Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 20 (1887)
- Issue
- Heft 28 (14.7.1887)
- Article
- Österreich-Ungarn : Czernowitz [Nachricht]
- Date
- 1887-07-14
- Page
- 445 (sequence 2)
- Language
- German
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445 Bukowina sich durch seine Leutseligkeit!in Sturme erobert, beglückte auch die israelitische Gemeinde mit seinen! Besuche. Er kam heute in die Synagoge, wo die Gemeinde seiner in freudigster Erregung harrte, und richtete herzliche und erhebende Worte an den Kultusvorstand und die Rabbiner Dr. Igel und Weiss. Der heutige Tag wird als ein Frendcntag dem Gedächtnis; der Gemeinde unvergeßlich bleiben, welche in dem Gefühle der Treue und Liebe für das erlauchte HauS Habsburg sich mit allen Stämmen und Religionsbekenntnissen, die unter dem habSburgischen Szepter gerecht und milde regiert werden, aufs Innigste verbunden suhlt. Gott segne den erlauchten Thronerben! daö ist der Herzenswunsch der gesummten Judenschast unseres Landes. ' Frankreich. m. Paris, Juli. ES ist hier eine kleine Brochnre unter dem Titel ״l.08 Juifs et la 11־gaiit6" erschienen, welche dem sich ja leider auch in Frankreich bemerkbar machenden Judcnhasse cntgcgenzuarbeileu sich bemüht. Der Verfasser, Herr E. Duchiron, ist ein Katholik. Er will auf die Masse des Volks wirken und führt deshalb eine kurze, klare und kräftige Sprache. Er geht auf alle gegen die Inden erhobenen Anklagen ein, um sic zu widerlegen. Die Juden sollen habsüchtig und geizig sein? Gerade das Gcgcntheil ist wahr. Der Jude versteht zu verdienen und verdient, gewiß. Aber wenn er verdient hak, so giebt er das Geld sehr leichL für Komfort und Luxus aus. Und außcrdent klopft überhaupt kein Armer jciualS vergebens au daS Judcnhaus. Man sagt, die Inden wenden sich nicht dem Ackerbau zu. Ja, wen trifft denn hier die Schuld? Nicht den christlichen Staat, der ihnen bis in dieses Jahrhundert hinein die Erwerbung an liegenden Gründen untersagt?? Nicht den christlichen Staat, der die Juden unterdrückt und von Zeit zu Zeit verjagt?? Die Juden sollen Wucherer sein? Io, eS gab einst eine Zeit, wo der christliche Staat sie zu diesem Gewerbe zwang. Wer wuchert aber heute? Ach, man weiß ganz gut, daß die Wucherer meistens keine Inden sind. Ihr fürchtet den wachsenden Wohlstand der Juden, ihr beneidet sie, ihr mißgönnt ihnen die Früchte ihres Fleißes und ihrer Klugheit. Neid und Mißgunst zählen zu den sieben Todsünden. Was machen denn die Inden mit ihrem Neichthum? Sie bauen Eisenbahnen, erweitern unsere Häfen und erschließen neue Sccverkehrsstraßen. Ja, das ist Alles Spekulation, sagt ihr. Gewiß, aber eine fruchtbare, gesunde Spelnlation, welche den Nationalwohlstand vermehrt. Und wenn ihr gar nichts mehr wißt, dann sagt ihr, die Juden Hütten kein Vaterland. Was, die Juden kein Vaterland! Sie, die an Patriotismus Niemandem zurückstehcn. Wahrlich, hätten sie kein Vaterland, so wäre ihr Verdienst noch um so größer! Sich sür ein Land aufopscrn und cS lieben, das nicht einmal daS Vaterland ist — das wäre erhaben. In dieser Weise sucht Duchiron dm Antisemitismus zu bekämpfen. DaS Büchlein verdient gewiß weite Verbreitung. England. § London, 7. Juli. Eiuc Deputation der Anglo-Jüdischen Bereinigung und der Vertretung der jüdischen Gemeinde, hatten am jüngsten Montag die Ehre, von der deutschen Kronprinzessin, welche noch nach dem Jubiläum ihrer erlauchten Mutter, unserer vielgeliebten und verehrten Königin, hier weilt, empfangen zu werden, nur eine au dm deutschen Krön- Prinzen und die deutsche Kronprinzessin gerichtete Adresse zu überreichen. Dieselbe lautet folgendermaßen: ״An Ihre Kaiserlichen und Königlichen Hoheiten, den Kronprinzen und die Kronprinzessin von Deutschland. Mögen Eure Kaiserlichen und Königlichen Hoheiten gestatten, daß wir, das Londoner Komitee der Britischen Juden, iti unserem eigenen Namen und Namens der verschiedenen von uns repräsentirtcn Körperschastcn — und wir, der Ausschuß der Anglo-Jndischen Vcreinigung, Euren Königlichen Hoheiten, unseren ehrerbicligcn und herzlichen WillkommmSgrnß bei Ihrer Ankunft in diesem Lande ansdrücken. Wir hoffen, daß Ihr Besuch in diesem freudigen Augenblicke, da die Völker dieses Reiches mit einander in den Kundgedungen der Ergebenheit und Verehrung für unsere geliebte Königin wettcisern, ebenso sehr eine Quelle der höchsten Beglückung für Eure Königlichen Hoheiten sein möge, wie er allen Kreisen Ihrer Majestät Unterthanen zur innigen Befriedigung gereicht. Wir, die wir uns der Vorthcilc bürgerlicher und politischer Gleichheit in diesem Lande erfreuen, ergreifen freudig diesen Anlaß, um unsere tiefe Hochachtung vor dem Edelsinn auszudrücken, in welchem Eure Königlichen Hoheiten die Sache der religiösen Toleranz in Deutschland zu einer Zeit unterstützen, wo gewaltthätigc und ungerechte Vorurtheile gegen unsere Glaubensgenossen erweckt werden, und vor dem leuchtenden Beispiel, welches Eure Königlichen Hoheiten durch Ihre Mißbilligung eines solchen unedlen Gebahreus aller Welt geben. Wir sind überzeugt, daß dieses erhabene Beispiel schon den heilsamsten Erfolg gehabt hat. Wir beten inbrnnftig für das Wohl, daS lauge Leben und das Glück Eurer königlichen Hoheiten." Die Kronprinzessin »ahm diese Adresse huldreichst entgegen und sprach der Deputation, welche ans den Herren: Sir Julian Goldsmid, A. Löwy und Lewis En'.anne! bestand, ihren herzlichsten Dan! sür diese Be׳ grüßnng aus, indem sie die Abwesenheit ihres Gemahls,-