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Jeschurun · 1887-07-07 · Heft 27 (7.7.1887) · p. 428

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 27 (7.7.1887)
Article
Deutschland : Würzburg [Nachricht]
Date
1887-07-07
Page
428 (sequence 2)
Language
German
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428 hülssbcdürsüge Lehrer sind bis jetzt — ca. drei Jahre — 1300 JL verabreicht worden. Es verdient besonders hcrvorgehobcn za werden, daß die Gemeinden, freiwillige Lpcndcn und Geschenke und die außerordentlichen Mitglieder allein über die Hälfte zum Bcreinsvermvgcn beisteuerten ירבה p. Wir danken wiederholt aufrichtig hierfür besonders denjenigen Herren, die die Aufmerksamkcil wohlthätiger Herzen auf den Verein gelenkt haben, insbesondere aber Herrn AnSbacher in Nürnberg, der uns durch seine Gegenwart beehrte und 200 JL, die er in seiner Stadt gesammelt, dem Verein überreichte. Hierauf wurde zur Erledigung der verschiedenen VereiuSailgelcgcnhciten geschritten, wobei ein Antrag, den Termin für die künftige Veremöversammlnng auf 2 Jahre auSzudchnen, abgctehnL wurde; dagegen wurde angenommen, daß verschiedene Themata ausgcgebcn und in der nächsten Generalversammlung, welche am 14. August d. I. in Ansbach stattfindet, besprochen werden sollen. Die Themata lauten: Wie soll der erste Unterricht im Pentateuch gelehrt werden? —Wie ist die biblische Geschichte zn unterrichten", ein Thema, das schon besprochen und viel darüber geschrieben wurde; und endlich cm Referat zu liefern über das Werkchcn von 1)1׳. Fcilchcnscld, betitelt ״Die jüdische Religion". Hierauf schritt man zur Neuwahl eines Vorstandes, weil Herr Stern wegen feines vorgeschrittenen Alters die Borstandsjchast niedcrlegte, was allgemein bedauert wurde. Für seine vielen Bemühungen um die Hebung des Vereins wurde ihm der besondere Dauk der Vcrsammlung ausgesprochen tiud er zum Ehrenpräsidenten ernannt. Herr Lehrer Schlcnker-Würzbnrg wurde fast einstimmig gewählt. Nach Schluß der Versammlung fand ein gemcinschastliches Mittagessen im gleichen Lokale statt und hierauf Besichtigungen der größten Sehens- Würdigkeiten der Stadt. Des Nachmittags vereinigte eine gcmüthlichc Unterhaltung die meisten Thciluehmcr in einer prächtigen Gcrrtcnwirthschaft. Gegen Abend erst verließen viele wieder die Stadt und kehrten in froher Stimmung.in ihr Heim zurück. Oesterreich-U ngarn. U. Wien, 4. Juli. In einer der jüngsten Nummern des ״Jcschuruu" befindet sich eine kurze Anzeige der Lippc'schen Schrift: ״Symptome der antisemitischen Geisteskrankheit. Der daran geknüpfte Tadel ist gewiß gerechtfertigt. Ich kann mir aber gerade um so weniger cs versagen, Ihnen ans einem Aussätze eben dieses Herrn Di*. K. Lippe die folgenden Ausschnitte zur Veröffentlichung zn übersenden, weil deren Inhalte gewiß als treffend anerkannt werden müssen. 1)1*. Lippe wendet sich mit diesen Ausführungen gegen diejenigen Inden, welche das eigene Wesen geringschätzen und alles Nichtjüdische verhimmeln, im Allgemeinen und speziell gegen den jüdischen Verein ״Przymierze braci" ״Agudas Achim" in Lemberg. Herr Lippe schreibt über die galizischen Znstündc: Ich kann cS nicht genug bedauern, daß die Volkszählung so viele Analphabeten im Lande aufweist; daß aber die Inden den größten Prozentsatz derselben aufznwciscn hätten, ist unrichtig. So lange wenigstens die Ehedarim bestehen, wird kein jüdischer Wasserträger erst auf Schulzwang oder auf unentgeltlichen Unterricht warten, um sein Kind lesen lernen zu lassen. Freilich sind wir der Ansicht, daß auch das hebräische Alpha Bctha Schriftzcichen sind, die stndirt werden müssen, und wem dieses Alpha Bctha fremb ist, der ist Analphabet. Die Erlernung der hebräischen Sprache crsordert so viel Anstrengung lvie die der polnischen, und das Verständnis; für die jüdische Literatur erheischt nicht weniger Aufwand an Geisteskraft als das Lateinische. Und doch hat der jüdische Analphabet schon in seinem zehnten Lebensjahre in den 175 Kapiteln der 5 Bücher MosiL mit Naschi-Kommentar viel mehr an Zivilisation und Linguistik gelernt, als der zwanzigjährige Matnritäts-Kandidat in seinen acht Lehrjahren am Gymnasium in Latein und Grüka zusammen. Unseres Erachtens ist selbst der, welcher blos im jüdischen Dialekt lesen und schreiben gelernt hat, kein Analphabet mehr. Noch sind mir die jüdischen Briefe erinnerlich, welche christ- Uchc Soldaten, deren Regiment in Italien stetionirt war, sich von ihren jüdischen Kameraden, den Analphabeten, schreiben ließen und ihren Angehörigen einsandtcn, und diese sich von anderen jüdischen Analphabeten lesen und übersetzen ließen. 1־i* Pest, 1. Ouli. Die ungarischen Inden werden dem Andenken des kürzlich verstorbenen Bischofs von BcSzprim, I)!*. Sicgmund Kovacs, ein dankbares Gedüchtniß weihen. Zählte er doch zu den wahrhaft Frommen, die wir הפידי אמות העולם nennen. Menschensrcnudlichkeit, Wohlwollen und herzgewinnende Leutscligkeit paarte sich in ihm mit männlicher Thatkraft und tiefem Geiste. Er war einer der ersten, der cntschieden gegen den AnlisemiliSmus auftrat und über dessen fluchwürdiges Gcbahrcn öffentlich seinen Abscheu aussprach. Und dabei lebte er in einer Umgebung, welche in hcrvorragcndcnt Grade durch und durch antisemitisch ist. — Es wird von einem neuerlich erfolgten Jndenkrawall in der Provinz gemeldet, zn dessen Unterdrückuug Militär entsendet worden ist. Etwas Näheres habe ich aber noch nicht darüber in Erfahrung bringen können. — Die frühere Antisemitenpartei des Reichstags wird in dem neuen unter dem Namen ״Volks- Partei" auftrcten. -0- Üvnhxii, 20 Juni. Im Laufe des heutigen Vormittags besuchten Kronprinz Rudolf und Krön- Prinzessin Stephanie die aus dem dreizehnten Jahr- Hunderte stammende, im romanischen Style erbaute

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