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Jeschurun · 1887-06-30 · Heft 26 (30.6.1887) · p. 412

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 26 (30.6.1887)
Article
Österreich-Ungarn : Duna-Szerdahely, 26. Juni [Nachricht]
Date
1887-06-30
Page
412 (sequence 2)
Language
German
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es nur Verwüstung und Zerstörung. Ueber hundert j jüdische Familien irren herum, verzweifelnd und Hände-? ringend, obdachlos, aller Lebensmittel und Bekleidung! beraubt. Wohlhabende sind zu Bettlern geworden, arme,! fleißige Handel- und Gewerbetreibende dem größten! Elende prciSgegebcn. Die Größe dcS Unglücks spottet einer jeden Beschreibung." Der Herr Obcrrabbiner bittet dringend alle Glaubensgenossen, zur Linderung der ׳Roth ein Schärslein beiznstcnern. Er erwähnt dankbar der jüdischen Gemeinde zu Galantha, Preßburg und Jpolischag, welche sofort bei Bekanntwerdcn der Katastrophe Hülfe angcbotcn und gespendet haben. . 2. Przemysl (Galizien). Ein schönes Beispiel interkonfessionellen Wohlwollens und Freundlichkeit gewährten in diesen Tagen der hiesige Bischof, Eminenz Solccki, und die jüdische Kultnsgemcindc Wielkie-oczy. Der Ersicre wurde in dieser Stadt erwartet. Der Ort hatte sich zum Empfang des hohen Kirchensürsten festlich geschmückt. Auch die jüdische Gemeinde hatte sich, den Rabbiner und Vorstand an der Spitze, zur Begrüßung ausgestellt. ES regnete aber leider sehr heftig und der Bischof fuhr in seiner geschlossenen Kalesche an der' Judenschaft vorüber, ohne deren Begrüßung entgegenzunehmen. Man kann sich die Verstimmung der Genicinbc denken. Am andern Tage fuhr jedoch der Bischof in Begleitung des Barons von Hagen und. dessen Gemahlin bei dem Rabbiner vor, um sich für dieses Versehen, an welchem lediglich der Kutscher die Schuld trug, zu entschuldigen und seinen Dank für die ihm zngedachte Ehrenbezeugung ausznsprcchcn. Der hohe Besuch verweilte längere Zeit bei dem Rabbiner und verabschiedete sich unter herzlichem Händedrucke. Dänemark. XX Kopenhagen, Juni. Ich will nicht unterlassen, Sic von einer Feier in Kenntniß zu setzen, welche am 27. Si.wan (10. Juni) im Kreise der hiesigcn Genieindc stattfand. Wenn diese auch nur dem stillen Wirken eines bescheidenen Vereins galt, so legte doch dieses ein Zeuguiß für die erfreuliche Thatsache ab, daß trotz der Gleichgültigkeit gegen das Juden- 11)11111, welcher man in der Gegenwart leider nur allzuoft begegnet, dennoch das gegenwärtige und darum auch das zukünftige Geschlecht dem heiligen Erbe der Väter nicht verloren ist. Ist cs doch eine trostreiche Wahrheit, daß selbst in dem kleinsten Kreise, in welchem man, mit welchen geringen Kräften auch immer, ernst .und ansrichtig Erkenntniß der GotteSlehre austrebt!11 der reinen Absicht, sich der Erfüllung derselben zn weihen, Gott gegenwärtig ist. - Wo aber. GotkcS Herrlichkeit waltet, da waltet der Segen, da gedeihet die Saat, welche das Heil für die ganze Menschheit in ihrem Keime birgt. Darum hat auch die hier vor zehn Jahren von neun wackern jungen Männern ins Leben gerufene Vereinigung, welche sich den Namen עץ חיים beigelcgt, eine weit höhere Bedeutung als ihre äußere Erscheinung gewährt, denn durch sic wird jener Saat ein Samenkörnlein hinzngcfägt, ein kleines zwar, aber ein reines, gesundes und darum Leben erzeugendes. Der ״ ,עץ חייםein Baum des Lebens״, will die kostliche Frucht der höchsten Erkenntniß zeitigen. Er ladet Alle, hauptsächlich aber die jungen Männer, ein, sich niederzulassen in seinem Schatten, hier auSzurnhen von den Mühseligkeiten des Werktages und sich zn erlaben und zn erheben an den Früchten der NUN, die ja der einzige, wahre Leven spendende Baum ist, jeden der zn ihren םוחי?ךם zählt. Dieser vor zehn Jahren von Wenigen ins Leben gerufene Verein hat sein Ziel stetig verfolgt. Er hat dem Studium der תורה durch reaelmäßig stattfindcnbe Lehrstunden für Erwachsene in unserer Gemeinde eine würdige Stätte bereitet. Daß sein bescheidenes ernstes Wirken bei nnS Anerkennung gesundeii und nicht sruchtloS gewesen, das bezeugt die Feier seines zehnjährigen Bestehens, an welcher sich an zweihundert Personen bctheiligt haben. Die Feier war eine einfache, aber erhebende und würdige. ES wurde eine zu deren Ehre gedichtete hebräische Hymne von dem Oberkantor Herrn Simon, der eine herrliche Melodie dazu komponirt hatte, vorgctragcn. Herr Nabbincr Di*. Simonscn hielt einen sehr schönen und lehrreichen Vortrag. Ein fernerer Vortrag ward von dem Präses des Vereins Herrn Joseph Goldschmidt über den Verein und dessen Bestrebungen gehalten. Möge Gottes Segen mit diesem jungen Verein sein, der zn Seiner Ehre und zum Studium Seiner heiligen Lehre wirkt להגדיל תודח ולחאלדירה. Rußland. .-z. Petersburg, Juni. Es ist jetzt verfügt worden, daß keinem Inden, welcher nach Petersburg in Geschäften kommt, eine längere Anfcnthaltöcrlaubniß als für acht Tage crthcilt werden darf. * Petersburg, 25. Juni. Die unter dem Vorsitze des früheren Iustizministers Graf Pahlen tagende Kommission, welche mit einer Revision der auf die Juden bezüglichen Gesetze bcauslragt ist, hat ihre Arbeiten beendigt und ist gegenwärtig mit der Abfassung eines Berichtes beschäftigt. Fürst Galitzin, ein Mitglied dieser Komnnssion, hat alle die Israeliten bctrcssenden Gesetze Rußlands gesammelt und wird dieselben in einem Werke veröffentlichen. Seit 250 Jahren etwa bewohnen Judcn Rußland, und die Gesetze und Verordnungen, welche dieselben betreffen, sind häufig geändert worden. Die sich widersprechenden Ukase der Kaiser Alexandcr I. von 1304, Nikolaus I. von 1835 und das Gesetz von!883 haben

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