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Jeschurun · 1887-07-14 · Heft 28 (14.7.1887) · p. 446

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 28 (14.7.1887)
Article
England : London [Nachricht]
Date
1887-07-14
Page
446 (sequence 2)
Language
German
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446 des Kronprinzen, mit dessen Unwohlsein entschuldigte. Sie erkundigte sich cingehen nach ihren jüdischen Bekannten auS ihrer Jugendzeit, und verabschiedete sich von den Herren in der leutseligsten und liebenswürdigsten Weise. (Oie ״Kreuzzcitung" nennt diese Begeisterung und diese Adresse eine aufdringliche Ku!׳.dgcbn11g der englischen Judcuschaftl Redaktion.) R ußland. ..7.. Petersburg, 8. Juli. ״Nowoje Wremja'' erfährt: daß in T a g a n r og und N o st o w die Juden ihre Geschäfte auflösen und die Städte verlassen müssen, weil den Inden der Aufenthalt im Gebiet der Donischcn Kosaken verboten ist. * Warschau, 1. Juli. Der ״Po jener Ztg." zufolge hat cS in der jüdischen Bevölkerung Warschaus Aussehen erregt, daß in Folge des Eintritts eines Sohnes des Warschauer GcneralgouverncnrS Gurko in die 5. Klasse (Obertertia) des 6. Gymnasiums sännntliche jüdische Schüler dieser Klasse anStrcten und sich um Aufnahme in anderen Gymnasien bemühen mußten. Dies wird sich auch wahrscheinlich alljährlich nach Maßgabe der Versetzung des jungen Gurko in eine höhere Klasse mit den jüdischen Schülern dieser Klassen ereignen, und zwar aus persönlichen Wunsch der antisemitischen Frau des GeneralgouverucnrS, welche jede Kommunikation ihres SprößlingS mit jüdischen Mitschülern vermeiden will. EE Ofccffn, 6. Juli. Dem ״Od. Now." zufolge haben alle fremden 3uk1t nnmuchr die entschiedene Weisung erhalten, innerhalb einer Woche die Stadt zu verlassen. XX Nostow. In Betreff der in den Donischcn. Kosakcnbezirk cinbezogencn Städte Rostow und Tangarog, ist nunmehr definitive Entscheidung ergangen. In diesem Bezirke dürfen bekanntlich ke׳ne Juden wohnen. Nun haben aber die genannten beiden Städte eine sehr starke und gewerbsfleißige jüdische Bevölkerung, deren Fortzug die Blüthe der beiden Städte ruinircn würde. Die Staatsverwaltungen sind deswegen höheren OrtS vorstellig geworden, und cs ist nunmehr die Bestimmung erlassen, daß die gegenwärtig in Rostow und Tangarog wohnenden Inden daselbst verbleiben dürfen. * Von dem hochangeschcncn ehrwürdigen Oberrabbmer, Herrn Isaak Elch an au Spektor zu Kowno, haben wir in diesen Tagen zwei Zuschriften empfangen, in welchen er uns von Feuersbrünsten Kunde giebt, die mehrere Städte Rußlands mit einer sehr zahlreichen jüdischen Bevölkerung verheert haben. ES sind dieses die Städte: Kidwan, Zcikischok und Schwinzan, die beiden ersten im Gouvernement Kowno, die letztere im Gouvernement Wilna. Herr Oberrabbiner Spektor ersucht uns, einen Ausruf zu erlassen, um unsere Glaubensgenossen zu einer Beiftcticr für die von diesen UnglückSfälleu schwer heimgesuchten zahlreichen Juden zu veranlassen. Wir vcröffentlichen in dieser Nummer einen solchen Aufruf, der uns ans dem erstgenannten Orte Kidwan zugegangen ist, und fügen hinzu, daß in Zcikischok die Synagoge und Lehrhäuser sammt sännntliche» Wohnhäusern der Stadt bis auf zwei ein Raub der Flammen geworden sind. Die Noth und das Elend, die Verzweiflung und der Jammer spotten jeglicher Schilderung. Hunderte und Tausende unserer Brüder sind mit Weib und Kind von Allem entblößt. Sic haben nichts gerettet als das nackte Leben. Die Kownoer Jndenschaft thut ihr Möglichstes, und auch andere russische Gemeinden spenden ohne Zweifel reich-!ich und nach Möglichkeit. Aber diesem namenlosen Unglücke kann nur durch die kräftigste und opfcrwilligste thätige Liebe des Auslandes einigermaßen eine Linderung bereitet werden. Wir bitten deshalb eindringlich lind inständigst um reichliche Beihülfcn, welche au Herrn Öbcrrabbiuer, Isaak Elch an an Spektor in Kowno, Gouvernement Kowno, zu adrcssircn sind. Wir selbst werden ebenfalls gern etwa uns zugchende Spenden dorthin übermitteln. ׳— Wir erhalten noch die Nachricht, daß im Gouvernement Minsk die Städte TeSnia und Kopyla, welche zum größten Thcile von Juden bewohnt sind, gänzlich nicdcrgebraunt sind. So eben trifft uns auch die Mitthcilung, daß Witebök von einem großen Brand- Unglücke betroffen ist und au 7000 Personen, darunter viele-Inden, arm und elend geworden sind. Afrlka. * ״Le Leveil clu Maroir1 berichtet von mehreren au Israeliten im Staate Marokko verübten Mordthatm. Dem .,Jcwish World" wird aus Tanger gleichfalls vou einem an einem Juden begangenen Morde geschrieben. DaS Leben unserer Glaubensgenossen erscheint in diesen Staaten sehr wenig geschützt. Sie sind der Willkür der Lokal- und Provinzial-Bchörden auSgesctzt, welche die an Inden verübten Verbrechen kaum, oder im Nothfalle sehr milde ahnden. — Den so schrecklich mißhandelten Inden zu Denrnat soll jetzt von bcm Sultan ein neues Quartier angewiesen werden, welches von dem muselmännischen Stadtthcile entfernter als das frühere liegt. Aufruf. Am 6. siwan ist unsere Stadt Kowno, Gouvcrncment Kowno, von einer furchtbaren FeucrSbrunst heimgcsucht worden. Etwa hundert große Wohn- und Geschäftshäuser sind während weniger Stunden ein Raub der Flammen geworden.

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