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Jeschurun · 1887-07-28 · Heft 30 (28.7.1887) · p. 466

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 30 (28.7.1887)
Article
Wahrheit und Frieden
Date
1887-07-28
Page
466 (sequence 2)
Language
German
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466 und des Gottesfriedcns und sich zu fragen, wie weit eö noch von dem Ziele entfernt ist. Haben wir die Wahrheit und den Frieden? Ist eS die Wahrheit, welche die Männer bekennen und lehren, die an der Spitze der Gemeinden stehen und von ihnen Rabbiner genannt werden? Ist cs die Wahrheit, welche sic in ihren Versammlungen erstreben, oder ist eS die Lüge, die die Lehre mit dem Leben ausglcichende Lüge? Ist eS nicht Täuschung und Un- Wahrheit, die an Stelle der Wahrheit gesetzt wird, wenn das ewige Gesetz dcS ewigen Gottes!!!!!gewandelt werden soll nach der Laune des Tages, nach der Bequcmlichkcrt der Menschen? Nicht Luge und Täuschung, wenn der Abfall und Trcnbruch als höhere, wahrere, reinere Religion verherrlicht wird und Diejenigen, welche sich desselben schuldig machen, als die Zierden des JudenthumS gefeiert werden? Nicht Lüge und Täuschung, wenn unter der Maske wissenschaftlicher Forschung die heiligen Urkunden gefälscht werden -und die Prophetie zur dichterischen oder patriotischen Begeisierulig gestempelt lvird? Nicht Täuschung und Lüge, wenn die Pflege der hebräischen Sprache und die Kritik der heiligen RcligionSschriften unter Leugnung der ewigen Verpflichtungskraft der jüdischen Religionspflichten als die höchsten nationalen Anliegen des jüdischeu Stammes bezeichnet werden? Nicht Täuschung und Lüge, wenn die Göttlichkeit der mündlichen Lehre geleugnet oder in Frage gezogen und eine Schule für Na'vbincr auf Grund dieser Leugnung errichtet wird? In den Kreisen unserer Gesinnungsgenossen werden wir auf diese Fragen einer einmnthigen Antwort begcgncn. Sic werden mit uns hier nicht die Wahrheit, sondern Lüge mtb Täuschung erkennen. Wir fragen aber weiter: ist das der wahre Friede, der Friede, ans welchen Gott uns verpflichtet, der Friede, den.Gott Seinen.״ ,ברייתSeinen Bund" nennt, die von der absoluten GotteSbestimmung getragene Verheißung^), auf welcher die Erziehung des Menschengcschlcchts zu dem endlichen GottcSrciche beruht, — ist das der wahre Frieden, der unter PreiSgebung der einzigcn Wahrheit, den Frieden mit den Menschen an zubahnen sucht? Ist das der von Gott gewollte Friede, der ״unter Ausschluß der religiösen Frage",׳ wie das Stichwort lautet, die Krankheit.unserer Zeit zu heilen unternimmt und. statt den irrenden Brüdern den einzigen Weg zum Heile, die Wahrheit, zu zeigen und sic zu ermahnen, ihn zu wandeln, ihnen ihren Jrrthum läßt, und den Jrrthuin und die Lüge als gleichberechtigt und gleichwerthig mit der Wahrheit stillschweigend anerkennt? 3ft, das der Friede, der wahre שלום, der die auf Abwege gerathencn Kinder den Vaterarmen wieder;!!führt, der den Fehl der Vergangenheit und Gegenwart sühnt und das Gottcöheiligthum auf der Morijahöhe.;vie.der aus seinen Trummen erstehen läßt?? ־ ' ׳; Im Hinblick aus diese Trümmer prüfen wir uns doch ernst und aufrichtig, ob unsere vermeintliche Friedensliebe die ächte wahre, ob sie jene ist, die PinchaS- Elijahu bethätigte und damit den großen Gottesfrieden unauflöslich an seinen Namen knüpfte? Die ächte Liebe zum wahren שלום gicbt sich in der unerschrockenen, unentwegten Vertretung der Wahrheit unter Hintansitzung aller sonstigen Rücksichten und Interessen. Kennen wir solche Rücksicht nicht? Lassen wir uns nicht durch Ehrenbezeigungen schmeicheln, nicht durch äußern Vortheil berücken, wenn eS gilt, die Wahrheit zu vertreten? Lullen wir unser Gewissen nicht ein, wenn wir nicht diesen wahren Frieden, sondern eine bequeme, egoistische Konnivenz üben, als ob wir durch unsere vermeintliche Friedensliebe die Herzen unserer irrenden Genossen für die Wahrheit gewinnen könnten? PinchaS ermannte sich zur kräftigen Vertretung der im Kreise des Volkes getrübten Wahrheit, Elijahu hielt dem von gesinnungslosen Pfaffen irregeleitetes! Volke die ewige GottcSwahrheit entgegen, darum wurden PinchaS und Elijahu die Träger des wahren Friedens. Führen wir cs uns doch in. diesen der Trauer und Sclbstprüfnng geweihten Tagen zum Bewußtsein, daß wir an der Sühne des Jrrthmns der Vergangenheit und Gegenwart nur dann Mitwirken, wenn ein Jeglicher von uns in seinem Kreise als ein achter Vertreter der einzigen Wahrheit und des wahrhastigen Friedens dasteht. Wir haben uns dem irrenden Bruder nicht zu entfremden, vielmehr durch Beispiel und Wort ihn! gegenüber die ewige Wahrheit zu vertreten. Wir versündigen uns aber an ihm, an der Wahrheit und dem Frieden, wenn wir in Verblcnduug auch seinen! Jrrthum huldigen -und--ans falscher Friedensliebe dem Irrwahn die gleiche Berechtigung neben der Wahrheit zugestehm. Nur so erweisen wir uns als die אוהב״ האמת והשלום, als die wahrhaftigen Freunde und Vertreter der Wahrheit und des Friedens und fördern das Heran nahen des Tages, da Gott Zion tröstet und Jerusalem sich wieder erwählt, des Tages, an welchem sich die Verheißung erfüllen wird: ששון ושמהח ימצא בה תודה ג־קול •זמרה..־ .. . . .*) Siehe Huschs Kommentar zu 4. B. M. 25, 12.

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