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Jeschurun · 1887-07-14 · Heft 28 (14.7.1887) · p. 440

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 28 (14.7.1887)
Article
Bilder aus der Gegenwart
Date
1887-07-14
Page
440 (sequence 2)
Language
German
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440 den ersten beiden Sabbathen war eS ihm gelungen, sich wenigstens des Schreibens und dcS LichtanzündenS zu enthalten, doch am dritten Sabbat h, wir haben cs bereits erwähnt, hatte sein Herr ihm aufgctragcn, mit der Laterne in den Keller zu gehen. Wottner hatte gezögert, doch dem mit Strenge wiederholten Befehle hatte er entsprochen. Doch cs war ihm, als hätte er seine Seele ausgelöscht, als er das Streich- Holz in Brand gesetzt. Naschen Schrittes, als könne er dadurch der Qual in seinem Innern enteilen, hatte er sich hinunter in den Keller begeben. Der Stiege zunächst standen einige Fässer mit Spiritus, Oel und Petroleum; die Flaschen, die er zu holen hatte, befanden sich in einer etwas entfernteren Abtheilung des Kellers. Die Laterne, die er trug, war nur leicht, aber ihm war, als ziehe ihre Schwere ihm zu Boden. Nein, er konnte sie.nicht länger tragen. Er hoffte, das verlangte Wasser ohne Licht zu finden; er stellte daher die Laterne auf die unterste Stufe der Kellersticge und schritt weiter. Doch Herzfeld hatte Recht gehabt, er war mit der Oertlichkeit zu wenig vertraut; ehe er sich dessen versah, war er gestolpert imb hinuntergestürzt über einige Stufen, die zu der zweiten Kellcrabtheilung führten. Er war erschreckt, doch nicht verletzt, und eben im Begriff, sich wieder aufzuraffen, als plötzlich ein furchtbarer Knall erfolgte und gleich darauf eine unheimliche Helle die Gegenstände ringsum gespcnsterhaft hervortretcn ließ. Die Reife des SpiritusfasscS, das der Stiege zunächst sich befand, waren gesprungen, der Spiritus war im selben Moment hcransgeströint und hatte sofort die Laterne erreicht und sich entzündet. Wollner stieß einen gellenden Schrei aus, der Rückzug war ihm abgeschnittcn, denn durch die furchtbare Lohe, die sich vor der Stiege hoch einporschlängelte, zu enteilen, war unmöglich. Und wie lange konnte es dauern, und der ganze Kcllerranm war von dem lodernden Fcnermeer übcrfluthet. ״Großer Gott! rette mich! rette mich!" schrie er und rannte instinktiv weiter hinein in den Keller, den Flammen zu entkommen. Aber hinter sich hörte er cs prasseln und krachen, . abermals mußten Reife gesprungen sein, die Gluth schien in erschreckendem Maße zuzunchmen, denn obgleich er. setzt in eine noch entferntere Abtheilung gelangt war, der Kellerraum machte hier eine Wendung, man konnte von hier aus die Flamme nicht mehr sehen, so war doch die Atmosphäre auch hier nahezn erstickend. Der unglückliche Jüngling rang in wilder Verzweiflung die Hände. ״O Gott, erbarme Dich meiner! rette mich! rette mich! laß mich nicht hier elendiglich zu Grunde gehen! Q Gott Plötzlich verstummte er — gleich darauf aber stieß er abermals einen gellenden Schrei aus. ״Das ist die Strafe!" schrie er, mit den Händen in den Haaren wühlend, als wolle er sie sich ausreißen, ״das ist die Strafe, weil ich den Sabbath entweiht! — O Gott! Gott! Verzeihe! verzeihe! — O Gott! — erbarme Dich meiner! — o, verzeihe! — verzeihe!" Und wiederum krachte es, die Flammen schienen näher und naher zu kommen, die Lust ward nahezu glühend, das Athmen schwerer und schwerer. In Todesangst taumelte der Jüngling hin und her, er streckte beide Arme in die Höhe, seine Finger krümmten sich und bewegten sich, als wollten sie nach etwas greifen. ״Gott! — Gott! — Verzeih!" stöhnte er. ״Vater! — Mutter! — bittet für mich!" Taumelnd stürzte er zu Boden. Plötzlich vernahm er eine Stimme, die seinen Namen rief. ״Wollner! Adolf Wollner! wo sind Sie?" Er glaubte zu träumen und dachte nicht daran, zu antworten. Da rief cs abermals: ״Wollner! Wollner! wo sind Sie?" ״Hier!" schrie er aufspringend. ״Hier! Hülfe! — ich ersticke!" und um sich blickend, gewahrte er in einer Entfernung von kann! zehn Schritten oben in der Wölbung eine sogenannte Kellcrluke, ein Loch, das hinauf inS Freie führte. ״Hülfe!" schrie abermals, ״Hülfe!" Gleich darauf erdröhnten wuchtige Artschläge, Steine und Mörtel stürzten vor jeine Füße, und das Loch oben ward in wenigen Minuten breiter, gleichzeitig siel das Ende eines Strickes längs der Mauer hernieder. ״Halten Sic sich an dem Strick!" rief es von von oben, ״fest!" Wollner hatte die Aufforderung nicht abgewartet, so wie er des Strickes ansichtig geworden, hatte er denselben ergriffen und ward sofort von kräftigen Armen emporgczogcn. Es war die höchste Zeit, kaum hatte sein Kopf die Ocffnnng erreicht, als die brennende Flüssigkeit in den Raum cindrang, und im Nn loderten auch hier die Flammen empor. ״Gott sei Dank!" rief Frau Hcrzfeld, als sie den fungeu Mann unversehrt erblickte. (Fortsetzung folgt.)

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