Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 20 (1887)
- Issue
- Heft 26 (30.6.1887)
- Article
- Deutschland : Aus Schlesien [Nachricht]
- Date
- 1887-06-30
- Page
- 411 (sequence 2)
- Language
- German
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411 daß in ihren Versammlungen eine Leugnung dcö Indenthumö mit Dank und Anerkennung begleitet wird. Ich bitte Sie deshalb, geehrter Herr Redakteur, daß Sie diesen Zeilen eine Stelle in Ihrem Blatte nicht versagen wollen. * Hamburg, 27. Juni. Mit dem englischen Dampscr ״Falcon" kamen am Sonnabend 28 mittellose jüdische Rückwanderer, denen die Landung in Ncwyork versagt worden war, hier an. Dieselben wurden bei ihrer Ankunst von dem israelitischen HülfS- Komitö in Empfang gcnonrmen und gestern weiter zu ihrer Hcimath nach Rußland und Polen befördert. Oesterreich - U ugaru. *||* Pest, 23. Juni. ES ist bedauerlich, daß konstatirt werden muß, wie der oberste Geistliche der katholischen Kirche in Ungarn, der Fürstprimas Kardinal Simon, offen für die Amiscmitcn anstritt. Es wird dieses an allerhöchster Stelle sehr übel vermerkt. Unser König will sein Volk nicht in Rohheit und Ungerechtigkeit, in Zwist und Verfolgung sich seiner Ehre begeben sehen. —Die Zeitungen sprechen größten- 1 Heils ihre besondere Genagthuung auS, daß Vcrhovay in Czcglcd unterlegen ist. Am kürzesten, aber ausdrucksvollsten und sehr treffend sagt der ״Ncmzct": ״Im Interesse der Reinheit dcö össentlichcn Lebens in Ungarn konstatircn wir frei von jedem Parteiintercsse mit Freude die Thatsache, daß heute in Ezcglcd Beba Komjathy (der Gegenkandidat Berhovay'S) zum Abgeordneten gewühlt worden ist." Der neue Reichstag wird 11 Antisemiten zählen, während der vorige deren 15 in seiner Mitte sah. Unter den Abgeordneten werden 6 Israeliten sein. -0- Kraknn, 26. Juni. Kronprinz Rudolph wird in den nächsten Tagen die Kronlande Galizien und Bukowina in Begleitung seiner Gemahlin besuchen. In freudiger Stimmung sicht man hier seiner Ankunft entgegen. Die jüdische Bevölkerung steht gegen ihre Mitbürger nicht zurück Ln Liebe und Verehrung für das erlauchte Kaiserhaus. Sie rüstet sich, dem Krönerben einen herzlichen und würdigen Empfang zu bcreiten. Der Präses dcS Vorstandes der orthodoxen Vereinigung ״Machsike HadaS, Herr I. L. Schreiber in Drohobycz, hat einen warmen patriotischen Aufruf in hebräischer Sprache erlassen, in welchem er die gesammte Iudcnschaft zur regsten Theilnahme an der Begrüßung des krouprinzlichcn PaarcS auffordcrt. * Uns Mähren, 23. Juni. Dem ״Wiener Israelit" wird gemeldet: Der tschechijche^Ortsschulrath in Lelckowih in Mähren hat am Samstag eine Kundmachung betreffs des Verkaufs dcö alten SchulgebändeS erlassen und hierbei den Zusatz gemacht: ״Israeliten werden zur Lizitation nicht zugelassen." Der LandeSschulrath hat heute diese Kundmachung als ungesetzlich kassirt, dem Ortöschulrath die Vcrösfcntlichung einer anderweitigen gesetzlichen Kundmachung aufgetragen und ihn wegen seines ungebührlichen Vorgehens zur Rechenschaft gezogen. g. 22. Juni. Der alte Patriot Kossuth hat den Antisemitismus in einem seiner bcrüchtigtstcn Vertreter, Julius Vcrhovay, auf's Haupt geschlagen. Die hier anfänglich mit Unglauben aufgenommene Nachricht, daß Kossuth den Czcgledcrn sagen ließ, sie möchten dem ungarischen Namen die Schande ersparen, einen Antisemiten, d. i. einen Feind dcS Vaterlandes, einen Feind des Rechts, einen Feind der Gesittung, zu wählen, hat sich doch bewahrheitet, und einer der eifrigsten Agitatoren für Berhovay'S Wahl, McSzaroS, hat dieses Verdikt Kossnth'S in letzter Stunde durch Plakate zur allgemeinsten Kunde gebracht. Diese Handlung MeözaroS' hat Berhovay'S Kandidatur zu Fall gebracht. Er ist seinem Mitbewerber Komjathy unterlegen, und diese Niederlage bedeutet mehr, als man auswärts glaubt. Sic ist in der That ein Triumph der guten Sache. ~ Duna-Szerdahely, 22. Juni. Der Vorstand der israelitischen Gemeinde hat folgende Kundgcbung erlassen: ״Gegenüber den von antisemitischer Seite entstellten Zeitungsberichten, welche baö große Unglück, das unsere Stadt betroffen hat, zn verkleinern suchen, wird von Seite der Stadtbchörde der amtliche SchadericrhebungSbcricht, der soeben scrtiggestellt wurde, morgen in dem halbamtlichen ״PoSzonyvideki Lapok" veröffentlicht. Das Resultat ist folgendes: 79 Familien und deren Mitglieder, 460 an der Zahl, sind obdachlos geworden. Der geschätzte Schaden an beweglichcm und unbeweglichem Vermögen beläuft sich ans 152 000 sl., wovon nur 28 000 fl. assckurirt waren. Das Militär hat in der Stadt die Ruhe hergcstellt. In der Umgebung aber sind die jüdischen Bewohner noch immer bedroht." In einem andern Schreiben schildert er die augenblickliche schreckliche Noth der Obdachlosen, Hungernden und Nackten, und bittet die Glaubensgenossen um Hülfe. Dnna-Szerdahely, 26. Juni. Bon Seiten des hiesigen OberrabbincrS ist in Anlaß der furchtbaren von Antisemiten angestistcten FeuerSbrnnst ein Ausruf erlassen, ans welchen! das Folgende mitgcthcilt werden möge: ״Ein furchtbares Unglück hat unsere Gemeinde hcimgcsncht. In der Nacht vom 18. auf den 19. d. M. brach auf mehreren Seiten zugleich, wahrscheinlich von ruchloser Hand gelegt, Feuer aus. In Folge des orkanänlichen Sturmwindes stand in einem Nu ein großer Theil der Stadt in lodernden Flammen und wurde zu einem Schutthaufen verwandelt. Unsere Stadt gleicht einer Ruine. Wohin das Auge sich wendet, sicht