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Jeschurun · 1887-07-07 · Heft 27 (7.7.1887) · p. 427

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 27 (7.7.1887)
Article
Deutschland : Berlin, 3. Juli [Nachricht]
Date
1887-07-07
Page
427 (sequence 2)
Language
German
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geschickt ichkeit und als reiner Antisemit weder orthodox noch gouvernemental. Ein anderer Theil der Konservativen bereut aber bereits, wie aus gewissen Organen hervorgeht, bei der ״SchächtungSdcbatte" Herrn Vöckel nicht beigcsprungen zn sein. Hosprediger Stöcker hat sich in öffentlicher Versammlung dafür sogar ziemlich demüthig entschuldigt, und er und seine Freunde sehen den jungen Heißsporn, der berufen scheint, die adgewirthschasteten Licbcrmann, Henrici und Förster zu ersetzen, jedenfalls mit demselben Behagen an der Arbeit, mit der sie ihrcrzcit jenen beifällig assistirt haben, ohne gerade offene Gemeinschaft mit ihm zu machen. -a־ Berlin, 3. Juli. Was würde man dazu sagen, wenn Jemand den lustigen Einfall hätte, das Einschreiten der bewaffneten Macht gegen Brandstifter und Mordgesellcn also zu schildern, wie die ״Neue Preußische (Kreuz-) Zeitung" über die Exzesse gegen die Inden in Ungarn sich heute gar heiter und erbaulich ausläßt? Man vergegenwärtige sich doch nur, daß rohe Pöbel Haufen, von ihren Genossen im Fracke ausgestachclt, die Verbrechen des LaudesfrieoenöbruchS und Aufruhrs, der Brandstiftung und Plünderung, des Widerstandes gegen die Obrigkeit und der Empörung begangen haben und die Organe der Staatsgewalt Nahe- und Ordnung Herstellen mußten. Darüber laßt sich nun die ״Krcnzzcitung" folgendermaßen aus: ״Herr v. TiSza ist eben ein Mann, der alle Mittel der llebcrkultur und der Halbbarbarci gleich geschickt zu handhaben weiß, und für den cS weder nach der einen noch nach der anderen Richtung hin Bedenken giebt. Mit der gleichen Rücksichtslosigkeit ist deshalb bei den jüngsten Wahlen von: Gelbe und von der Schußwaffe Gebrauch gemacht worden, je nachdem die Wählerschaften beschaffen waren. Wo sic sich, wie das nach den Berichten der ungarischen Blatter in zahllosen Fällen geschehen sein sott, förmlich darnach drängten, den Preis für ihre Stimmen zn erhalten, hat man ihnen denselben gern bezahlt, während die rohen autisemitischen Bauerschaftcn der kcrnmagharischcn Theißebene durch das Schnellfeuer der Gendarmen darüber belehrt wurden, daß ein so tief verschuldeter Staat wie Ungarn nicht in der Lage ist, die judenfciabliche Seite heraus zn kehren. Große Sorge bereitet den ungarischen Staatsmännern insbesondere der AntisemitiSmuS, weil derselbe gerade im magyarischen Stamme selbst seine Stütze findet, mit dem man cs nicht verderben darf,, da er der eigentliche Träger des ungarischen StaatSgcdankenS ist. Bon der anderen Seite sicht man sich aber von dem jüdischen Großkapitalistenthum bedrängt, welches Ungarn finanziell völlig in der Hand hat und unerbittlich darauf besteht, daß der Antisemitismus mit Feuer und Schwert verfolgt werde. Einstweilen hat das Großkapitalistenthum im Nath der Regierung dir Oberhand behalten; ihm zu Ehren sind eine Menge antisemitischer Dauern nicdergeschossen worden. Herr v. Tiöza weiß aber sehr genau, daß der AutiscmitiSmuS selbst, weit entfernt zn Tode getroffen zu sein, vielmehr in rascher Ausbreitung begriffen ist, wie dies ja sogar von der Wiener Judeuprcsse zugegeben wird. Daß die parlamentarische Vertretung des AntisemitiS- 111119, Dank der blutigen Gewalt, die gegen ihn inS Feld geführt worden ist, eine gewisse Einbuße erlitten hat, erscheint unter diesen Umständen als ein schlechter Trost; die Wurzel, aus der er seine Nahrung zieht, ist dieselbe geblieben; an der schauerlichen AuSwucherung des Landes durch die Inden wird dadurch nichts geändert, daß man auf die verzweislungsvollen Klagen der ins Elend getriebenen Bauern mit dem Kommando: Feuer! geantwortet hat; aus dieser Drachensaat wird sich vielmehr ein Unheil erheben, wie man es heute kaum noch zu ahnen vermag. Daß die jüdischen Gläubiger Ungarns ihr Guthaben rechtzeitig in Sicherheit zu bringen wissen werden, bezweifeln wir nicht. Ihnen kann es also auch sehr gleichgültig sein, in welcher Richtung sich die inneren Znstände TranSlcithaniens weiter entwickeln; den ungarischen Staatsmännern jedoch dürste cS kaum anstehen, ähnlich zn denken, und wir sind überzeugt, daß sie cs auch nicht thun. Um so schwerer lastet die heimliche Sorge um die Zllkunft des Landes auf ihnen, während öffentlich Alles im Siegesglanze strahlt." Sollte man eS für möglich hatten, daß die offene Empörung gegen das Gesetz und das dadurch nothwcndig gewordene kräftige Einschreiten der Staatsorgane von einer uichtanacchistischen Seite also dargestellt wird? Freilich, freilich; die Mordbrenner hatten sich gegen jüdische Häuser und jüdisches Eigenthum und jüdisches Leben verschworen! Das erklärt eben Alles! j£s Wrirzbrrrg, 30. Juni. Gestern am 29. Juni hielt der israelitische Lchrcrvercin für das Königreich Bayern im großen Saale der Pfeufser'jchen Nestauration dahier, seine VIII. Generalversammlung ab, bei welcher Herr Schuldirektor Stern-Würzburg, dcn Vorsitz führte. Die Versammlung war diesmal sehr gut besucht, sowohl von den ordentlichen Mitgliedern, als von den Gästen, die dazu geladen waren. Nachdem der Vorsitzende die Versammlung begrüßt und herzlich willkommen geheißen hatte, wurde der Nechenschaftöbericht durch den Kassier D1-. Brannschwciger-Würzburg, bekannt gegeben, aus welchem zu eutnchmen ist, daß der Verein imabgelaufcucn Geschäftsjahre 3386 14 Einnahme uiib 3217.12 Ji ausgegebcn hatte, der Aktivrest betrug sonach 169 Ji 02 L. DaS VereiuSvcrmögen beläuft sich ans über 13,000 An Wittwen, Waisen und

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