Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 20 (1887)
- Issue
- Heft 26 (30.6.1887)
- Article
- Rußland : Petersburg, 25. Juni [Nachricht]
- Date
- 1887-06-30
- Page
- 413 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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413 in der auf die Juden angewandten Gesetzgebung eine solche Verwirrung verursacht, daß ein Hcrauskommcn ans dem jetzigen Labyrinthe durchaus geboten erscheint. .. y. Warschau, Juni. ES wird berichtet, daß im Laufe des JahrcS im Gouvernement Szcdlcz etwa 640 Chadarim geschlossen sein sollen, welche von etwa 6500 Schülern besucht gewesen sind. (?) N u m ä u t c n. E: Botrrschanr. Die hiesige Stadt ist durch eine große FeuerSbrnnst schwer heimgcsucht worden, bei welcher namentlich auch die starke jüdische Bcoölkerung sehr in Mitleidenschaft gezogen ist. Von den hier befindlichen zehn Synagogen ist eine ein Raub der Flammen geworden. Es werden im ganzen Lande Sammlungen für die Abgebrannten veranstaltet. Amerika. li. Newhor?, 15. Juni. In den Kreisen der russischen und österreichischen Juden, welche sich hier augcsicdelt haben, regt sich immer lauter der Wunsch nach einem geistlichen Obcrhauptc. Eine große Anzahl von Chebroth und Bethänscrn hat sich bereits vcreinigt, um alle orthodoxen Juden zu einem gemeinsamen Bunde zu orgauisiren, welcher eine anerkannte rabbinische Autorität aus Europa zum Oberrabbincr der vereinigten orthodoxen Juden zu Newyork berufen soll. Möge eö ihnen gelingen, dieses große Werk recht bald anSzuführcn, und möge ihre Wahl eine recht glückliche sein. ES würde damit für Amerika ein Großes erreicht. * Cincinnati« Auch die größten Männer zollen der schwachen Mcnschennatur Tribut, selbst ein Jsaac M. Wise, der HcroS der amerikanischen Reform, kann dem Kitzel der Eitelkeit nicht widerstehen und tischt den Lesern seiner ״Deborah" ein überschwängliches Lob der von ih!n vollzogenen Konfirmaiion ans, freilich aus der Feder eines Reporters, ״da der Editor dieses Blattes zugleich Rabbiner" in Eincinnati, ״der Metro- Pole des amerikanischen Jndeuthums" ist. Das ist jedoch im Grunde eine Privatjachc; wenn Herrn Wise der Dust des selbst verkündeten Lobs angenehm ist, warum sollte man darob mit ihm schmälen? Da aber diese Schilderung der Cincinnaticr Konfirmation zugleich eine interessante Illustration zu dem an Selbstdunkel, Eitelkeit, Heuchelei und Thorhcit überreichen Nesormschwiudcl bildet, so mögen hier einige Stellen aus diesem Hymnus über die Konfirmation mitgcthcilt werden. ״Der Gottesdienst im Bene Jeschnrun-Tempel begann rechtzeitig (?) um halb zehn Uhr Morgens.' Beim Borchu begann die Aktion des EhorS, der von tüchtigen Kräften besetzt und von noch besserer Leitung dirigirt zu sein scheint. Feierlich, voll und zur Andacht bewegend erklangen die Töne, die nicht nur zum Ohr, sondern auch zum Herzen drangen und daraus die alltägliche Gleichgültigkeit verjagten, um darin für die hcranzichcndc Herrlichteit GotteSeincn Ehrenplatz (?) einzurämncu. Daß die Macht der Musik dies zu Stande brachte, bewies das unter Orgclbegleitung gebetete ״stille Schcmona Eßra", welches von der Majorität mit voller Andacht gesprochen wurde. Das machte so ganz den Eindruck, als befände man sich in einer orthodoxen Synagoge. Darauf begann das Eharaktcristische des Festes, die Konfirmation. Der Chor, sich der Bedeutung des Tages bewußt, leitete mit erhabenem Gesang die Szene ein, während sich' die zur Konsirmirung bcstimmrcu 15 Mädchen von rechts und 20 Knaben von links in Prozession vor den Altar begaben und dort, in poetischen Worten sprechend, dem Publikum sich vorstelltcu und das von Israel vor dem Berge Sinai gegebene Versprechen נעשה ונשמע, wir wollen Gottes Willen erfüllen, sobald wir ihn gehört haben, wiederholten. Wie andächtig sic dann gemeinsam das שהחינו sprachen! Viele mögen diese neue Generation beneiden, daß cs ihr gegönnt ist, in bessere, gottgefälligere Bahnen einzulcnken, als wir Alten, von denen schon so viele auf dem Abwege zu weit vorgeschritten sind, um zur wahren Glückseligkeit zurückkchrcn zu können. -— Ein Mädchen und ein Knabe traten dann vor das Allcrhciligstc, anö welchem der Rabbi Dr. Wise zwei GcsetzcSrollen entnahm, eine in den Arm eines Knaben, die andere in den eines Mädchens legend, worauf diese unter Begleitung ihrer Altersgenossen mit dem Kleinod Israels das ״Almcmar" umlreistcn und cS dann ans das mit Gold, Seide und köstlichen lebenden Blumen geschmückte Lesepult legten. Auch nach diesem Akt gaben unsere jugendlichen Glaubensgenossen in schönen Worten ihre Ke.miniß von den Gesetzen Israels, der Wichtigkeit deö Tageö und der Zeremonie kund, worauf sic sich auf ihre Plätze znrückbcgabeu.' Im Abgehcn schmückte jedes dieser Kinder mit seinem bisher in der Hand gehaltenen großen Blumcubongnet als symbolischcs £בנורי (Erstling) das Allerhciligste, welche schöne Sitte ich in einer orthodoxen Synagoge noch nie gesehen habe. Daraus hielt der Prediger De. Wise eine halbstündige Kanzctrcde, auf deren Einzelheiten einzugehcn hier nicht der Platz sein dürfte, die selbstverständlich nicht nur zum Ensemble paßte, sondern so zu sagen den Edelstein in der Goldsassung bildete. Hierauf erschienen wieder unsere GtanbenSkinder (!) auf dem mit tropischen Pflanzen reich gezierten Almemar und sprachen den üblichen Segen über die Thora. Zwei Knaben und zwei Mädchen verlasen nun abwechselnd den einschlägigen Bibelabschnitt anS פרשה