Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 20 (1887)
- Issue
- Heft 29 (21.7.1887)
- Article
- Österreich-Ungarn : Wien, 15. Juli [Nachricht]
- Date
- 1887-07-21
- Page
- 461 (sequence 2)
- Language
- German
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machte. Nun werden sie mit behördlicher Genehmigung unzart hinanSgcworfen und noch für Juden gehalten. Ist das nicht zum Verzweifeln? A. Wie», 3111t. Die ״Ocsterr. Wochenschrift" berichtet über eine antisemctische Schmähschrift in hebräischer Sprache, welche den vielgenannten M. L. Nodkinsohn zum Verfasser hat. Es wird in diesem Machwerk daö Judcnthnm und die Juden, vor Allem aber die heilige Schrift selbst auf daö Gemeinste hcrabgewürdigt. Der Verfasser, ein Jude, cutblödct sich nicht, die achtunggebietende Gestalt Abrahams zu verunglimpfen und ihm dcS niedrigsten, erbärmlichsten Schachers zu zeihen. Ebenso vergreist er sich an Jakob und Joseph und zeigt, wie die Juden in Aegypten daö ihnen zu Thcil gewordene Schicksal durchaus vcrdient haben. Moses wird zu einen! HandelSmanue degradirt, der die 40 Jahre der Wüstenwanderung benutzte, um sein Volk zu einem rechten Schachcrstamme Heranzubilden u. s. w. u. s. w. Es widert Einen an, bei diesen Unsläthigkeiten länger zu verweilen. Daß Traurigste ist, daß sie von einem Inden verübt werden. Die ״Ocstcrr. Wochenschrift" schreibt hierüber: 3״,!. wessen Interesse solche Schriften publizirt werden, sicht auch der Blinde. Es war ja Lein Geheimniß, daß Herr Nodkinsohn von der englisch-protestantischen MissionSgcscttschaft für seine literarische Thäligkeit snbvcntionirt wird." Es soll auch versucht worden sein, jüdische Frauenzimmer für Nodkinsohn zu intcrcssireu. Man spiegelt diesen vor: ״Herrn Nodkinsohns Pnblikationcn wären hochwichtige Schntzschriftcn für das Judenthnm, welche cS literarisch verherrlichen. Und ein derartiger schnöder Betrug und Verrath soll nicht bloS ohne Sühne, soll gar ohne öffentliche Brandmarkung dahiugehen? Welche Nolle Herr Nodkinsohn bei dem Prozeß contra Rohling übernommen hat, werden wir bei einer anderen Gelegenheit zeigen." ״Wenn übrigens die Andeutungen des ״Linzer katholischcn VereinSblattcS", welches in 8500״ Exemplaren" ״gratis an sämmliche katholische Vereine, Pfarrämter und Klöster Oesterreichs״ versendtt wird, sich bewahrheilen, dann hat Herr Nodkinsohn nnS Juden noch ein Vermächtniß hinterlassen, mit welchem nächstens die Ocffentlichkeit überrascht werden sott!" I Prag. Die ״Israel. Gemciudeztg." gicbt über das Zahleuverhättniß der jüdischen Schüler in den folgenden hiesigen höheren Schulen dahin Auf׳ schluß: Deutsches Altstädter StaatSgymnasinm. In! abgetaufenen Schuljahre besuchten diese Anstalt 345 Schüler. Dem Religionsbekenntnisse nach waren 152 Katholiken, 18 Protestanten und 175 Israeliten. Deutsches Neustädter Staats-Obergymnasium. An! Schlüsse deö Schuljahres 1686—87 betrug die Anzahl der Schülern 567, darunter 536 öffentliche und 31 Privatisteu. Dem NcligionSbekenntuiß nach waren 191 katholisch, 26 evangelisch (Augsburger Konfession), 2 evangelisch (Helvetischer Konfession) und 348 israclilisch. Prager Handelsakademie. Am Schlüsse deö Schuljahrewar die Anstalt von 311 Schülern besucht, darunter 17 Hospitanten. Nach dem Neligionöbekcnntnissc waren 173 Katholiken, II Protestanten, I Griechisch-orimtalischer und 126 Israeliten. Lemberg. Die Schule für Taubstumme, welche seit 16 Jahren in unserer jüdischen Gemeinde besteht, die anch die cinzige in Galizien ist, bewährt sich mit jedem Jahre immer mehr. In derselben befinden sich auch Kinder aus der Bukowina, der Moldau und selbst aus Rußland. Bei der diesjährigen am 20. Juni stattgefnndencn öffentlichen Prüfung, welche von den leitenden Persönlichkeiten der Gemeinde, von Delegaten der autonomen Behörden, vom Lchrpersonale der christlichen Tanbstnmmcnschnle und den Vertretern de- Damenvereines zur Unterstützung armer taubstummer Kinder besucht war, zeichneten sich die Kinder durch verständliche und laute Antworten aus. Besonderhervorznheben ist, daß man während des Sprechens keines der Kinder irgendwelche Gcbcrden machen sah. Dies kann nicht genug betont werden, da selbst die intelligentesten Leute, die noch keine Gelegenheit hatten, eine Taubstnmmenschnle zu besuchen, nicht begreifen können, wie Taubstumme sprechen lernen. Welchen ׳Werth der Sprachunterricht für Taubstumme hat, kann man entnehmen,!venu man ertvägt, daß die Sprache cS ist, welche den Menschen vom Thiere unterscheidet, sic ist es, welche das Gehirn und die Geisteskräfte entwickelt und vervollkommnet. Es ist daher Pflicht jedes Menschenfreundes, diese eminent humanitäre Anstalt zu unterstützen und zu fördern. (Lembcrger Israelit.) * Lmz, 14. Jnti. Nach einer Mittheilung deklerikalen ״Linzer Volksblatt" haben sich die Herren obcröstcrrcichischen AdvokatnrSkandidaten an die Advokalenkammer in Linz mit einer Eingabe gewendet, deren Schlußbitte dahin geht, ״die Advokatenkammer möge das Ansehen deö Standes wahren und die geeigneten Schritte unternehmen, daß der Stand nicht vcrjndet". Hierzu macht die Redaktion die Bemerkung, daß nur eine verschwindend kleine Anzahl von Konzipicntcn die Eingabe nicht unterschrieben hatte. Wir sind gespannt, welchen Bescheid die Herren Petenten erhalten werden, und cS wäre erwünscht, daß der Ausschuß der oberöstcrrcichischen Advokatenkaminer die dicöbezügliche Erledigung nicht im Archive verschwinden lassen möge. Schweiz. ~ Bern, 15. Juli. Der ״Köln. Ztg." wird von Bern gemeldet, daß der Große Nath des Kanton