, er müßte nicht in Rumänien sein. Ist das nicht auch ein Glück? In diesem glücklichen Lande kann man einen Juden ganz ungestraft nach Herzenslust prügeln. Bukarest, 1. August. Es hat sich hier ein Komnüttee gebildet, welches für die österreichischen ״Schutzbefohlenen" das österreichische J'ndigenat zu erwerben bemüht ist. Durch die Erwerbung der wirkticheu österreichischen Staatsangehörigkeit finden die gequälten Juden in Rumänien wenigstens einigermaßen Schutz gegen die barbarischen Vexationen, denen sie ansgcsetzt sind. Im Interesse der Humanität ist es zu wünschen, daß dieses Kommittce mit Erfolg arbeitet. ES leiden dann doch etliche Juden weniger in Rumänien. Amerika.. K. Newyork. Für das famose Institut in Eincinnali, welches dafür Sorge tragen .soll, daß es der amerikanischen Jlldenschaft nicht an Ncsormpfasfen ä la Wisc mangelt, wird jetzt die Kleinigkeit von einer halben Million Dollar verlangt, um diese sogenannte Nabbinerschule zu fundiren. Die Reformer sind nicht blöde. Ucbrigens ist cs keineswegs ausgeschlossen, daß nach und nach diese halbe Million aufgebracht wird. K. Newyvrk, Juli. Die älteste hiesige jüdische Gemeinde, vielleicht auch die älteste jüdische Genossenschast auf amerikanischem Boden überhaupt, ist die Gemeinde in der 19. Straße, dieselbe hat kürzlich beschlossen, die amerikanischen Inden anfznfordern, für die 400 jährige Feier des Gedächtnisses der Vertreibung der Inden ans Spanien, welche die Bekenner des Juden׳ thums zum ersten Male nach der Renen Welt geführt hat, ein historisches Faktum, das mit dem andern der Entdeckung Amerikas znsammcnfällt, rechtzeitig Vorbcreitnngen zu treffen. Die Erschließung Amerikas war eine providentielle Fügung gerade in dem Momente, in welchen! der Fanatismus die Juden von der iberischen Halbinsel vertrieb. Der alte Kontinent trieb die Inden aus, da zeigte Gott in dem neuen ihnen und allen Unterdrückten ein Asyl, wo sie ihrem Glauben treu bleiben konnten. Amerika ist nicht nur der Weltthcil der religiösen Toleranz, sondern der vollen Religionsfreihcit geworden. Darum fordert die älteste jüdische Korporation alle ihre Schwestern ans, im Jahre 5652 (1692) eine erhabene Feier zu veranstalten, um Gott zu danken und zu preisen, der ihnen hier eine friedliche gesegnete Heimstätte angewiesen hat. Mochten die Gemeinden aber diesen Dank durch daö Gclöbniß bcthätigcn, in diesem freien Lande wahrhaft Gott zu dienen und dem Judcnthum treu und Gehorsam zu sein.!. Philadelphia. In der ״Menorah, den! von Benjamin Pciyxotto hcransgcgcbenen Organ, richtet ein Herr Leo H. Levi zu Galvcston, Texas, an alle jüdischen Geistlichen Amerikas dreißig offene Fragen, n!n festzustellen, was eigentlich Judcnthum ist, und ob die Rabbiner und Lehrer sich zu demselben bekennen. Diese Fragen verlangen in! Wesentlichen darüber Aufschluß, ob Judenthnnl wirklich eine bcstimnrtc Religion sei, oder nur ein von Inden bekanntes Lehr- oder Meinungsstiften!; ob in! erstcren Falle die sogenannten Reformer Inden seien, und ob es durch irgend eine — und welche — Autorität geändert werden konnte; — ob etwa die Vernunft gegen gewisse jüdische Lehren verstoße, ob die von der Verminst verworfene Lehre aus den! Judenthnm ausscheide und die durch die Vernunft an deren Stelle getretene nunmehr jüdische Religion sei; — ob cs eine wirkliche Offenbarung Gottes gebe, und ob das ״Alte Testament" diese Ossenbarumg Gottes sei; —ob Maimouidcs eine Jude und die von ihm formulirtcn 13 Sätze Grundlehrcn des Jndenlhums; — ob viele Rabbiner Nationalisten, Pantheisten u. s. w. seien und ob sie Alle an einen wirklich vorhandenen Gott glaubteu? u. dgl.!!!.. Man sieht, es ist den! Herrn Levi in Galveston darum zu Ihm!, in das Wirrwarr einmal Klarheit zu bringen, und in acht amerikanischcr praktischer Weise sucht er dieses durch diese Fragen zu lösen. ES Handel! sich nur um die Willfährigkeit der Herren Rabbiner, hierauf ebenso klaren und bündigen Bescheid öffentlich zu geben. Daran wird cs aber hapern. Der Herr Fragesteller wird sehr wenige Antworten erhalten.

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