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Jeschurun · 1887-07-07 · Heft 27 (7.7.1887) · p. 423

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 27 (7.7.1887)
Article
An unsere Brüder in Amerika
Date
1887-07-07
Page
423 (sequence 2)
Language
German
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423 Pfuscher, oder ein kaum reif gewordener Student? Wer einen Prozeß hat, (ei welchem sein Vermögen in Frage steht, erkundigt sich der nicht nach einem weifen und gesetzcSerfahrcncn Nechtsgclchrtcn, oder wendet er sich an den ersten beste» Winkeladvokat?. Und da sollte man in der heiligsten und bedeutsamsten Angelegenheit, in der Sorge für das Indcnthum, für die treue Ersüllung deS GottesgesctzcS, für die Erziehung unserer Kinder, für die Pflege des Geistes der Wahrheit und der Vethätignng eines gottgefälligen Wandels so leichtfertig und thöricht reden und handeln dürfen?? (Schluß folgt.) Mer MS der GeMmrt. Von Friedrich Rott. _ , . (Nachdruck verboten.) Erstes Kapitel. . Es war in den spätem Stunden eines Sommer- Nachmittages. Der Laden des Spezereihändlers Herzfeld war überfüllt von Leuten, denn die Arbeiter in der nahegclegcnen. Fabrik hatten heute ihre wöchentliche Löhnung erhalten, und bevor sie den Heimweg antraten, pflegten sie ihren Bedarf sür den Sonntag in Herzfelds Laden cinzukaufen. Manche pflegten dort auch einen Thcil ihres Lohnes sofort durch die Gurgel lausen zu lassen, kmi Herzfcld hatte außer dem Spezcrcigeschäsl auch die Berechtigung, Spirituosen auszuschenkcn, und diese Berechtigung wußten die Fabrikarbeitet׳ auch im Laufe der Woche weidlich anSzimützen; so. lebhaft wie am Sonnabend gegen Abend war cs jedoch an andern Tagen nie in dem Spczerciladcn. Darum hatte Herzscld auch den Bitten seiner Frau-, er möge, wie ehedem, am Sabbath das Geschäft geschlossen Hallen, nicht nachgegeben, obgleich er sonst sogar mit Vorliebe ihre Wünsche berücksichtigte. Seit der Eröffnung scner Fabrik, die sechshundert Arbeiter beschäftigte, hatte er seinen Laden auch am Sabbath offeu. ״Schau, Lcni, mein Kind/׳' pflegte er zu sagen, ״das gehört zu jenen Dingen, die die Frau einzig und allein dem Ermessen LcS ManncS überlassen muß. Du weißt, ich bin ein frommer Jehudi,"; ״Gewesen," flüsterte sie schmerzlich seufzend. ״Stillt" rief er lachend, indem er seine breite Hand nicht unsanft ans ihre Lippen drückte. ״Sollte mir das. ein Anderer jagen! — ich wollte ihn. — Aber schau, Kind, sei vernünftig. Wir haben doch, Gott-lasse sie gesund, vier Kinder." ״Sie sind noch immer satt geworden," siel sie ein. ״Gott sei Dank! Aber kleine Kinder, kleine Sorgen, große Kinder, große Sorgen. Was die Kleinen jetzt gebrauchen, ist nicht gar so viel,- aber:':je größer sie werden, desto mehr werden sie gebrauchen. Ich rede nicht nur vom Essen und Trinken, sondern von Allein. Zuerst kommen sie in die Schule, da müssen sie doch auch anständig gekleidet sein, und je großer sie werden, desto kostspieliger werden die Kleider/ — und hernach, da sollen die Buben stndircn und die Bertha soll Piano lernen — das kostet Alles Geld, heidenmäßig viel Geld — nnd schließlich müssen unsere Töchter doch auch eine Mitgift bekommen. — Woher das Alles nehmen — über Nacht fliegt'S Einem nicht ins Haus." - ״Gott wird uns helfen, unsere Kinder anständig zu ernähren und zu erziehen, auch ohne daß wir Seine heiligen Gebote übertreten." ״Freilich hoffe auch ich, daß Gott uns helfen wird, denn ohne Ihn — was ist der Mensch? — Aber sich einzig. und allein ans Gottes Hülfe verlassen und dabei die Hände in den Schooß legen, das ist meine Sache nicht." ״Wer spricht denn davon, daß Du die Hände -in den Schooß legen sollst? Im Gegcnthei!, wie bisher wollen wir sechs Tage arbeiten, fleißig arbeiten,, dann dürfen wir mit Zuversicht hoffen, daß unser Verdienst nicht nur für den siebenten Tag mitreicht, sondern daß er auch reicht, wenn unser Bedarf sich steigern wird." Er schüttelte unmuthig den Kopf. ״Goltvertraucn ist eine ganz Zchöne Sache. Aber, wie gesagt, sich hinlegcn und schlafen —" . ״Aber —" ״Laß mich auöreden, Leni. — Wenn ich sage, sich hintcgcn und schlafen, so meine ich damit gerade nicht, daß mau die Augen znmachen und schnarchen muß, sondern daß man die Gelegenheit nicht ansnützt> die sich Einem darthat, oder man könnte sogar sagen, die Gott Einem darbictct. Denn, wenn ich's.. genau überdenke, so will mirS fast scheinen, als ob Gott gerade extra für uns die Fabrik dort hat entstehen lassen, damit, wir dadurch in ausgiebiger Weise, für unsere Kinder sorgen können. Aber wenn ich am Sabbath das Geschäft geschlossen halte, so kann ich's nur gleich an Wochentagen auch schließen, denn warum? — Äm Samstag ist Zahltag, da. kaust der Arbeiter, der seinen Lohn in der Tasche hat, ein, so viel er gebraucht und oft mehr als er gebraucht. Wenn ich aber da mein Geschäft nicht offen habe, so wird eS nicht so lange dauern und ein ander-cs Spezereigeschäst wird in unserer Nähe entstehen, dorthin würden die Arbeiter gehen, sobald sie. ihren Lohn erhalten haben, und wohin sie am Sanrstag gehen, wenn sie Geld haben, dorthin werden sie auch an Wochentagen gehend wenn .sie aus Borg nehmen müssen..— Also, ich denke,-

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