Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 20 (1887)
- Issue
- Heft 27 (7.7.1887)
- Article
- England : Leeds [Nachricht]
- Date
- 1887-07-07
- Page
- 430 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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* Leeds. Der zu Manchester erscheinende ״Jewish Record" macht mit Recht ans die betrübende Thatsache aufmerksam, daß die jüdische Gemeinde zu LcedS keine Fürsorge für den Religionsunterricht der Jugend getroffen hat. Bei Gelegenheit des feierlichen Aufzugs der Kinder am Jubiläum der Königin zählte man nicht weniger als 1100 jüdische Kinder. Diese wachsen fast ohne jegliche, jedenfalls aber ohne eine einigermaßen entsprechende Unterweisung in der Religion auf. Und dabei ist die Gemeinde keineswegs arm; im Gegenthe.il, sie zählt viele sehr Begüterte zu ihren Mitgliedern. Der ״Jewish Record" hat erfahren, daß der Obcrrabbincr einen Gelehrten, Herrn S. Singer, beauftragt hat, die Provinz zu inspiziren, und hofft, daß dieser Herr diesem geradezu himmelschreienden Nothstaude in Leeds abhclfeu wird, d. h. daß es ihn: gelingen möge, die Gemeinde zu vcranlasscn, für einen entsprechenden Religionsunterricht zu sorgen. Afrika. * Zu Tanger verstarb kürzlich der gelehrte Rabbi Mcssnd Cohen im hohen Alter von 102 Jahren. Derselbe stand in ganz besouderm Ansehen bei der gelammten Bevölkerung und erfreute sich bis nahe vor seinem Ende der vollen Kräfte des Geistes und des Körpers. MmWWiM \m GchWeder Mm in Milchen tzckpMch der Krligstkllnng der nenen Spapp.) Nahe am Promenadcuplatz, einem der schönsten und belebtesten Stadttheilc der bayerischen Metropole, erhebt sich ein monumcntalcr im römischen Stile Prachtvoll ausgeführter Bau,- der die Aufmerksamkeit hcs Passanten auf sich lenkt. Es ist die neue Synagoge. Der Anblick dieses Gebäudes läßt unwillkürlich die in den Schacht der Jahrhunderte begrabenen Zerrbilder des Mittelalters vor das geistige Auge aufsteigen, um daun dankerjüllt ob der all maligen Heranbildung und Erziehung, der Veredelung und Versittlichung des nicnschlichen Geistes und GcmütheS zu Gort cmporzuschaucn. Tragisch, tragischer vielleicht denn in andern Landen, ist die Geschichte der Juden in Bayern. Geistesver- Milderung mrd Irrwahn, Despotismus und FanaliSmus, die Schrecken der Menschheit, feiern in wildestem Bacchalenreigen den Hexensabbath und schlendern Tod und Verderben um sich her. Noch im Jahre 1600, sage tausendunbachthuudert. wurde die Volkskomödie: ״Der NeligionSeiser oder die Ausrottung der Juden in Deggendorf anno 1337" betitelt, öffentlich ausgesührt. Das Liese schauderhafte Szene darstellende Gemälde über dem Stadtthor zn Deggendorf wurde, trotz des energischen Hinweises des Herrn kurpfalzbaycrischeuGeneral-Landcsdirektionsrathes Joh. Christ. Freiherr« von Aretin auf die unsittliche und abergläubische Tendenz dieses Gemäldes, noch im Jahre 1603 reuovirt. In Bayern scheinen 323 Jahre vd: gcw. Zeitr. schon Inden gewohnt zu haben. Hofmann in dem kleinen 'Iraet. <16 Ratisbonna metro־ poli Bayoariac erzählt und beruft sich dabei auf den erfahrenen Geschichtsschreiber HieronimuS Streidcl, daß die Augsburger Juden im Jahre 1477 bei Kaiser Friedrich 111. zu Linz durch gültige Zeugnisse bewiesen hätten, sie seien schon 1800 Jahre zuvor in Rcgensburg ansässig gewesen. Die Kunde von dem Aufstand, dm Jesus erregt, und von Lessen Kreuzigung erhielten sic durch einen Brief der palastinäischeu Indem Von einer Niederlassung der Juden in München in den ältesten Zeiten läßt sich hingegen keine Spur entdecken. Die ei sten historischen Nachrichten, die wir von dem Dasein der Juden in München haben, sind zugleich die ersten Nachrichten von ihrer Miß- Handlung. Im Jahre 1285 — ob sie schon früher bei der allgemeinen Vertreibung der Juden aus Bayern 1276 hier ansässig waren, ist wahrscheinlich, aber nicht nachweisbar — geschah die erste schauderhafte Perfolgung und Ermordung der Juden zu München. Ein Ehristeutiud, welches die Juden von einem alten Weibe gekauft und dasselbe zu geheimen Zwecken ermordet haben sollen, gab die Veranlassung dazu. Wo das wnthcnLe Volk, so erzählen die Geschichtsschreiber, einen Juden traf, wurde er aufs Grausamste umgebracht. Die meisten flüchteten sich in die Synagoge und verschlossen sich dort. Der Pöbel, ergrimmt, daß er nicht cinbrechen konnte, schleppte Fenermatcrialien aus allen Gegenden der Stadt zusammen, und verbrannte auf diese Weise 180 Juden. Der Jesuit M. Räder setzt dieses vorgeblich ermordete Kind unter die bayerischen Heiligen (!'. dessen heiliges Bayerland, II. Band, S. 372, Augsburg 1714). Auf dem dieser Erzählung bcigesügtcn Kupferstiche liest man' folgende Verse: ״Was wnthet ihr gegen die christliche Kinder, Beschnittene Bösnvicht, kein Winkel der Welt Bor euch ist mehr sicher, ihr blinde Leutschinder Ihr werdet bald stürmen das Sterncn.Gezelt.l WaS thuet euch ein Kind, so ihr also hinrichtct. Euch wehret der Männer mit besserem Fug-, Was von den Megären die Alten gedichtet, Wahr machen an Christen, die niedrige Hund,-