Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 20 (1887)
- Issue
- Heft 31 (4.8.1887)
- Article
- Deutschland : Hannover [Nachricht]
- Date
- 1887-08-04
- Page
- 491 (sequence 2)
- Language
- German
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491 das Ziel, das die ״Mg. Best." aufstellen, auch in jüdischen Seminaren erstrebt werden solle. Herr Direktor 1)r. Kroncr-Hannovcr hält diese Forderung allerdings für angebracht. Aus dein Umstande aber, baß in jüdischen Seminaren auch daö Hebräische einen großen Thcil der Zeit in Anspruch nehme, geht hervor, daß man nicht auf allen Seiten gleiche Ziele verfolgen könne. Die Versammlung müsse sich daher begnügen, nur die Forderung auSznsprcchcn, das überhaupt Musikunterricht getrieben werde. Die Masse muß der Zukunft überlassen bleiben. Die Ausbildung im Spielen eines InstrnmcntS sei bis zu dem Grade zu bringen, daß der inS Amt tretende Lehrer ein Lied zu spielen und ein Stück ChasonuS cinzuübcn im Stande sei. Am Seminar zu Hannover seien sogar die Ziele höher geschraubt worden, indem die Seminaristen auch in Theorie linierrichtet werden. Herr Le oh ׳-Norden gicbt seiner Freude Ausdruck, daß ein Fortschritt ans dem Gebiete dcS Musik- Unterrichts bemerkbar sei. Gr verlangt sodann, um die Seminaristen auch in der Homiletik auSzubildcn, die Einführung eines vierjährigen Kursus. Dem entgegnct Herr D1\ Kroncr, daß zur Einführung eines vierjährigen Kursus einerseits die Genehmigung dcS Ministers erforderlich sei, die aller Wahrscheinlichkeit nicht crthcilt werden würde, andererseits sei aber zur Ausbildung in der Homiletik ein vierjährigen Kursus nicht einmal ausreichend. Ferner entgegnet Herr Direktor Dr. K ronc r auf eine Anfrage über die Ausbildung im ״Leinen", daß auch in dieser Beziehung im Hannoverscheu Seminar genügend gesorgt sei. Als Oicfnliat werden folgende von den Herren Direktor I)r. fi’r 011 er und Levh - Norden vorgcschlagcne Thesen angenommen: 1. ES ist nothwcndig, daß auf den jüdischen LehrerbildungSanftalten ein solcher Unterricht in der Musik und Harmonielehre ertheilt werde, als eS zur ordmmgSmäßigen Erthcilung des GcsanguntcrrichtS in dcr Volksschule, znm musikalisch richtigen und wohlgefälligen kantoralen Bortrage und zur Pflege mindestens eines einstimmigen Chor- resp. GemeindcgesangeS beim GottcSdienstc erforderlich ist. U. Es ist nothwcndig, daß dcr EhasonnSuntcrricht an den jüdischen Seminaren ans Grund eines kantoralcu Werkes in dem Umfange und in der Methode crthcilt werde, daß die Schüler dcr Anstalt für alle einzelnen Aufgaben deS ChasonuS ansreichend vorbereitet werden und eine selbständige Fortbildung ihnen ermöglicht wird. — 311 der Nachmittagssitz׳.׳!.׳.g erhält Herr Lehrer Eckmann ׳-Nienburg das Wort zu einem Voitragc: ״Die Konfirmation". Nach lebhaft geführter Debatte erklärt sich die Versammlung für inkompetent in dieser Frage, als nicht in ihr Gebiet gehörend, zu entscheiden, insolgedcsseu der Referent die aufgestellten Thesen zurückzicht. — Hieraus werden noch - die von Levh- Norden gestellten Anträge, betreffend Absendung einer Petition an den deutsch-israelitischen Gemeindebnnd, 1) um Gründung einer Zcntralbibliothek nach Art dcr KomeninSstrstung in Leipzig, 2) 11m Unterstützung einer jüdischen Lehrerzcitschrist und 3) um Snlivcntionirmig größerer jüdischer Werke, in der Weise, daß mit den Bcrlagsbuchhändlcrn ein Abkommen getroffen werde, wodurch die Beamten dcr Bundesgemeinden die Werke zu ermäßigten Preisen erhalten sollen, erledigt. Den zweiten Antrag zieht der Antragstellcr zurück, nachdem sich hcrauSgestcllt hat, daß kein Bedürfniß hierzu vorlicge, indem fast alle jüdischen Zeitschriften pädagogische Beilagen bringen. Den ersten Antrag hält Herr I)r. David-Hannover für gegenständloS, da einerseits der deutsch israelitische Gcmeindebnnd wohl nicht zur Errichtung einer größeren Bibliothek die Mittel habe, andererseits bestehe aber in Hannover eine Gcmcindebibliothck, die ca. 2500 Bände umfasse und die den Lehrern wohl zur Verfügung gestellt werden dürste. Ebenso erklärt sich Herr Di11 0׳$1 .׳ er bereit, ans der Scniinarbibliothck Bücher zu verleihen. ES wird daher folgender von Dr. David gestellter Antrag angenommen: Die Bersaminlnug beschließt, an die Kommission der Gcmcindedibtiothek und an die BerwaltungSkömnussion des Seminars zu Hannover durch eine Petition zn beantragen, den Mitgliedern des Vereins jüdischer Lehrer der Provinz Hannover die Bibliotheken zugänglich zu machen. Der dritte Antrag, die Petition um Subvention größerer jüdischer Werke bctreffend, wird angenommen. Die nächstjährige Versammlung soll zu Hameln stattsindcn. - n. Wiesbaden, Ende 3110. Mit vielem Bc- Hagen wurde kürzlich von der antisemitischen Presse die Nachricht kolportirt, daß der ״Rabbiner" D. Z., welcher in dem Badeorte Soden sich ausgehalten, zn einer dreijährigen Gcsäugnißstrafc wegen eines SittlichlcitS- Verbrechens vcrurthcilt worden sei. Die wunderbare Märe war gar zn pikant. Daß Jemand bei einer schmutzigen That ertappt wird und die bcbührende Strafe sindct, ist ja leider etwas Alltägliches. Aber ein Jude, und noch dazu ein jüdischer Geistlicher, dessen! ׳Namen man anö billiger Rücksicht für seinen ehr-! würdigen Stand nur durch Initialen andeuten will,! das reizt. Es ist deshalb gewiß sehr unrecht von dem! unzüchtigen geheimnißvollen D. Z., daß er kein Nab-! biiicr ist, sondern nur ein gewöhnliches verkommenes j Subjekt, das mittel- und arbeitslos von einem Orte! znm andern wandertc. Es schmerzt gewiß jeden! Menschenfreund, wenn er von einem Verbrechen hört, weil jeder Verbrecher sich an dem Adel dcS Mensch- ' thninS versündigt. ES schmerzt uns Juden doppelt,! von einem jüdischen Verbrecher zu hören, weil wir uns j dem Juden noch näher verwandt fühlen. Die nicht-! jüdische Welt hat aber gar keine Veranlassung, in dem